Regionale Wirtschaft braucht kraftvolle Wachstumsimpulse
von Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg am 23.01.2026Die Konjunktur in Nordostniedersachsen tritt auf der Stelle. Das zeigt die Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW) für das vierte Quartal 2025: 448 Betriebe aus den Landkreisen Harburg, Heidekreis, Lüneburg, Lüchow-Dannenberg, Uelzen und Celle haben im Dezember und Januar ihre Lage und Erwartungen eingeschätzt. Der IHK-Konjunkturklimaindikator verharrt bei 84 Punkten – deutlich unter dem Niveau vor der Coronapandemie.
Hohe Energie- und Arbeitskosten, hohe Steuern und überbordende Bürokratie setzen die Unternehmen unter Druck. „Seit Monaten wirken dieselben Bremsklötze auf die Unternehmen – mit deutlichen Folgen: Produktionskapazitäten werden ins Ausland verlagert, Investitionen werden verschoben, Wachstum bleibt aus. Wir brauchen jetzt kraftvolle, dauerhaft wirksame Wachstumsimpulse durch mutige Strukturreformen“, sagt IHKLW-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert.
In einzelnen Branchen zeigen sich unterschiedliche Entwicklungen: In der Industrie hat sich der Konjunktur-Index gegenüber dem dritten Quartal 2025 um fünf auf 80 Punkte verbessert – getragen von höheren Auftragseingängen und gestiegenen Exporterwartungen. Gleichzeitig planen viele Industriebetriebe, an heimischen Standorten Personal abzubauen. Der Konjunktur-Index des Einzelhandels verharrt bei 77 Punkten, bei den Dienstleistern steigt er um fünf auf 91 Punkte, während er im Großhandel um elf auf 67 Punkte zurückgeht.
Die schwache Konjunktur schlägt zunehmend auf den Arbeitsmarkt durch: 30 Prozent der regionalen Unternehmen rechnen damit, Personal reduzieren zu müssen. Eine Ausweitung des Personalbestands planen dagegen nur elf Prozent. Gleichzeitig bleibt der Fachkräftemangel ein zentrales Risiko: 45 Prozent der Betriebe sind besorgt, mehr als die Hälfte (54 Prozent) sieht steigende Arbeitskosten als Belastung für die künftige Geschäftsentwicklung. „Zukunft braucht Arbeit, Arbeit braucht Fachkräfte: Ohne mehr Tempo bei Qualifizierung, Zuwanderung in den Arbeitsmarkt und einer Verwaltung, die Anträge nicht stapelt, sondern Entscheidungen trifft, verlieren wir genau die Menschen, die unsere Betriebe dringend brauchen“, so Zeinert. Die IHKLW unterstützt Unternehmen mit Veranstaltungen und Beratungsangeboten bei der Fachkräftesicherung und setzt sich zugleich gegenüber der Politik für die notwendigen Weichenstellungen ein.
Weiterhin sind auch die hohen Energie- und Rohstoffpreise für 38 Prozent der Unternehmen eine schwere Last. 57 Prozent sorgen sich angesichts der schwachen Inlandsnachfrage. Als Top-Risiko nennen die Betriebe die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen: 68 Prozent sehen darin ein erhebliches Risiko für die künftige Geschäftsentwicklung – sechs Prozentpunkte mehr als im Vorquartal. „Die Wirtschaft braucht den ‚Herbst der Reformen‘ nicht als Schlagwort, sondern als Versprechen. Wenn die Bundesregierung jetzt nicht liefert, wird daraus ein Herbst der verpassten Chancen – mit einem Winter aus Standortverlusten und weiterem Jobabbau. Wir brauchen endlich Entscheidungen, die Betriebe entlasten, Investitionen ermöglichen und Arbeit wieder attraktiver machen“, sagt Zeinert.
Zu den Lichtblicken zählt aus Sicht der IHKLW die vor Weihnachten beschlossene Modernisierungsagenda, die den Staat schneller und digitaler machen und Genehmigungs- sowie Berichtspflichten spürbar reduzieren soll. „Das ist der richtige Ansatz – aber entscheidend ist die Umsetzung in den Behörden. Wenn Verfahren digital laufen, Fristen verbindlich werden und Zuständigkeiten klar sind, gewinnen Betriebe Zeit, Verlässlichkeit und am Ende Wettbewerbsfähigkeit“, sagt Zeinert.
Beide Konjunkturberichte – für Nordostniedersachsen sowie gemeinsam mit der IHK Braunschweig für den Wirtschaftsraum Braunschweig-Wolfsburg – mit weiteren Daten, Grafiken und Erläuterungen sind online abrufbar unter www.ihk.de/ihklw/konjunktur.
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