Lüneburg, am Dienstag den 19.05.2026

Schießgrabenstraße sozial — nun soll doch ausgeschrieben werden

von Carlo Eggeling am 19.05.2026


Bei Lüneburg aktuell stand es bereits am Samstag, die von Sozialdezernentin Gabriele Scholz vorgelegten Pläne für das Szenecafé samt zwei Wohnungen an der Schießgrabenstraße sind einen erwartbaren kläglichen Tod gestorben, für die heute angesetzte Sitzung des Verwaltungsausschusses präsentiert die Verwaltung nun einen neuen Vorschlag. Die Vermietung der Wohnungen soll künftig zumindest in Ansätzen etwas mit dem betreuungsintensiven Ansatz für Wohnungslose namens Housing first zu tun haben. Eine Zimmervermittlung, wie von Frau Scholz vorgestellt, bei der Suchtkranke auf Alleinerziehende und ihre Kinder treffen können, soll so wenig wahrscheinlich werden.

All das ergibt sich aus einem internen Papier, das jetzt an Mitglieder des VA, dem kleinen Rat, geschickt wurde. Wie berichtet, hat die Sozialabteilung des Rathauses die jährlichen Kosten für das Gebäude inklusive zweier Sozialarbeiterstellen mit 350 000 Euro veranschlagt. Laut des Papiers sollen 120 000 Euro davon über das vom Rat beschlossene Housing first-Konzept fließen. 57 000 Euro sollen über Vermietung hereinkommen. Die Stadt will nicht, wie zunächst verkündet, den Verein Housing des Ratsherren Sören Köppen (Basis) damit beauftragen, sondern die Vermietung ausschreiben.

Selbst will die Stadt die Vermietung nicht übernehmen, weil sie dafür zwei Sozialarbeiterstellen veranschlagt. Die werden laut Verwaltungsprofis pro Nase und Jahr inklusive Lohnnebenkosten mit jeweils rund 60 000 bis 70 000 Euro kalkuliert.

Zwar betont die Verwaltung in der Vorlage, letztlich könne sie alleine entscheiden, den Auftrag ohne politische Beschlüsse zu vergeben. Doch das wirkt eher trotzig, da das Sozialdezernat kürzlich von mehreren politischen Seiten, selbst von den Grünen, die die Oberbürgermeisterin stellen, harte Kritik einstecken musste und mutmaßlich gescheitert wäre. Nun heißt es: "Wenngleich ein Ausschreibungsverfahren zu zeitlichen Verzögerungen und Einnahmeausfällen führen kann, hat sich die Verwaltung deshalb entschieden, der Politik dieses Verfahren vorzuschlagen."

Der Hintergrund für den Sinneswandel ist ein offenes Geheimnis in Verwaltung und Politik. Es gab in den vergangenen Tagen mehrere Gespräche unter anderem mit OBin Claudia Kalisch, um einen Ausweg aus der verfahrenen Situation zu finden. Das Sozialcafé samt der Wohnungen ist eine Herzensangelegenheit gerade der Sozialdemokraten, die wie andere auch den Ansatz nicht scheitern lassen wollen, wie sie mehrfach öffentlich betonten.

Gleichwohl bringt die SPD-Fraktion einen Änderungsantrag ein, um die Verwaltung auf die gewünschte Linie zu bringen, den Handlungsspielraum von Dezernentin Scholz einzuengen und um das Thema in den Rat zu holen -- Erfolge feiert man gern öffentlich. Gleichzeitig legt der Antrag offen, wo das Ressort von Frau Scholz aus Sicht der SPD vage bleibt.

Der Wortlaut:

"Die Verwaltung legt dem Rat bis zur nächsten Ratssitzung am 18.06.2026 ein abgestimmtes und finanziell abgesichertes Gesamtkonzept für die geplante Nutzung des Gebäudes Schießgrabenstraße 17 vor. Dabei soll insbesondere dargestellt werden:
· wie das geplante Szene-/Kontaktcafé beziehungsweise der Tagesaufenthalt konkret arbeiten soll,
· welche Zielgruppen angesprochen werden sollen,
· wie die Nutzung der oberen Stockwerke vorgesehen ist,
· welche Betreuung und Unterstützung für die betroffenen Menschen geplant ist,
· wie freie Träger, Suchthilfe, Wohnungslosenhilfe und weitere Akteure eingebunden werden sollen,
· wie Betroffene und Nachbarschaft beteiligt werden,
· welche Fördermittel genutzt werden können,
· und nach welchen Kriterien mögliche Kooperationspartner ausgewählt werden.
Bis zur Vorlage dieses Konzeptes sollen keine endgültigen vertraglichen Bindungen zur Anmietung oder Untervermietung erfolgen." Carlo Eggeling

© Fotos: ca


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