Lüneburg, am Donnerstag den 23.04.2026

Sondervermögen, Gewinnwarnung und andere Märchen aus dem Paralleluniversum

von Winfried Machel am 23.04.2026


Es gibt sie noch, die guten Nachrichten – man muss nur lernen, sie richtig zu lesen. Wenn eine Aktiengesellschaft eine „Gewinnwarnung“ herausgibt, bedeutet das schließlich nicht etwa Verlust. Nein, es ist eher eine freundliche Erinnerung daran, dass Gewinne auch mal Urlaub machen dürfen.
Ähnlich verhält es sich mit dem „Sondervermögen“ des Bundes. Das klingt nach einem geheimen Sparschwein irgendwo im Berliner Keller. Tatsächlich handelt es sich eher um ein sehr öffentliches Schuldenkonto – aber eben mit besserem Marketing. Schulden, aber bitte mit Stil.
Auch im Alltag wird fleißig beschönigt: Aus Preiserhöhungen werden „Anpassungen“, aus Problemen „Herausforderungen“ und aus Entlassungen „Freisetzungen“. Man fragt sich, wann der erste Supermarkt damit wirbt, seine Preise „nach oben zu optimieren, um dem Kunden neue finanzielle Horizonte zu eröffnen“.
Vielleicht ist das alles gar keine Täuschung, sondern einfach eine neue Form von Poesie. Eine, in der Worte nicht mehr bedeuten, was sie sagen – sondern das, was man gerade besser hören kann. Und irgendwo zwischen Gewinnwarnung und Sondervermögen bleibt nur eine leise Gewissheit: Die Realität klingt einfach schöner, wenn man sie anders nennt.

© Fotos: KI generiert


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