Lüneburg, am Mittwoch den 14.01.2026

SPD-Vorschlag zur Erbschaftssteuer ist Gefahr für den Mittelstand

von Industrie- und Handelskammer am 14.01.2026



IHKLW-Präsident Andreas Kirschenmann warnt: Die SPD-Ideen zur Erbschaftssteuer treffen Familienunternehmen und schwächen den Standort

Die SPD will die Erbschaftssteuer neu zuschneiden – und setzt damit Unternehmensnachfolgen im familiengeführten Mittelstand aufs Spiel. Andreas Kirschenmann, Präsident der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW), warnt vor spürbaren Folgen für Familienunternehmen: „Wenn Betriebsvermögen künftig schneller steuerpflichtig wird, trifft das Betriebe, deren Vermögen in Maschinen, Gebäuden und Lizenzen steckt, besonders hart – denn das Vermögen ist nicht auf dem Konto.“ Die SPD argumentiere mit Milliardenvermögen – betroffen wären am Ende aber vor allem Unternehmensnachfolgen im Mittelstand.

Anlass sind die am Dienstag, 13. Januar, bekannt gewordenen Vorschläge der SPD zur Reform der Erbschaftssteuer. Vorgesehen sind nach den bislang bekannten Eckpunkten unter anderem ein lebenslanger Freibetrag von einer Million Euro pro Person sowie Ausnahmen für selbst genutztes Wohneigentum. Für Unternehmensnachfolgen soll ein zusätzlicher Freibetrag von fünf Millionen Euro gelten. Oberhalb dieser Grenze sollen Steuern von bis zu 50 Prozent anfallen, die über bis zu 20 Jahre gestundet werden könnten.

Kirschenmann hält auch die Stundung für keine Lösung: „Eine gestundete Steuer ist nicht weg – sie steht als Verbindlichkeit in der Bilanz, muss am Ende bezahlt werden und bindet mögliche Reserven oder reduziert den Spielraum für Finanzierungen und Investitionen.“ Gerade der aktuellen schwachen Phase ist dieses Thema äußert schädlich für die wirtschaftliche Entwicklung und beeinträchtigt das Vertrauen in die Zukunftsaussichten. „Das ist das falsche Signal zur falschen Zeit. Was wir brauchen sind Steuersenkungen und Entlastungen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.“

Wie angespannt die Lage bei Unternehmens-Übergaben bereits ist, zeigt der DIHK-Report Unternehmensnachfolge. Im Jahr 2024 haben die IHKs bundesweit 9.636 Unternehmen bei der Nachfolge beraten. Dem standen 4.016 Übernahmeinteressierte gegenüber – damit fehlen rechnerisch für 5.620 Betriebe potenzielle Nachfolger. „Wir haben schon heute mehr als doppelt so viele Betriebe auf Nachfolgesuche wie Menschen, die übernehmen wollen. Wer in dieser Situation an der Steuerschraube dreht, erhöht das Risiko von Notverkäufen und Betriebsaufgaben“, warnt Kirschenmann.

Der IHKLW-Präsident kritisiert zudem die politische Stoßrichtung: „Statt den Sozialstaat wirklich zu reformieren, flüchtet sich die SPD in Umverteilungsdebatten. Wenn jemand Vermögen bildet, macht er das aus Geld, das bereits mehrfach versteuert wurde. Irgendwann muss es auch mal den Menschen gehören, die es erwirtschaftet haben und sie müssen selbst darüber entscheiden können, wer es bekommt, wenn ein Generationswechsel ansteht. Ein Staat, der durch immer mehr Steuern, Gesetze und Bürokratie die Freiheit einschränkt, gefährdet nicht nur Unternehmensnachfolgen und Wachstum, sondern riskiert auch das Vertrauen seiner Bürger mehr und mehr zu verlieren. Auch das ist gerade in dieser Zeit grundfalsch und gefährlich.“

© Fotos: Symbolfoto – KI-generiertes Bild.Keine realen Personen oder tatsächliche Einsatzlage


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