Straßensozialarbeit fällt aus
von Carlo Eggeling am 14.01.2026Die Mischung aus kommunalem Ordnungsdienst und Straßensozialarbeit sei eine gute Antwort auf die Herausforderung von Menschen mit Drogen- und Alkoholproblemen sowie Obdachlosen in der Innenstadt, betonen Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch und Sozialdezernentin Gabriele Scholz gern. Aktuell hat das Ganze einen Haken: Straßensozialarbeit findet nicht statt. Der Vertrag, den das Rathaus mit dem Herbergsverein geschlossen hat, lief Ende vergangenen Jahres aus. Die Verhandlungen über die Fortsetzung stocken -- seit 1. Januar. ist daher kein Kollege auf den Straßen unterwegs.
Das ist ein offenes Geheimnis, über das sowohl im Streifendienst der Polizei, bei anderen sozialen Organisationen und in der Politik erzählt wird. Hinter vorgehaltener Hand, man wolle es sich nicht mit dem Rathaus verderben. Anfrage beim Chef der Herberge, Thorben Peters, Antwort: "Ich kann dazu nichts sagen, wenden Sie sich an die Stadt." Anfrage an die Pressestelle der Polizei. Antwort: "Wir sind nicht der richtige Ansprechpartner, fragen Sie das Rathaus."
Anfrage im Rathaus, Antwort: Man habe eine Presseerklärung in Arbeit, die solle morgen veröffentlicht werden. LA wird die Verlautbarung dann veröffentlichen.
Nach Recherchen von LA, die von mehreren Ansprechpartnern bestätigt wurden, hatte sich der Herbersverein und damit die Dachorganisation Diakonieverband auf eine Ausschreibung beworben. Mit dem Angebot war die Verwaltung nicht zufrieden. Dem Vernehmen nach soll es darum gehen, dass Präsenzzeiten der Sozialarbeiter unter anderem aufs Wochenende ausgedehnt werden sollen, auch mit der Erreichbarkeit der Kollegen soll man im Sozialdezernat unzufrieden sein. Es liegt nahe, es geht auch ums Geld -- was das Rathaus zahlen möchte, reicht dem Herbergsverein anscheinend nicht aus.
Aus der Politik kommt Verständnis für die Haltung der Verwaltung. "Der Herbergsverein ruht sich etwas darauf aus, dass er der einzige Anbieter ist", ist aus dem Sozialausschusses zu hören. "Leistungen könnten besser und passgenauer werden." Gleichwohl sei es schlecht, dass es im Moment keine Notfallbetreuung gebe. Eine Lösung sollte schnell gefunden werden.
In diesem Zusammenhang monieren Sozialpolitiker, dass es mit einem Szenetreffpunkt nicht vorangehe. Sozialdezernentin Scholz habe das Thema an sich gezogen, Ergebnisse seien nicht sichtbar.
Es lohnt ein Blick nach Schleswig-Holstein. Vor zwei Tagen berichtete unter anderem der NDR über einen Trinkraum in Flensburg. Dort habe es ähnliche Probleme wie in Lüneburg gegeben. In einer ehemaligen Kneipe kann sich nun die Szene treffen. Die Stadt hat zwei Mitarbeiter eingestellt. Die Kosten des erst einmal auf ein Jahr angelegten Projekt beziffert der Bericht auf rund 110 000 Euro. Das seit einem Monat laufende Angebot werde gut angenommen, sorge für Entlastung, zitiert der NDR das Rathaus in Flensburg.
Zum Vergleich: Lüneburg möchte nach Aussagen der Oberbürgermeisterin den kommunalen Ordnungsdienst mit 13 Stellen besetzen. Inklusive Lohnnebenkosten dürfte das pro Nase und Jahr um die 60 000 Euro, wenn nicht mehr kosten. Im Sozialdezernat hatte von der Vörgänger von Frau Scholz mehrmal wiederholt, die Stadt finde keine Räume. Das ist die Haltung seit mehr als drei Jahren. Allerdings gibt es seit langem den Gegenvorschlag, dann eben Container mit einem entsprechenden Angebot etwa am Lambertiplatz oder im Clamartpark zu installieren. Carlo Eggeling
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