Streetwork fällt aus — zwischen Kritik und überschaubares Problem
von Carlo Eggeling am 15.01.2026Es war lebensbedrohlich kalt in den vergangenen Tagen, das Rathaus gab eine Pressemitteilung heraus, wer Menschen auf der Straße liegen sehe, möge Rettungsdienst oder Polizei verständigen. In der Mitteilung von 6. Januar ist von Streetworkern des Lebensraum Diakonie keine Rede, sie sind im Auftrag der Stadt unterwegs. Die hätte man auch schwerlich ansprechen können, der Vertrag zwischen Stadt und Verband lief zum Jahreswechsel aus, eine Verlängerung oder zumindest eine Übergangslösung wurde nicht vereinbart. Die Linke im Rat spricht von einer lebensgefährdenden Situation. Die vermag die Stadt nicht zu erkennen.
Man habe eigenes Personal eingesetzt, heißt es auf Anfrage: "Bei den eingesetzten städtischen Mitarbeitenden aus dem Fachbereich Soziales und Integration handelt es sich um zwei Sozialpädagogen aus der Fachstelle Wohnungslosigkeit, deren Leitung und um die Fachbereichsleiterin. Diese Personen sind flexibel und je nach Bedarf im Einsatz, zum Teil auch am Wochenende." Wie oft sie konkret auf der Straße waren, beantwortet die Stadt nicht.
Nach dem LA am Mittwoch berichtet hatte, schickte die Stadt am Donnerstagvormittag eine Pressemitteilung. Man verhandle mit dem Lebensraum Diakonie. Auf eine Ausschreibung habe es ein Angebot des Vereins gegeben, den nutzt die Stadt, um im Notfall Menschen schnell eine Unterkunft zu vermitteln -- in der Herberge am Kalkberg.
Mit dem Angebot des Verbands war die Stadt offensichtlich nicht zufrieden, es scheint auch schon vorher einen Dissenz gegeben zu haben, die Mitteilung aus dem Rathaus: „Bedauerlicherweise hat das Angebot der Diakonie die Kriterien der Ausschreibung nicht erfüllt“, sagt Lüneburgs Sozialdezernentin Gabriele Scholz. „Das hat uns selbst überrascht. Nach den rechtlichen Vergabevorgaben waren uns die Hände gebunden. Gespräche mit Bewerber:innen während des Verfahrens sind nicht zulässig.“ Entsprechend der Vorgaben musste das Verfahren ohne Vergabe aufgehoben werden. In einem nächsten Schritt ist jetzt eine sogenannte Verhandlungsvergabe möglich. „Dazu befinden wir uns aktuell in Gesprächen mit der Diakonie, um hoffentlich schnellstmöglich zu einer guten Lösung im Sinne aller zu kommen“, sagt Sozialdezernentin Scholz. Dazu gehören aus Sicht der Stadt insbesondere verlässliche Einsatzzeiten und eine gute Erreichbarkeit.
"Verlässliche Einsatzzeiten und eine gute Erreichbarkeit." Daran scheint es geharpert zu haben. Zur Erinnerung: Im Sommer campierte und randalierte ein 31-Jähriger auf der Bühne im Glockenhof. Laut Anliegern erschienen weder der kommunale Ordnungsdienst noch Sozialarbeiter in angemessener Zeit. Am Ende ging der Mann, seinen Kram -- bis auf einen Schlafsack -- entsorgte die Stadtreinigung.
Nachfragen, inwieweit die kritisierte Unzuverlässlichkeit Thema der Verhandlungen waren und ob der Verband Zusagen einer Veränderung gegeben hat, bleiben offen: Vertragsverhandlungen und vertraulich.
Nächste Woche tagt der Sozialausschuss. Es ist zu erwarten, dass die Lage Thema sein dürfte. Da soll es laut Pressestelle nach Monaten von Nachfragen und Diskussionen auch eine Anwort dazu geben, ob und wie ein Szenetreff umgesetzt werden kann. Heute könne man nichts dazu sagen. Obwohl sich die Frage einige Bürger stellen, denn naheliegenderweise müsste man so einen Anlaufpunkt ja mit der Straßensozialarbeit verbinden -- zumindest ein Teil der Klientel ist deckungsgleich.
Wer kümmert sich jetzt und mangels Vertrag in der der nächsten Zeit um die Menschen auf der Straße? Dazu teilt das Rathaus mit: "Die zuständige Fachbereichsleiterin, Barbara David, betont mit Blick auf die aktuelle Situation: „Das Hilfsnetz für Menschen, die auf der Straße sind, ist natürlich weiterhin gespannt – auch wenn aktuell die Mitarbeitenden der Diakonie nicht unterwegs sind.“ Mitarbeitende aus dem Sozialbereich, Quartiersmanager:innen und die Kolleg:innen des Kommunalen Ordnungsdienstes seien in der Innenstadt und in den Quartieren unterwegs. „Sie alle haben die Menschen im Blick und wissen, was zu tun ist, wenn Hilfe benötigt wird“, sagt David."
Wenn das Netz so gut gespannt ist, braucht es dann eigentlich noch Streetwork? Um Antworten dürften Mitglieder des Sozialausschusses kommende Woche fordern. Carlo Eggeling
Kommentare
Zu diesem Artikel wurden bisher keine Kommentare abgegeben.
_Banner_Winsen_und_Lueneburg_Aktuell_Hausverwaltung__.jpg)
_Mai23.jpg)
_Banner_LA_345x5001.jpg)
_ubiMaster1.jpg)
_wernieNovember2.jpg)