Suche Zimmer — im Rathaus
von Carlo Eggeling am 26.03.2026Ich hätte gern ein neues Arbeitszimmer im Rathaus — Wahlkampf
Lange haben sie gesucht, nun soll es einen Kandidaten geben, der für die CDU als Oberbürgermeisterkandidat antritt. Einen Namen nennt der Stadtverband nicht, aber das Gremium soll sich am Mittwoch einvernehmlich geeinigt haben. Vorstellen wollen die Christdemokraten ihren Frontmann am Freitag um zehn. Felice und die Rackerstraße sprechen bei der Wahl des Verkündigungsortes für eine gewisse Coolness und Verbundenheit mit der Stadt, die kleinste Bar Lüneburgs mit der größten Stimmung. Und Stammkneipe einiger CDUler.
Wie auch die SPD will die CDU aus ihrem Selbstverständnis heraus mit einem eigenen Kandidaten antreten. Als Partei mit Geschichte und Führungsfiguren des Landes muss es jemand mit Parteibuch sein. Zwar hat es, das bestätigen Akteure beider Lager, Gespräche geben, um sich auf einen gemeinsamen Kopf zu einigen, doch am Ende kam man nicht zueinander. Beide Parteien machten zudem die Erfahrung, dass das Spitzenamt so gar nicht als spitze empfunden wird -- bei Verhandlungen kassierten Rot wie schwarz einige Absagen. Innerhalb der CDU wollte man wiederum einen nicht, der sich für mehrere Ämter in der Region ins Spiel gebracht hatte.
Morgen dann die Überraschung für die Öffentlichkeit, so die Idee. Ob es am Ende wirklich so überraschend kommt, wie die Versprechungen es erzählen möchten, kann man abwarten. Denn es bleiben eigentlich nicht viele übrig, die sich für den Job letztlich opfern.
Ein Blick auf Lüneburg zeigt auch, warum es für Interessenten viele Fragezeichen gibt. Gespräche mit Gemeindechefs aus dem Umland machen klar, warum: In Samtgemeinden sitzen Kollegen egal welcher Couleur recht sicher im Sattel. Wer in der Stadt antritt, gibt diesen Posten auf. "Wenn ich das machen sollte, müsste ich eine ähnlich bezahlte Stelle sicher haben, etwa bei einer Landesbehörde oder in Hannover in einem Ministerium", heißt es. Natürlich ohne Namen, wer stellt schon öffentlich seine Leidenschaft als Dörfer-Regent infrage, wenn er weitermachen will?
Sicher dürfte sein, dass die Grünen bei der Wahl zum Stadtrat wahrscheinlich Einbußen hinnehmen müssen, aber durch Uni und Behördenmilieu trotzdem um die zwanzig Prozent erreichen. Die Linke verzeichnet Zulauf, das hatte sich bei der vergangenen Bundestagswahl gezeigt. Jüngere Wählerinnen aus dem Uni-Umfeld finden die provokante Heidi Reichineck mit ihrer Robin-Hood-Losung "Den Reichen nehmen, den Armen geben" toll. Die AfD, die keinen OB-Kandidaten ins Rennen schickt, dürfte angesichts von bundesweiten Umfragewerten zweistellig in der Stadt abschneiden, in Kaltenmoor hatte sie bereits 30 Prozentpunkte geholt. Die FDP, Volt und andere Kleingruppen sammeln zumindest ein paar Prozente.
Die SPD, die einst eine Hochburg in Lüneburg hatte, sackte durch. Wenn sie ein ähnliches Ergebnis wie 2021 erzielt, hat sie viel geschafft. Tja, und die CDU? In diesem Lager weiß man, dass es schwierig werden dürfte angesichts der grünen und linken Stimmung so wie einem Gegenwind, den eine schwarz-rote Regierung in Berlin angesichts von Geeier und steigenden Preisen von Sprit bis Lebensmitteln hinnehmen muss. Umfragewerte und Wahlergebnisse demonstrieren, dass die einstigen Volksparteien an Schwindsucht leiden.
Zurück zur OB-Wahl. Kontrapunkte zur Amtsinhaberin gibt es reichlich, die werden Angreifer nutzen. Claudia Kalisch tritt zwar medienwirksam auf, hat unter anderem mithilfe der städtischen Pressestelle Facebook und Instagram zu ihrem Wohnzimmer gemacht. Doch in der Wahrnehmung vieler bringt sie den im vergangenen Wahlkampf versprochenen Umbau der Stadtgesellschaft und ihrer Bedingungen zu wenig nach vorne. Leerstand in der Innenstadt, mangelhafte Radwege, drückende Wohnungsnot, vom Lieblingsprojekt neuer Marienplatz ganz zu schweigen.
Mit der CDU füllt sich das "Schlachtfeld" weiter. Die SPD hat den selbst in eigenen Reihen kaum bekannten Oliver Wozniok aufgestellt, die FDP den stets freundlichen Frank Soldan, die Linke den Chef der Herberge, Thorben Peters. Michèl Pauly, ehemals Linker, will für Volt antreten. Es wird gemunkelt, auch Spaßmacher von Die Partei wollen jemanden nominieren.
Für die Grünen ist Claudia Kalisch die Frau der Wahl, die offenbar auf Sieg oder Ich bin weg setzt — sie kandiert nicht für den Stadtrat, was nahelegt, dass sie bei einer Niederlage den Niederungen der Lokalpolitik den Rücken kehren möchte.
Einer bleibt: der ewige Heiko Meyer. Er hatte versucht, als Parteiloser SPD und CDU von sich zu überzeugen — das ging nicht auf. Er sagte, in eine Partei wolle er nicht eintreten. Überparteilich Mehrheiten finden und „für das Wohl der Stadt Entscheidungen treffen“, sei sein Ansatz.
Der LCM-Vorsitzende ist mit jedem per Du, bekannt ist er wie kein zweiter, seine kumpelhafte Art kommt bei vielen an. Er gilt auf jeden Fall als Favorit. Bei der letzten Wahl kam er ins Finale, unterlag Claudia Kalisch -- aber mit einem respektablen Ergebnis. Es scheint ziemlich klar, Heiko will es noch einmal wissen. Es ist ein offenes Geheimnis: Die Vorbereitungen laufen.
Freitag, kurz vor dem Wochenende, könnte ein Tag erwartbarer Überraschungen werden. Carlo Eggeling
Kommentare
Zu diesem Artikel wurden bisher keine Kommentare abgegeben.
_Mai23.jpg)
_wernieNovember2.jpg)
_Banner_Winsen_und_Lueneburg_Aktuell_Hausverwaltung__.jpg)
_ubiMaster1.jpg)