Lüneburg, am Sonntag den 22.02.2026

Szene soll an der Schießgrabenstraße andocken

von Carlo Eggeling am 23.01.2026


Einige dürften das Haus an der Schießgrabenstraße von innen kennen, bis vor ein paar Jahren war im Erdgeschoss eine Praxis für Physiotherapie und Massage zu Hause. Nun soll dort der sogenannte Szene-Treff entstehen, ein Ort für Menschen, die Drogen konsumieren. Jetzt präsentierte Sozialdezernentin Gabriele Scholz die Räume Mitgliedern des Sozialausschusses. Mit Mehrheit begrüßte das Gremium die Empfehlung, die Räume zu mieten. Endgültig zustimmen muss Mitte Februar der Rat.

Ein fertiges Konzept habe sie nicht, sagte Sozialdezernentin Scholz später im Ausschuss. Obwohl man nach ihrer Rechnung seit 2023 nach einer Bleibe sucht, aber keinen Vermieter fand, habe sich die Möglichkeit eher überraschend ergeben. Denn eigentlich sollte eine wissenschaftliche Untersuchung quasi eine Anamnese der Szene vornehmen: wie viele Betroffene, welcher Konsum, welche Bedürfnisse? Die liegt noch nicht vor. Allerdings kamen im Ausschuss zwei Forscher aus Frankfurt zu Wort, die von der Stadt mit eben so einer Bestandsaufnahme beauftragt worden sind. Die soll samt Diagnose im Sommer vorliegen.

Ahnungslos ist Frau Scholz gleichwohl nicht. Denn von medizinischen Partnern wisse sie, dass rund 200 Personen in Substitutionsprogrammen, das meint Drogenersatzstoffe, versorgt werden, gut 70 von ihnen gelten als auffällig.

Gabriele Scholz verwies darauf, dass die Stadt seit langem mit Partnern wie dem Lebensraum Diakonie zusammenarbeitet. Der betreibt unter anderem die Herberge sowie das Café Wendepunkt an der Salzstraße, welches vor allem Menschen ohne Bleibe erreicht. Wie Impressionen auf eine Leinwand tupfte sie Angebote für die Schießgrabenstraße: Suchtberatung der drobs, Unterstützungsmöglichkeiten der Arbeitsverwaltung, Gesundheitsthemen. Die Ergebnisse der Studie sollen in die Angebote einfließen.

Andrea Schröder-Ehlers (SPD) stellte die Suche mit dem Zeitpunkt 2023 infrage, denn schon zu Zeiten des alten Oberbürgermeisters Mädge habe die Stadt Ausschau nach Räumen gehalten. Der hat das Rathaus 2021 verlassen.

Konzeptionelle Angebote für einen Szenetreff habe es in der Vergangenheit gegeben, erinnern sich andere Ausschussmitglieder. Doch die Dezernentin seit einem Dreivierteljahr in Lüneburg, habe im Ausschuss betont, sie arbeite an etwas eigenem. Andere Städte wie Lübeck, Kiel und Flensburg haben Konzepte solche Ideen umgesetzt.

Dass die Räume erst jetzt in den Blick geraten, überrascht auch. Denn im Ausschuss räumte die Dezernentin ein, dass die Wohnungen im dreistöckigen Gebäude bis vor kurzem von minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen genutzt wurden, die seien gerade ausgezogen. Betrieben wurde die Unterkunft vom Sozialbereich der Stadt. Die Sozialabteilung kannte das Gebäude.

Gleichwohl gab es breite Zustimmung für die Möglichkeit, nun einen Treff zu betreiben mit der Hoffnung, dass das täglich zu besichtigende und zu hörende Elend mitten in der Stadt wie am Sand, am Karstadt-Parkhaus und an der Grapengießerstraße zumindest optisch etwas abnimmt.

Betreiber des Cafés wird zunächst die Stadt, inklusive zwei Sozialarbeitern rechnet die Verwaltung mit Kosten von 350 000 Euro pro Jahr. Dazu muss die Renovierung finanziert werden -- von der Stadt oder dem Vermieter, der sich das bezahlen lassen dürfte. Die Dezernentin möchte in den Wohnungen den Housing-first-Ansatz umsetzen und so auch Kosten senken.

Denn die Finanzierung ist ungewiss. Im Haushalt, mit rund 50 Millionen im minus und mit einer Haushaltssperre von 9,2 Millionen Euro belegt, ist kein Posten ausgewiesen. Der Rat müsste also eine Ermächtigung für zusätzliche Mittel erteilen, die muss bei der Kommunalaufsicht abgenickt werden.

Gute Nachricht: Die Ende des Jahres ausgelaufene Straßensozialarbeit wird fortgesetzt. Die Stadt hat damit wie schon vorher den Lebensraum Diakonie beauftragt. Beide Akteure waren sich bei einer Ausschreibung nicht handelseinig geworden. Die Stadt wollte mehr, nämlich auch Rundgänge am Wochenende. Dafür wollte der Verband mehr Geld, zudem sollten Tarifsteigerungen aufgefangen werden. Zu viel Geld, befand man im Rathaus. Ergebnis nun: Der Verband macht mit dem alten System weiter, mit mehr Salär. Dazu stellt die Stadt einen eigenen Sozialarbeiter für ein zusätzliches Angebot ein. Carlo Eggeling

Mit dem Thema beschäftige ich mich auch am Samstag in der Kolumne Meine Woche.

© Fotos: ca


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