Szenecafé Schießgrabenstraße — Stadt findet Standort gut
von Carlo Eggeling am 11.02.2026Am Donnerstag soll der Rat darüber abstimmen, ob in einem Haus an der Schießgrabenstraße ein Szenetreff entstehen soll. Angesichts der politischen Verhältnisse -- Grüne, SPD und Linke dürften wahrscheinlich dafür stimmen -- wird dort wohl eine entsprechende Bleibe für die vielen mit Suchtproblemen entstehen. In der Nachbarschaft hält man erwartbar wenig davon, fürchtet, dass die Menschen mit Problemen auch Probleme für Anwohner drumherum mitbringen. Was nicht nur einen Nachbarn ärgert: "Ich habe aus den Medien davon erfahren, die Stadt hat mit uns nicht gesprochen." Tenor: Nicht erst wenn alles beschlossen ist, sondern vorher müsste die Verwaltung informieren.
Ehemaligen Sozialarbeitern, die mit Abhängigen gearbeitet haben, haben Zweifel, ob der Standort gut gewählt ist. Denn Läden gibt es keine in der Nähe, die Stadt sei ein ganzes Stück weit weg. Auch glauben Kollegen nicht daran, dass der Standort geeignet ist, die Szene dauerhaft von ihren Plätzen beispielsweise am Sand und an der Grapengießerstraße umziehen zu lassen: "Da ist das Leben."
Sozialdezernentin Gabriele Scholz hatte neulich erklärt, am Konzept für das Café arbeite die Verwaltung noch, zudem sollen Erkenntnisse einer Studie des Lüneburger Drogenmilieus einfließen.
Strategisch ist das Vorgehen der Dezernentin klug. Seit gut drei Jahren sucht das Rathaus nach Räumen und beklagt, man finde nichts. Nun hat die Sozialabteilung die Immobilie bereits angemietet. Grüne, SPD und Linke haben sich für eine "soziale" Lösung eingesetzt. Sie werden mutmaßlich für den Standort stimmen. Damit wäre eine Mehrheit da -- unabhängig vom Rest. Fällt der Standort durch, kann die Verwaltung auf die Politik zeigen und sagen: "Wir hatten ein Angebot, die wollten nicht." Ein Punkt in einem Wahlkampfjahr, in dem die Oberbürgermeisterin erneut antritt.
Es stellen sich Fragen. So hat der Eigentümer des ehemaligen und nun leer stehenden Böll-Hauses an der Katzenstraße sein Haus nach LA-Informationen angeboten. Dazu sagt die Stadt: "Das Objekt in der Katzenstraße wurde uns als Mietobjekt angeboten. Die zentrale Lage ist nicht das einzige Kriterium, zumal das Gebäude in der Schießgrabenstraße aus Sicht der Verwaltung zwischen Sande und Hauptbahnhof auch gut liegt. Mit einer Sanierung in der Katzenstraße wären erhebliche Kosten verbunden gewesen."
Was kostet das Haus an der Schießgrabenstraße? Die Stadt hatte im Sozialausschuss mit rund 350 000 Euro pro Jahr gerechnet, inklusive zwei Stellen für Sozialarbeiter. Wie schlüsselt sich das auf?
Die Stadt: "Aktuell kalkulieren wir mit zwei Vollzeitstellen und Personalkosten in Höhe von 130.000 Euro pro Jahr. Die übrigen kalkulierten 220.000 Euro beziehen sich auf Miete und Bewirtschaftung der 650 Quadratmeter großen Gesamtnutzfläche über vier Geschosse (jeweils 160-180 Quadratmeter). Darin sind auch die Nebenkosten für Heizung, Strom, Müll, Wasser, Abwasser und Reinigung mit drei Euro pro Quadratmeter und Jahr einkalkuliert – wohl wissend, dass die Betriebskosten auch von der Auslastung der Geschosse abhängen." Nachgerechnet liegt die Miete pro Quadratmeter und Monat bei gut 16 Euro.
Muss das Haus renoviert werden?
Die Stadt: "Die Stadt hatte das Gebäude zuletzt zum Betrieb einer Einrichtung für unbegleitete Jugendliche angemietet. Wie bei Mietverhältnissen üblich, fallen bestimmte Arbeiten in die Zuständigkeit des Vermieters und werden von ihm ausgeführt. Funktionalität, baulicher Zustand und die Eignung für die angestrebte Nutzung lassen sich daher belastbar einschätzen. Zudem besteht dort aktuell kein substanzieller Umbaubedarf, vorhandene Infrastruktur wie Sanitärbereiche sowie Vorrüstungen für Wasch- und Trocknungsmöglichkeiten können weiterhin genutzt werden. Das Mietverhältnis kann nahtlos fortgesetzt werden." Carlo Eggeling
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