Lüneburg, am Dienstag den 17.03.2026

Vieles wurde besser, aber nicht alles + Zweiter KOB für die Innenstadt

von Carlo Eggeling am 17.03.2026


Die Polizei kommt mit einem dicken Minus daher -- und freut sich: In mehreren Feldern sind die Deliktzahlen reichlich nach unten gegangen in Stadt und Kreis. Das belegt die Polizeiliche Kriminalstatistik, die am Dienstag vorgelegt wurde, einen Tag nachdem das Land seine Zahlen veröffentlicht hat. Damit liegt Lüneburg im Trend zwischen Heide und Harz.

Beispiele des Guten. Im zweiten Jahr in Folge verzeichnet die Bilanz einen Rückgang von Fahrraddiebstählen. Rund 1200 Velos wechselten in 2024 ohne Einwilligung den Eigentümer, 2025 waren es "nur" knapp 740, ein Rückgang von mehr als 38 Prozent. Die Polizei erklärt die Zahl mit eigenen Erfolgen, Codierung, besseren Schlösser, Aufklärung.

Doch es dürfte weitere Erklärungen geben. So hatten in den vergangenen Jahren Banden Lüneburg regelrecht abgegrast. Sie plünderten Das Radparkhaus am Bahnhof, brachen in Schuppen ein. Zum einen gelang der Polizei, Täter zu fassen, zum anderen dürfte es sich herumgesprochen haben, dass die Polizei stärker kontrolliert.

Polizeisprecher Kai Richter verweist auch darauf, dass man gemeinsam mit der Bundespolizei den "Reiseverkehr" aus Hamburg im Blick habe. Täter, die zum Klauen an die Ilmenau kommen, versuche man an Bahnhöfen und in Zügen abzuschrecken. An den Grenzen, ein Teil der Räder landet in Osteuropa, würde stärker hingeschaut.

Zudem verlieren selbst teure E-Bikes ihren Wert als "Währung" in der Drogenszene, auch wegen verschärfter Kontrollen. E-Scooter sind gefragter. Droge und damit Beschaffungskriminalität. Der Ladendiebstahl habe abgenommen, von 1200 auf 930 gemeldete Fälle. Allerdings räumt die Polizei ein, dass sich das unterschiedlich auswirken dürfte. Denn im Handel und in Polizeikreisen ist klar, die beiden Drogeriemärkte an der Grapengießerstraße sowie die Parfümabteilung bei Galeria leiden massiv unter professionellen und zum Teil hoch aggressiven Dieben.

Der Taschendiebstahl hat zugenommen, von knapp 180 auf gut 230 Fälle. Das ist andernorts nicht anders, im Polizeibericht ist immer wieder von reisenden Tätern die Rede, die ab und an geschnappt werden, dazu kommt die heimische Klientel.

Auch Einbrüche verzeichnen ein Plus von 225 auf 253 Taten. Solche Anstiege erklären sich allerdings oftmals aus Serien, gerade erst haben die Beamten einen Mann auf frischer Tat erwischt, der in einen Pizza-Service einbrechen wollte und der für eine ganze Reihe ähnlicher Taten verantwortlich sein könnte.

Erfreulich ist, dass die Zahl von Gewaltdelikten gesunken ist. Rohheitstaten nahmen von 2726 auf 2591 ab. Auch bei Sexualstraftaten gab es ein Minus von hundert Taten auf rund 300 Fälle. Das sind in der Regel allerdings Delikte, die der Polizei angezeigt werden. Daher geht sie hier -- wie immer -- von einem hohen Dunkelfeld aus.

Ähnlich zeigt sich das Bild bei sogenannter häuslicher Gewalt. Die Leiterin der Polizeiinspektion, Stefanie Lerche, beschreibt es so: "Der Rückgang bei der Häuslichen Gewalt stimmt mich darüber hinaus grundsätzlich positiv; jedoch trügen die Zahlen." Die verweist auf die Dunkelfeldstudie zu Gewalterfahrungen, die Bundesfrauenministerium, Bundesinnenministerium und Bundeskriminalamt im Februar 2025 veröffentlicht haben: "Gerade einmal zehn Prozent der Betroffenen und nur jedes zwanzigste Opfer bei Gewalt in Partnerschaften geht zur Polizei und erstattet Anzeige."

Hochzufrieden ist die Polizei mit ihrer Aufklärungsquote, die stieg von knapp 59 auf rund 61,2 Prozent in Stadt und Kreis ohne das Amt Neuhaus. Zur Inspektion zählen auch die Kreis Uelzen und Lüchow-Dannenberg, dort fallen die Zahlen weit besser aus, allerdings auch Ausnahmewerte, die kaum irgendwo erreicht werden: 71 und gut 73 Prozent. Insgesamt verzeichnet die PKS für die Region Lüneburg rund 12 500 Straftaten, das sind rund 1500 weniger als ein Jahr zuvor und damit knapp elf Prozent weniger.

PI-Chefin Lerche zieht eine insgesamt positive Bilanz. Gleichwohl weist die Leitende Polizeidirektorin auf das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung hin, denn subjektiv fühlt sich mancher mehr bedroht als vor Jahren. Zurückzuführen sei das unter anderem auf Social-Media-Aufgeregtheit. Die verschiedenen Plattformen liefern oftmals wenig Fakten, dafür viel Empörung.

Die Polizei will gegenhalten unter anderem mit einer Kampagne namens Ansichtssache. Von April sollen beispielsweise Plakate einen anderen Blick vermitteln. Zudem stockt die Polizei die Zahl ihrer Kontaktbeamten auf, für die Innenstadt werden dann zwei Kollegen statt einem zuständig sein. Carlo Eggeling

© Fotos: ca / Symbolbild


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