Lüneburg, am Samstag den 09.05.2026

Was für ein Bild

von Carlo Eggeling am 09.05.2026


Meine Woche
Irgendwie daneben. Entschuldigung

Ich muss mich als erstes bei der Pressestelle der Stadt entschuldigen. In einer Glosse hatte ich behauptet, die Kollegen um Frau Jenckel bräuchten eine Schulung in Bildbearbeitung. Ich dachte, die Truppe habe in sowjetisch-stalinscher Manier den Vorsitzenden des Sportausschusses aus einem Foto herausradiert, um die Oberbürgermeisterin alleine mit den erfolgreichen Volleyballern der SVG glänzen zu lassen. Nein, antwortet Frau Jenckel freundlicherweise, es sei ganz anders: Man habe sich entschieden, die Aufnahme zu nehmen, auf der Thomas Dißelmeyer nicht zu sehen sei. Also fast gar nicht, denn ein Stück seiner Jeans ist zu erahnen, wenn man genau hinguckt.

In unserem jahrhundertealten Zuckerbäcker-Rathaus rutscht man gedanklich schnell historisch zurück, da mag das mit Wahlen und politischem Souverän noch in der Zukunft liegen. Die kommunal nicht ganz vergleichbare Gewaltenteilung der Demokratie, nach der die gewählten Bürgervertreter Auftraggeber und Kontrolleur der Verwaltung und damit der Chef sind -- das muss nicht sein. Die Bürgermeisterkette wirkt in manchen Moment nicht wie Bürgerstolz, sondern wie eine Krone.

Bei Hofe ist es selbstverständlich, dass alle vier Bilder der aus Steuergeld finanzierten PR-Abteilung die Regentin zeigen. Dass sich das Volk ins Bild drängt, wirkt ein wenig anmaßend. Um diese Respektlosigkeit weiß man in der Öffentlichkeitswerbung des Palastes von selbst. Daher noch einmal Verzeihung: Die Kollegen sind bestens geschult, sie hatten vor Wochen betont, dass sie ein Seminar besucht hatten, wo es darum ging, Verwaltung und Wahlkampf zu trennen.

Deshalb ist das Angebot in der Antwort Frau Jenckels total nett: "Wie bei solchen Fototerminen üblich, gab es Bilder in verschiedenen Konstellationen, mit und ohne den Sport-Ausschussvorsitzenden, Herrn Dißelmeyer. Wenn Herr Dißelmeyer den Wunsch hat, bei uns ebenfalls veröffentlicht zu werden, kommen wir dem gerne nach."

Deshalb wäre es wirklich unfair, wenn Ratsparteien sich gemeinsam an die Kommunalaufsicht wenden würden, um die bilderreiche OBin-Pressearbeit prüfen zu lassen.

Eben habe ich in der Stadt Embsens Bürgermeister Stefan Koch getroffen. Der findet die Lüneburger Baustellenplanung super. Nachdem gelungene Kommunikation und Koordinierung bereits den Norden durch Buddeleien an Dahlenburger und Bleckeder Landstraße ausbremsen, bei Adendorf auch gerne die Bundesstraße für dies und das zur Sandkiste wird, wollen Embsen, Amelinghausen und Co natürlich etwas Chaos abbekommen. Alles andere wäre unfair.

Also ein bisschen mehr. Die Bahnbrücke an der Soltauer Straße bröselt, muss neu. Völlig unerwartet kam der Winter, Petrus zeichnet verantwortlich, dass alles ein paar Monate länger dauert. Danke sagen jetzt Häcklingen und der Süden des Landkreises, dass die Soltauer Allee Richtung Häcklingen demnächst als weiteres Bagger-Glück hinzukommt.

Lüneburg will Fahrradstadt werden, da üben wir doch alle fröhlich zwischen Rehrhof und Reßeln. Natürlich beweisen Planer um Chef Alexander Matz und Verkehrsdezernent Markus Moßmann Weitblick. Der Oedemer Weg als Ausweichstrecke hat daher Tempo 30 verordnet bekommen, obwohl Unfallzahlen das nicht hergeben. Mehr geht nicht.

Das Sozialressort steuert ein bisschen was zum Stadtgespräch bei. Das Repair-Cafe für die Ausgespuckten des Sozialstaats an der Schießgrabenstraße beschäftigte den zuständigen Ausschuss. Obendrüber sollen zwei Wohnungen Heimstatt bieten. Erstaunen, dass Alleinerziehende mit Kindern mögliche Mieter wären, wenn sie sich am Eingang ein Stelldichein mit Menschen geben, deren Alltag von Schnaps und anderen Drogen bestimmt wird.

Ein Betrieb namens Housing soll den Betrieb dort führen. Eine Art Zimmervermittlung. Mit Housing first, einem personalintensiven Sozialkonzept gegen Obdachlosigkeit, hat das so viel zu tun wie Eisbären in der Sauna. Obendrein ist die Hütte nicht barrierefrei, mir haben Kollegen aus der Arbeit mit Behinderten erklärt, Fördermittel des Landes sind in diesem Fall so gut wie ausgeschlossen.

Aus mehreren Parteien heißt es: Das Konstrukt nicken wir im Verwaltungsausschuss nicht ab. Wäre weniger schön für Sozialdezernentin Gabriele Scholz. Vor allem weil die Stadt das Haus seit Monaten angemietet hat. Inklusive zwei Sozialarbeiterstellen sollen die Kosten bei 350 000 Euro pro Jahr liegen. Trotz Leerstand, gut, dass das Sozialressort sozial bleibt und darbende Vermieter im Blick hat.

Bleiben wir in der Manege des Absurden. Der Neubau der ehemaligen Christiani-Schule auf dem Kreideberg soll zwölf Jahre dauern und wird mit 96 Millionen Euro kalkuliert. Im Ernst? Die Summe ist angesichts steigender Preise eher als Vorschlag zu sehen. Ein Dutzend Jahre Bauzeit. Mit Folgen für die benachbarte Grundschule und allen, die drumherum wohnen.

In meiner Café-Runde kam der Vorschlag: Man könnte am Ochtmisser Kirchsteig in Höhe der Flüchtlingsunterkunft/ Kleingartenkolonie bauen. Freie Fläche, freier Bau.

Noch eine Idee: Beengt lebt es sich in der Schule am Wasserturm. Warum kauft die Stadt nicht das alte LZ-Haus samt des riesigen Parkplatzes und bringt dort städtische Büros und Klassenräume unter samt eines Durchgangs vom Clamartpark zum Sand. Vielleicht bekommt man das Areal hinter der Sparkassen-Filiale noch dazu.

Selbstverständlich an beiden Stellen so bauen, dass Lüneburg die Räume später in eine Senioreneinrichtung umwandeln kann. Adendorf macht es vor mit einer Kita.

Wahrscheinlich liefert die Kolumne aus Sicht der städtischen Pressestelle ziemlichen Unsinn. Deshalb als Entschuldigung ein paar Zeilen des Dichters Christian Morgenstern, die ich neulich gelesen habe:

Ein finstrer Esel sprach einmal
zu seinem ehlichen Gemahl:
»Ich bin so dumm, du bist so dumm,
wir wollen sterben gehen, kumm!«
Doch wie es kommt so öfter eben:
Die beiden blieben fröhlich leben.

Fröhliches Wochenende, Carlo Eggeling

© Fotos: ca


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