Wieder geht ein Bewerbungsverfahren schief — Professorin greift Stadtspitze an
von Carlo Eggeling am 09.02.2026Und wieder gibt es um die Besetzung einer leitenden Stelle im Rathaus Aufregung: Am Donnerstag soll der Rat eine Nachfolge für die nach 30 Jahren im Amt ausscheidende Baudezernentin Heike Gundermann wählen. Ob das so kommt, ist zumindest mit Fragezeichen versehen. Denn inzwischen hat sich eine Bewerberin bei den Fraktionsvorsitzenden des Rates gemeldet, die nicht in zur Vorstellungsrunde im Verwaltungsausschuss, dem kleinen Rat eingeladen wurde. Sie soll sich befremdet geäußert haben, schließlich erfülle sie die Anforderungen. Auch soll die Bewerberin geäußert haben, dass die Stadtspitze lediglich zwei Kandidatinnen eingeladen habe, von denen eine kein entsprechendes Hochschulstudium vorweisen könne. Warum sie keine Chance bekomme, habe ihr die Personalagentur, so ist es zu hören, nicht erklärt haben.
Stimmt der Vorwurf, dass eine der beiden erwählten Bewerberinnen ohne Hochschulabschluss dasteht, spricht das für LA-Informationen, dass die Oberbürgermeisterin möglicherweise eine interne Bewerberin auf einen der Chefsessel im Rathaus hieven will.
Wie berichtet, hat die Oberbürgermeisterin das Verfahren an sich gezogen, zuvor aber betont, sie binde den Verwaltungsausschuss ein. Mitglieder wussten allerdings bis Montagmittag nicht, welche Favoriten Claudia Kalisch ins Rennen schicken will. Im VA fragen sich Vertreter, mit was für einer Form von Transparenz sie es zu tun haben.
In der Vergangenheit hatte die Verwaltungschefin auf angebliche Vertraulichkeit gesetzt, um Kandidaten durchzusetzen. Das klappte nicht. Nicht nur das. Sowohl bei der Kulturamtsleitung als auch bei der Sozialdezernentin stellte sich durch Recherchen von LA heraus, dass beide in vorigen Postionen mit Vorwürfen zu kämpfen hatten -- welche die Lüneburger Verwaltung innerhalb des Verfahrens allerdings für unerheblich hielt und nicht beziehungsweise spät benannte.
Jetzt scheint Claudia Kalisch ihr Vorgehen wieder Schwierigkeit zu bereiten. Denn die Bewerberin Prof. Dr. Monika Dobberstein macht per Mail Werbung für sich, das Schreiben liegt LA vor.
Darin heißt es: "Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, sehr geehrte Mitglieder des Verwaltungsausschusses, ich habe mich auf die Stelle als Stadtbaurätin beworben und bin ohne Zweifel hochqualifiziert für diese Position Heute habe ich erfahren, dass ich trotz dieser Qualifikation nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen bin, und das, obwohl die Bewerberlage offenbar so dünn ist, dass nur zwei Bewerber*innen eingeladen wurden und eine Bewerberin davon offenbar nicht einmal über ein Hochschulstudium verfügt Ich würde mich freuen, wenn Sie mich doch noch zum Bewerbungsgespräch bitten würden."
Die 58-Jährige hat sich laut Wikipedia in verschiedenen Konzernen um Immobilienfragen gekümmert, es ging zum Teil um Milliardensummen. Unter anderem heißt es zu ihrer wissenschaftlichen Karriere: "2002 folgte Dobberstein dem Ruf an das Departement Stadtplanung der Technischen Universität Hamburg, das später Bestandteil der neu gegründeten HafenCity Universität (HCU) wurde.Als Professorin und Lehrstuhlinhaberin für Gewerbeplanung und Wirtschaftsförderung lehrte und forschte sie zu Fragestellungen um das Thema „Immobilie und Stadt“. Sie etablierte den Studiengang „Stadtplanung“ in der privaten Immobilienwirtschaft, so dass ca. 30 % der Absolventen einen Einstieg in die Immobilienwirtschaft fanden. In der Gründungsphase der HCU entwickelte Dobberstein eine Strategie für den Aufbau eines Forschungs- und Lehrschwerpunktes „Immobilie und Stadt“, das Zustimmung und Unterstützung bei Politik und Wirtschaft fanden."
Später wechselte sie zurück in die Wirtschaft und ging schließlich zu Stadt Soest. Dort gab es Differenzen. Sie musste gehen. Der Soester Anzeiger berichtete im Juni 2020: "Dobberstein wehrt sich auch gegen Vorwürfe, sie habe Defizite in der Mitarbeiterführung. Stattdessen führt sie ihrerseits vermeintliche Beispiele für Defizite bei einzelnen Mitarbeitern als Grund dafür an, dass sie sich von ihnen habe trennen müssen. Alle Vorwürfe gegen sie selber seien „Gerüchte, üble Nachrede und Verleumdungen“ geblieben, schreibt sie. Es habe natürlich „Unruhe“ in der Mitarbeiterschaft gegeben, räumt Dobberstein ein, sie habe aber bei ihrem Dienstantritt im September 2016 „schwerwiegende Probleme mit einzelnen Mitarbeitern“ vorgefunden, die bereits „lange geschwelt“ hätten. Sie habe diese Probleme gelöst, heute sei das Team der Wirtschaftsförderung „weitgehend schlagkräftig und hochprofessionell“."
Man sei angeblich wegen ihrer Homosexualität gegen sie vorgegangen und habe daher "eine Verlängerung ihres Vertrages als Geschäftsführerin der Wirtschaft und Marketing Soest GmbH (WMS) abgelehnt". Das hatte die Stadtverwaltung massiv bestritten.
Mitglieder des VA reagieren unterschiedlich auf das Schreiben von Frau Dobberstein. In der CDU-Antwort soll es heißen, man empfinde das Vorgehen von Dobberstein als "übergriffig, unredlich und nicht duldbar". Die SPD soll sie zu einem Gespräch in die Fraktion eingeladen haben.
Es dürften sich Fragen nach Verfahrensfehlern stellen. Hoch politisch und daher fraglich, ob der Rat am Donnerstag abstimmen wird. Es wird wieder nichts mit einem Verfahren hinter verschlossenen Türen. Die stehen wie so oft im Rathaus sperrangelweit offen. Carlo Eggeling
Kommentare
Zu diesem Artikel wurden bisher keine Kommentare abgegeben.
_ubiMaster1.jpg)
_wernieNovember2.jpg)
_Mai23.jpg)
_Banner_Winsen_und_Lueneburg_Aktuell_Hausverwaltung__.jpg)