Lüneburg, am Montag den 23.02.2026

Zeitgeschichte mit spitzer Feder — Haitzinger-Werke kommen nach Lüneburg

von Carlo Eggeling am 23.02.2026


Man kann ein politisches Thema durch einen langen Artikel erklären. Oder es kurz auf den Punkt bringen -- mit einer Karikatur. Einer der dass sechs Jahrzehnte schaffte, ist Horst Haitzinger. Er zählt zu besten seines Faches. Seine Werke schafften aus auf Titelbilder des Spiegel, auch in der Bunten war es zu finden, vor allem aber in süddeutschen Tageszeitungen. Doch auch Leser der Landeszeitung schmunzelten über den beißenden Humor des Zeichners. Der damalige LZ-Chefredakteur Christoph Steiner arbeitete mit "dem Horst" zusammen, mehr als ein Vierteljahrhundert gehörten Haitzingers Weltbilder zur LZ dazu. Jetzt findet ein Großteil der politischen Tagesschau im Kunstarchiv der Sparkassen-Stiftung Lüneburg eine Heimat. Natürlich knüpfte Steiner die Verbindung mit.

Der Münchner Haitzinger begann 1958 seine Karriere als politischer Karikaturist beim Simplicissimus. Mit spitzer Feder und deftigem Stil begleitete der heute 86-Jährige das Auf und Ab, das Weh und Ach der Bundesrepublik. Umweltthemen hatten es ihm später besonders angetan. "Insgesamt sind es rund 17 000 Karikaturen, dazu kommen noch Ölgemälde", sagt Christoph Steiner, der seit langen Jahren mit Haitzinger befreundet ist. Die beiden beschäftigte die Fragen: Wo bleibt so ein gewaltiger Nachlass, wo findet Zeitgeschichte einen guten Platz?

Lüneburg bietet sich an, auch wenn ein paar Hundert Kilometer nach München dazwischen liegen. Denn die Sparkassen-Stiftung mit ihrem Archiv ist längst zum Speicher einiger Künstler geworden. Der langjährige Geschäftsführer, Carsten Junge, Steiner und Haitzinger wurden sich einig: Haitzinger überlässt einen großen Teil seiner Arbeiten der Stiftung, die Bayerische Staatsbibliothek erhält zudem 10.000 Werke des Künstlers.

Neulich in München alles auch vertraglich eingetütet. Die Stiftung beschreibt die Schenkung so: "In Beisein des langjährigen LZ-Chefredakteurs Christoph Steiner übergaben Haitzinger und seine Frau Ilse der Leiterin des Kunstarchivs, Jeanine Passgang, ca. 500 handgezeichnete Werke –- darunter alle Karikaturen, die Haitzinger im Laufe seiner Karriere zu den Themen Umwelt und Naturschutz geschaffen hat."

Doch es kommen noch mehr. Steiner erzählt, dass beim Treffen auch ein großer Haitzinger-Fan und Sammler dabei war: Der Schweizer Unternehmer Hans von Mandach hat rund 17.000 Karikaturen digitalisiert, "er hat uns einen USB-Stick mit den Werken mitgegeben".

Steiner, in München geboren, und der österreichische Wahl-Münchner Haitzinger telefonierten zu LZ-Zeiten täglich zu den Karikaturen, die kamen dann per Fax. "Manchmal habe ich ihn zu einem Thema bewegt, zum Beispiel zu Castor-Zeiten", erinnert sich Steiner. Also den Atommülltransporten ins Wendland, bei denen Abertausende demonstrierten und Tausende Polizisten kamen, um die Transporte ins Zwischenlager nach Gorleben zu begleiten.

Zur 50-Jahr-Feier der LZ 1996 reiste Haitzinger mit einer Ausstellung ins Kulturforum Wienebüttel. Musik machte zur Eröffnung der Kabarettist Gerhard Polt "mit zwei deftigen Kostproben seines Könnens", wie die LZ damals notierte. Steiner berichtet von einem sich anschließenden langen Abend mit viel Weißbier im damaligen Café Glockenhof.

Das Kunstarchiv Lüneburg will die Arbeiten digitalisieren und interessierten Kunsthallen, Kunstvereinen, Museen sowie Kommunen für Ausstellungen zur Verfügung stellen. Geplant ist dabei eine Zusammenarbeit mit der Bayerischen Staatsbibliothek und Haitzinger-Freund von Mandach. Carlo Eggeling

Das Foto zeigt die Leiterin des Kunstarchivs, Jeanine Passgang, Horst Haitzinger und Christoph Steiner.

© Fotos: Sparkassen-Stiftung


Kommentare Kommentare


Zu diesem Artikel wurden bisher keine Kommentare abgegeben.



Kommentar posten Kommentar posten

Ihr Name*:

Ihre E-Mailadresse*:
Bleibt geheim und wird nicht angezeigt

Ihr Kommentar:



Lüneburg Aktuell auf Facebook