Zwei Blicke auf die Rechtslage am Schanzenweg
von Carlo Eggeling am 06.03.2026Anwohner halten nichts von der geplanten Höhe des Bauprojekts mit rund 100 Wohnungen am Schanzenweg, sie versuchten rechtlich die Ausmaße zu verhindern, waren allerdings im vergangenen Herbst vor dem Verwaltungsgericht gescheitert. Sie versuchten es in der nächsten Instanz, vor dem Oberverwaltungsgericht. Eine Entscheidung gebe es noch nicht, ist sich der Nachbar sicher, der klagt. Offenbar doch, denn auf eine Anfrage von LA antwortet das Rathaus: "Inzwischen wurde vom niedersächsischen OVG die Einschätzung der Bauaufsicht Lüneburg bestätigt, dass sich das Bauvorhaben gemäß Paragraph 34 des Baugesetzbuches in den baulichen Zusammenhang einfügt." Der Kläger reagiert überrascht: "Wir haben nichts gehört, ich wende mich an meinen Anwalt."
Paragraph 34 meint, besteht in einem Bereich kein Bebauungsplan, kann unter anderem die Höhe schon bestehender Gebäude als Vergleich und Orientierung dienen. Konkret bedeutet es für den Schanzenweg, dass nicht die dortigen Einfamilienhäuser als Messlatte gelten, sondern die Mehrgeschossbauten etwa an der Dörnbergstraße herangezogen werden.
Das Projekt gliedert sich in zwei Bereiche. Zum einen soll der ehemalige Gewerbehof nahe der Neuetorstraße umgestaltet werden, zum anderen sollen Neubauten in Richtung Mönchsgarten und Schanzenweg entstehen. Besonders kritisch blicken Nachbarn auf den Abriss bestehender Häuser und die neuen Gebäude.
Die Initiative, die sich am Schanzenweg gebildet hat, fühlt sich von der Stadt nicht gut informiert. Mitglieder bereitet große Sorge, dass ihre Häuser im Senkungsgebiet durch Erschütterungen Schaden nehmen könnten -- die schiefe Ebene am Ochtmisser Kirchsteig liegt einen Steinwurf entfernt.
Anwohner erinnern daran, dass Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch ihnen eine Informationsversammlung zugesagt habe. Sie hätten nichts mehr davon gehört. Das kann auch noch dauern, denn aus der Bauverwaltung heißt es, man sei im Verfahren. Der von der Pressestelle genannte Ablauf legt nahe, dass die Nachbarschaft voraussichtlich erst im Sommer zu einem Informationsabend eingeladen werden dürfte.
Betroffene ärgert überdies, Messpunkte seien nicht gesetzt worden, obwohl selbst der Gutachter der Stadt sie empfohlen habe. Der Geologe Thorsten Trapp begleitet das Senkungsgebiet um den Ochtmisser Kirchsteig seit zwei Jahrzehnten. Der klagende Anwohner verweist auf eine Sitzung des Bauausschusses im Oktober 2025, in der Trapp angeregt hatte, die Punkte zu setzen -- weit bevor man mit dem Bauen beginnen will. Der Anwohner: "Auf unserem Grundstück sollten Messpunkte gesetzt werden, passiert ist nichts."
Aus dem Rathaus kommt die Erklärung: "Für das Wohnungsbauprojekt Schanzenweg / Mönchsgarten wurden zwei Baugenehmigungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten erteilt. Die erste im Januar 2025 für die Gebäude im Blockinnenbereich und die zweite im Juli 2025 für das deutlich größere Bauvolumen an der Ecke Schanzenweg / Mönchsgarten. Beide Bauanträge wurden noch ohne Gebäudestatik eingereicht. Daher wurden beide Baugenehmigungen mit der Auflage erteilt, die Statikunterlagen innerhalb eines Jahres nachzureichen.
Erst nach positiver Prüfung der Statikunterlagen durch einen Prüfstatiker und nach einer Ergänzungsbaugenehmigung durch uns darf mit dem Bau begonnen werden. Wegen der Lage im Senkungsgebiet muss der Bauherr im Zusammenhang der Statikunterlagen zusätzlich einen geotechnischen Bericht GK3 durch einen qualifizierten Gutachter anfertigen lassen und einreichen.
Die geforderten Statikunterlagen für den Blockinnenbereich wurden im Januar 2026 fristgerecht eingereicht. Sie werden durch einen Prüfstatiker geprüft. Die Statikunterlagen für die Gebäude an der Ecke Schanzenweg / Mönchsgarten müssen spätestens im Juli 2026 vom Bauherrn nachgereicht werden. Nach Prüfung der statischen Unterlagen und des geotechnischen Berichtes und vor Erteilung der Ergänzungsbaugenehmigung wird die Stadt Lüneburg gemeinsam mit dem Bauherren zu einer Veranstaltung einladen, bei der insbesondere die Nachbarn zu den geotechnischen Aspekten des Vorhabens informiert und angehört werden sollen."
Ein weiteres Thema. Wie berichtet, hatte sich die Initiative an die Parteien im Rat gewandt und um eine Positionierung gebeten. Jetzt schreibt die Gruppe: "Im Zusammenhang mit dem geplanten Bauvorhaben im Senkungsgebiet Schanzenweg/ Mönchsgarten/ Lauensteinstraße hat die Plattform Open Petition eine Anfrage an die im Rat vertretenen Parteien gestellt. Ziel war es, eine transparente Einschätzung der politischen Akteure zu diesem sensiblen Thema zu erhalten.
Während alle anderen Parteien auf diese Anfrage reagiert haben, blieb eine Antwort der CDU und der FDP bislang aus – trotz zweimaliger Aufforderung. Damit sind die CDU und die FDP die einzigen Fraktionen im Rat, die zu diesem Thema keinerlei Stellungnahme abgegeben haben.
Gerade bei einem Bauvorhaben in einem Senkungsgebiet, das naturgemäß Fragen zu Sicherheit, Verantwortung und langfristiger Planung aufwirft, erwarten Bürgerinnen und Bürger zu Recht klare Positionen der politischen Entscheidungsträger. Umso mehr stellt sich die Frage, warum ausgerechnet die CDU und die FDP hierzu keine Auskunft geben möchte."
Mehr unter www.openpetition.de/petition/stellungnahme/verhinderung-eines-bauvorhabens-im-senkungsgebiet
Carlo Eggeling
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