Zwei wollen Schwuler Heidekönig werden
von Carlo Eggeling am 03.02.2026Welches Datum wäre passender als der Tag der Blumenhändler und der Liebe? Valentinstag. Am 14. Februar wählt Lüneburg seinen Schwulen Heidekönig. Der Rahmen ist Majestäten angemessen: Die queere Gemeinschaft darf dafür den Fürstensaal des Rathauses nutzen -- die edelste Bühne, welche die Stadt bietet. Wie gut, dass die Monarchie inzwischen demokratisch geworden ist, so können sich zwei Kandidaten beim Volk um die Krone bewerben, es wird international. Jean Luc Reme Jabiro stammt aus Ruanda, René Duchon aus Österreich.
Jean Luc erzählt, wie er in Ruanda kaum als Schwuler leben konnte. Diskriminierung beginne bereits in der Familie. Männer zu begehren und zu lieben, sei angeblich nicht männlich, habe er sich anhören müssen. Seine Mutter habe zu ihm gehalten. Schläge, keine Arbeit zu finden, das gehöre zum Alltag. 2021 habe er in Polen eine Ausbildung in Geo-Informatik und Stadtplanung abgeschlossen. Rückkehr nach Hause und schließlich Wechsel nach Deutschland.
"Ich lebe eineinhalb Jahre in Lüneburg", erzählt der 31-Jährige. In seinem Beruf habe er noch keine Arbeit gefunden, aber da er in seiner Heimat als Kellner und Koch gelernt habe, arbeite er in einem Lokal, "das hilft mir, meinen Lebensunterhalt zu verdienen." Er möchte komplett auf eigenen Beinen stehen, denn er sei dankbar für seine "neue Heimat und ein normales Leben".
Werde er gewählt, möchte er sich für Verständnis einsetzen, eben keine Ausgrenzung, die schon im Elternhaus beginne, sich in der Schule fortsetze, leben und lieben, wie man es möchte -- weil es selbstverständlich ist.
René Duchon betreibt eine Medienagentur und gibt ein Online-Magazin für Video-Spiele heraus. Er ist aus Wien nach Lüneburg gezogen. Wie auch sein Mitbewerber will er sich für Anliegen der queeren Gemeinschaft einsetzen. Er nennt als Beispiel Ungarn, wo Rechte eingeschränkt würden. Er bezeichnet die AfD als Gefahr, komme sie in die Regierung, "habe ich Angst, dass wir keine guten Gesetze bekommen". Ausgrenzung fange früh an: Er empfindet es als Zurücksetzung, "dass Schwule kein Blut spenden dürfen".
Für ihn verengt sich der Blick, wenn die Gemeinschaft auf die Demonstrationen zu Christopher Street Days reduziert werde. Bunte und freizügige Kostüme seien ein Ausdruck für ein anderes Leben, aber nur eine Botschaft: "Es geht nicht nur um Sex, wir wollen leben, einen Partner haben, glücklich sein. Auch deshalb ist es wichtig, für seine Rechte zu kämpfen."
Es geht ihm um praktische Dinge. Nur eine Ärztin in Lüneburg verschreibe PrEP, ein Medikament, das vor der Immunschwäche-Krankheit Aids schützen soll. Duchon wünscht sich mehrere Mediziner, die sich offen für die Anliegen der queeren Gemeinschaft zeigen.
Beide "Königskindern" wünschen sich mehr Selbstverständlichkeit und Akzeptanz. Damit stehen sie in der Tradition ihrer Vorgänger, die ihr Amt mehr oder weniger intensiv politisch lebten.
Der König steht nicht allein. Hinter ihm engagiert sich ein Team um "Queen Mum". Dirk Ahrens, selber König gewesen, und seine Mitstreiter reisen zu anderen Majestäten. Wenn sie Kartoffel-, Wurzel-, Heide- und beispielsweise Weinköniginnen besuchen und auf den dazu gehörenden Volksfesten auftreten, wollen sie vermitteln, Anderssein fühlt sich selbstverständlich an -- egal, wie man liebt, Arbeiten, Familie, Wohnen, Freizeit spielen bei allen eine Rolle.
Dirk Ahrens erklärt, was am Wahltag passiert: 17 Königshäuser haben ihr Kommen angekündigt. Für sie gibt es ein kleines Rahmenprogramm mit Stadtführung. Das Publikum kann von 15.30 Uhr an in den Fürstensaal kommen. Niedersachsens Sozialminister Andreas Philippi, Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch und Landrat Jens Böther eröffnen die Kür offiziell. Danach stehen Spiele und Wahl an. Ein königliches Fest beginnt um 21 Uhr im Strawberry, dem Partykeller unter dem September Auf dem Kauf. Carlo Eggeling
Das Foto zeigt René Duchon, Dirk Ahrens und Jean Luc Reme Jabiro.
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