Flugplatzgelände - Eine Gegenüberstellung!

im Mai 2020

Der Pachtvertrag für das Flugplatzgelände läuft aus. Eine Gegenüberstellung der Meinungen und Wünsche. Hansestadt Lüneburg ./. Luftsportverein Lüneburg e.V.

Worum geht es? Sonderlandeplatz Der Pachtvertrag über die Flächen des derzeitigen Sonderlandeplatzes im Stadtteil Neu Hagen zwischen der Hansestadt Lüneburg (Eigentümerin der Flächen) und dem Luftsportverein Lüneburg e.V. (LVL) läuft – wie vom Rat am 1. Oktober 2014 beschlossen – Ende Oktober 2020 aus. Der LVL möchte gern auf dem Gelände bleiben und den Flugplatz dort weiter betreiben. Der Rat der Hansestadt aber entschied sich zuletzt am 29. August 2019 gegen eine Verlängerung des Pachtvertrages. Daraufhin starteten Mitglieder des LVL ein Bürgerbegehren, um einen Bürgerentscheid zu dem Thema zu erwirken. Die Initiatoren wollten einen Bürgerentscheid erreichen zu der Frage: „Soll die Hansestadt Lüneburg mit dem Luftsportverein Lüneburg e.V. einen Vertrag über den Weiterbetrieb des Flugplatzes Lüneburg über den 31.10.2020 hinaus für 15 Jahre abschließen?“

Die Hansestadt hat die von den Initiatoren am 24. Februar 2020 eingereichten Unterschriften geprüft. Das Ergebnis: Die erforderlichen 5923 Unterschriften wurden fristgerecht vorgelegt, sodass das Bürgerbegehren nach dem Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG) zulässig ist. Der Verwaltungsausschuss der Hansestadt Lüneburg entschied daraufhin am 24. März 2020, dass der Bürgerentscheid am 14. Juni 2020 stattfinden soll.

Weitere Informationen sind auch auf den Internetseiten der Bürgerinitiative gegen Fluglärm und des LVL zu dem Thema zu finden.

Arbeitsplätze oder Flugzeuge? Die Kernfrage Die Hansestadt Lüneburg hat ein relativ kleines Stadtgebiet: rund 70,4 km² (7040 Hektar). Diese Tatsache und die so aktuellen wie berechtigten Diskussionen um Klimawandel und Ressourcenverbrauch legen nahe, Natur- und Klimaschutz gegen Stadtentwicklung aufzurechnen. Doch eine Stadt muss vielen Bedürfnissen des städtischen Zusammenlebens gerecht werden.

Was braucht die Stadt? ✓ Wohnen und Arbeiten nah beieinander – Für Klimaschutz und Lebensqualität ✓ Ein gutes Zusammenspiel aus Natur, Gewerbe und Wirtschaft ✓ Gute Infrastruktur, Mobilität und Freizeiteinrichtungen ✓ Sichere Kitas, gut ausgebaute Schulen und nachhaltige Gewerbeflächen

Schon beim Ankauf der Flächen vor Jahrzehnten hatte die Stadt klargemacht, dass sie diese später für Wohnungsbau und/oder für Wirtschaft nutzen möchte. In der Zwischenzeit hat sich das Gelände, nahe Bundeswehr und Industriegebiet Hafen gelegen, immer offensichtlicher zu einer Gewerbefläche entwickelt. Und die werden im Lüneburger Stadtgebiet dringend gebraucht – gerade auch von ortsansässigen Unternehmen, die Perspektiven benötigen, damit sie vor Ort bleiben können. Bislang haben die Unternehmen darauf vertraut, dass die Flächen bei Bedarf nach Auflösung der Landebahn zur Verfügung stehen. Der Rat möchte hier sein Wort halten.

Gewerbegebiete und Natur- sowie Klimaschutz sind keine Gegensätze, denn: ✓ Es geht nicht um Industrieanlagen, sondern um modernes Gewerbe – ähnlich dem, das vor Ort bereits ansässig ist. ✓ Arbeitsplätze vor Ort, die für Lüneburgerinnen und Lüneburger auf kurzem Weg erreichbar sind, helfen auch dem Klima. ✓ Technologien wie Solarparks sind mit Flora, Fauna und Kaltluftzufuhr vereinbar.

Was genau sich wie vereinbaren lässt, dabei wird sich die Hansestadt nach dem richten, was die Untersuchungen zum Artenschutz und zur Klimawirkung ergeben. Diese laufen noch, die Ergebnisse sollen Ende 2020 vorliegen. Die Stadt hat dargelegt, dass von den 20 Hektar des gesamten Areals künftig voraussichtlich rund 8 Hektar (40 Prozent) gewerblich genutzt werden sollen. Der größere Teil, also 12 Hektar (60 Prozent), steht also weiterhin für die vorhandenen Ausgleichsflächen zur Verfügung, Kaltluftschneisen werden freigehalten und auch weitere Ideen wie Solarparks und Aufforstung werden abgeglichen mit den Untersuchungsergebnissen der Gutachter.

Lüneburg braucht den Mittelstand und qualifizierte Arbeitsplätze. Es gibt ausreichend nutzbare Landeplätze in der Region.

Debatten um Sonderlandeplatz Chronik Die Landebahn in Lüneburg war ursprünglich Teil der militärischen Anlagen und wurde nach Kriegsende zivil genutzt. Die Flächen gehören der Stadt, der Luftsportverein Lüneburg e.V. (LVL) betreibt den Platz, der den Status Sonderlandeplatz trägt. Die Stadt hat die Flächen 1986 vom Bund gekauft und ist in den Überlassungsvertrag der Bundesrepublik Deutschland (Bundesfinanzverwaltung) mit dem LVL eingestiegen. In diesem 1977 geschlossenen Vertrag hieß es, er könne gekündigt werden, wenn „das gesamte vermietete Gelände oder Teilflächen von der Stadt Lüneburg für die Schaffung von Industrie- oder Wohngebieten benötigt werden“. 1990 haben Stadt und LVL einen Pachtvertrag für 25 Jahre geschlossen. 2014 wurde der Vertrag einmalig um fünf Jahre bis zum 31. Oktober 2020 verlängert. Eine automatische Vertragsverlängerung, wie sie im Ursprungsvertrag von 1990 vereinbart war, wurde dabei ausgeschlossen. Der LVL zahlt seit dem 1. November 2015 eine Pacht in Höhe von 15.000 Euro jährlich.

Auch ein Blick in alte Ausgaben der Landeszeitung für die Lüneburger Heide zeigt, dass eine langfristig andere Nutzung des Geländes schon früh beabsichtigt war und dass Lüneburg-Hagen für die Landebahn nur ein Übergangsstandort sein konnte. Seit den 1970er Jahren gibt es immer wieder erhitzte Debatten in der Stadt um Standort und Status der Landebahn, aber auch um Sicherheit und Lärm. Auch in der politischen Vertretung der Stadt, dem Rat, bildete sich das uneinheitliche Meinungsbild an verschiedenen Entscheidungen ab. Die Abwägungen zwischen Arbeitsplätzen und Privatfliegern sind nie leicht gewesen. Eine Ratsmehrheit hat sich zuletzt (2019) dagegen ausgesprochen, den Pachtvertrag mit dem LVL zu verlängern.

Kurz gefasst: ✓ Gewerbe statt Flugplatz – das ist erklärtes Ziel schon seit den 1990ern. ✓ 2014: „letzte Pachtverlängerung“ – reichlich Vorlauf für ein Auslaufen. ✓ Vorteil für die ganze Stadt: Arbeitsplätze, kurze Wege & Gewerbesteuer. ✓ Zwei, die sich vertragen: Modernes Gewerbe und Naturschutz. ✓ Verfügbare Gewerbeflächen im Stadtgebiet – außer Flugplatz praktisch null. ✓ Der Stadtrat möchte sein Wort halten.

Hier die Ansichten des Luftsportvereins Lüneburg e.V. Bürgerentscheid am 14. Juni - Stellungnahme der FLUGPLATZ RETTER ✈️🙋🏽

Hier könnt ihr online die Briefwahl für den Bürgerentscheid am 14. Juni beantragen: 👉📨 https://irlg.stadt.lueneburg.de/IWS/start.do?mb=3355022

Bei Lüneburg Aktuell hat sich die „Pro-Flugplatz-Fraktion“ bisher noch nicht zu Wort gemeldet. Das hat nun ein Ende. Hier lesen Sie eine offizielle Stellungnahme vom Luftsportverein Lüneburg und den Flugplatz Rettern zum Thema des ersten Bürgerentscheid Lüneburgs.

Seit Jahrzehnten verfügt Lüneburg über einen Flugplatz. Er ist nicht nur Sportstätte und öffentliche Verkehrseinrichtung, er wird auch im Rahmen des Katastrophenschutzes genutzt und ist ein Stützpunkt des Feuerwehrflugdienstes Niedersachsen. Das Flugplatzgelände ist ökologisch wertvoll und als Kaltluftschneise bedeutsam für das Klima der Stadt. Eine Verlängerung des Betreibervertrages mit dem Luftsportverein stellt sicher, dass das Gelände keiner anderen Nutzung zugeführt und die Fläche nicht versiegelt und bebaut wird. Doch der Oberbürgermeister will die Flugplatz-Schließung und gewerbliche Bebauung durchdrücken.

☝🏻Die dazu ins Feld geführten Scheinargumente halten einer Überprüfung nicht stand. In Wirklichkeit geht es nur um mehr Geld für den Haushalt!

Bitte urteile selbst – und bitte beteilige dich am Bürgerentscheid, um den Flugplatz Lüneburg zu retten!

KEIN OFFIZIELLER BEDARF AN GEWERBEFLÄCHEN Den seitens der Stadt behaupteten Bedarf an ca. 50 ha neuen Gewerbeflächen in Lüneburg gibt es nicht: Angebliche „Interessenten“ werden nicht genannt. Laut der stadteigenen Wirtschaftsfördergesellschaft mbH für Stadt und Landkreis Lüneburg stehen derzeit 13,5 ha freie, voll erschlossene Gewerbeflächen preiswert im Landkreis, stadtnah zur Verfügung. Bislang will sie niemand haben! Über das neue Gewerbegebiet Bilmer Berg II schweigt die Politik. Zufall? Hier stehen in naher Zukunft sogar mehr als 100 ha zur Verfügung! Den Flugplatz zu opfern wäre sinnlos. Jede Notwendigkeit fehlt.

KEIN RISIKO FÜR DIE BÜRGERINNEN UND BÜRGER Entgegen der Behauptung des Oberbürgermeisters hat sich das Risiko für die Lüneburger Bürger nicht erhöht! Noch nie wurde ein unbeteiligter Dritter durch den Flugbetrieb am Flugplatz Lüneburg verletzt. Die zuständige Luftfahrtbehörde sieht „keine Gefährdung für die Bürger in der Start- und Landephase“.

LÄRMBELÄSTIGUNG WIRD IMMER WENIGER Die empfundene Lärmbelästigung bedauern wir. Tatsächlich ist diese heute schon sehr gering und die Flieger werden zudem immer leiser. Doch wie steht es um den Lärm durch den wachsenden Straßenverkehr, der wirklich viele Lüneburger betrifft?! Die Lüneburger Politik setzt unbeirrt auf Wachstum und Ausbau.

WIRTSCHAFTLICHE BEDEUTUNG DES FLUGPLATZES Angeblich hat der Flugplatz keine Bedeutung für die Lüneburger Wirtschaft. Zirka 1.100 gewerbliche Starts, im Werksverkehr oder mit touristischem Hintergrund im Jahr 2019 belegen das Gegenteil. Der Flugplatz ist zudem ein Knotenpunkt in der norddeutschen Pipeline- und Stromtrassenüberwachung mit Hubschraubern. Ansiedlungswillige luftfahrtaffine Unternehmen wurden von der Stadt schon im Stadium der Voranfrage abgewiesen – trotz greifbarer Arbeitsplatz- und Steuerpotenziale!

FEUERWEHRFLUGZEUG MUSS IN LÜNEBURG BLEIBEN Glaubt man dem Oberbürgermeister, so stellt die Verlegung des Feuerwehrflugzeugs an einen anderen Standort „kein Problem“ dar. Er irrt! Der Lüneburger Feuerwehrflugdienst – eine über Jahrzehnte gewachsene Organisation aus ehrenamtlich tätigen Piloten, Förstern und Feuerwehrleuten – lässt sich nicht mal eben verlegen! Der Kreisbrandmeister geht von dessen Auflösung im Falle einer Flugplatzschließung aus.

WICHTIGER BESTANDTEIL DES KATASTROPHENSCHUTZES Die Bedeutung des Flugplatzes für den Katastrophenschutz wird seitens der Stadt ignoriert. Bei Waldbrandkatastrophen und Elbe-Hochwassern diente der Flugplatz immer wieder den Einsatzkräften.

RÜCKBAUKOSTEN SIND ENORM Angeblich würde die Stadt die Rückbaukosten tragen: Der Abbau der Vereinsanlagen alleine wurde mit 287.000 € beziffert. Die Rückbaukosten für private Hallen und des Feuerwehrflugdienstes kämen noch hinzu. Die Stadt würde sich an den Kosten mit 50.000 € beteiligen. Ein Tropfen auf den heißen Stein!

All dies würde durch die Schließung geopfert:  bedeutsame Kaltluftschneise für die Stadt  ökologisch wertvolle Grasfläche mit brütenden Vögeln und Insekten der Roten Liste NDS,  wichtige Jugendarbeit  erfolgreicher Leistungssport  Freizeitangebot für die Lüneburger Bürger  Erreichbarkeit der Hansestadt mit einem Luftfahrzeug und Standortvorteil Lüneburgs für zukünftige Mobilitätsentwicklungen.


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