Lüneburg, am Mittwoch den 29.07.2026

2.650 junge Menschen starten in die Ausbildung

von Winfried Machel am 29.07.2026



Die IHK Lüneburg-Wolfsburg zieht eine positive Zwischenbilanz: Trotz schwacher Konjunktur steigt die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge um 1,6 Prozent. Die Betriebe investieren weiter in ihren Fachkräftenachwuchs – und eröffnen jungen Menschen gute Karrierechancen.

2.650 junge Menschen haben bis Ende Juli bereits einen Ausbildungsvertrag in einem IHK-Beruf unterzeichnet. Das sind 1,6 Prozent mehr als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Die Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW) zieht damit eine positive Zwischenbilanz für den Ausbildungsmarkt in der Region.

„Die Unternehmen kennen die demografische Entwicklung und denken langfristig. Ausbildung ist deshalb für die meisten Betriebe kein Feld zum Sparen, sondern eine Investition in die eigene Zukunft“, sagt Sönke Feldhusen, Ausbildungsexperte der IHKLW. Ausbildungsplätze, die durch Betriebsschließungen oder Personalabbau wegfallen, würden häufig durch Angebote anderer Unternehmen ausgeglichen. Gleichzeitig nutzten viele Betriebe die derzeit verbesserten Chancen, Nachwuchskräfte zu gewinnen.

Regional entwickelt sich der Ausbildungsmarkt allerdings unterschiedlich. Während die Zahl der neu abgeschlossenen Verträge in den Landkreisen Lüneburg (+6,8 Prozent) und Harburg (+4,7 Prozent) deutlich steigt, verzeichnen die Landkreise im Süden des IHKLW-Bezirks überwiegend ein Minus. Bei den gewerblich-technischen Ausbildungsberufen geht – bedingt durch die Krise der Automobilwirtschaft – die Zahl der Verträge in Wolfsburg um 21,4 Prozent und im Landkreis Gifhorn um 16,9 Prozent zurück. Dieses Minus wird zumindest in Wolfsburg noch durch Zugänge bei den kaufmännischen Berufen mehr als ausgeglichen. Im Landkreis Celle geht die Zahl der Verträge im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,6 Prozent zurück, was hier allerdings vor allem mit Besetzungsproblemen bei Handelsberufen zu tun hat.

„Insgesamt sind die Zahlen sind immer noch eine Momentaufnahme. Bis in den September gehen erfahrungsgemäß noch viele weitere Ausbildungsverträge bei uns ein“, sagt Feldhusen.

Ausbildung bleibt gefragt – passende Bewerber fehlen
Viele Unternehmen haben weiterhin Schwierigkeiten, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Laut einer IHKLW-Umfrage unter regionalen Ausbildungsbetrieben konnte zum vergangenen Ausbildungsstart nur etwa jeder zweite Betrieb alle angebotenen Stellen vergeben. Neben einer zu geringen Zahl an Bewerbungen nannten die Unternehmen vor allem die mangelnde Passung zwischen den Anforderungen der Ausbildungsplätze und den Voraussetzungen der Bewerbenden als Gründe.

Fast 95 Prozent der befragten Betriebe stellten Defizite bei wichtigen Kompetenzen für den Berufsstart fest. Genannt wurden neben Motivation und Belastbarkeit insbesondere sprachliche und mathematische Grundkenntnisse. Viele Unternehmen investieren deshalb zusätzlich in ihre Auszubildenden, etwa mit betrieblicher Nachhilfe, Vorbereitungskursen, digitalen Lernangeboten oder assistierter Ausbildung.

„Die Unternehmen suchen dringend Nachwuchs. Gleichzeitig wird es für sie anspruchsvoller, junge Menschen erfolgreich durch die Ausbildung zu führen“, sagt Feldhusen. Schulen müssten deshalb stärker vermitteln, welche sprachlichen, mathematischen und sozialen Fähigkeiten im Berufsleben benötigt werden. „Auf diesen Grundlagen bauen Lernfähigkeit und persönliche Entwicklung auf. Wer früh erkennt, wofür das Gelernte gebraucht wird, lernt engagierter und findet leichter den passenden beruflichen Weg.“

Ausbildung als Karrierestart
Die IHKLW ruft Jugendliche, die noch keinen Ausbildungsplatz haben, dazu auf, sich weiterhin zu bewerben. Viele Unternehmen suchen auch kurz vor Beginn des Ausbildungsjahres noch Nachwuchskräfte.

„Die wirtschaftliche Schwäche ist keine Krise der Ausbildung. Auszubildende werden weiterhin dringend gesucht“, sagt Feldhusen. Eine Berufsausbildung eröffne jungen Menschen sehr gute Entwicklungs- und Aufstiegschancen. Nach dem Abschluss könnten sie sich unter anderem auf Meister-, Fachwirt- oder Betriebswirtniveau weiterqualifizieren und damit Abschlüsse auf Bachelor- oder Masterniveau erreichen.

Auch der zunehmende Einsatz Künstlicher Intelligenz ändere nichts am Bedarf der Unternehmen: „Künstliche Intelligenz macht junge Menschen in der Wirtschaft nicht überflüssig. Sie verändert Tätigkeiten und Berufsbilder – und macht eine fundierte Ausbildung und kontinuierliches Lernen umso wichtiger.“

Jugendliche, die noch einen Ausbildungsplatz suchen, können sich an die Jugendberufsagenturen wenden, in der Ausbildungsbörse der Bundesagentur für Arbeit recherchieren oder unter www.meine-ausbildung-in-niedersachsen.de nach freien Stellen suchen. Dort sind auch regionale Ausbildungsmessen aufgeführt.
***
Lüneburg, 29. Juli 2026


Foto: Sönke Feldhusen, Ausbildungsexperte, Bereichsleiter "Menschen bilden" und stellv. Hauptgeschäftsführer (Credit: Andreas Tamme)

© Fotos: Andreas Tamme


Kommentare Kommentare


Zu diesem Artikel wurden bisher keine Kommentare abgegeben.



Kommentar posten Kommentar posten

Ihr Name*:

Ihre E-Mailadresse*:
Bleibt geheim und wird nicht angezeigt

Ihr Kommentar:



Lüneburg Aktuell auf Facebook