AGL versenkt 200 Millionen Euro — für die Zukunft
von Carlo Eggeling am 30.09.2026
Es ist nötig, aber es wird teuer, die Gebühren steigen -- die kommunale Abwassergesellschaft AGL hat zwei große Projekte vor der Brust: Sie saniert Quartier für Quartier die Kanäle in 16 Lüneburger Stadtteilen. Darüber hinaus muss sie Mischwasserkanäle, in ihnen fließen, einfach gesagt, Klo-Spülung und Regenwasser zusammen, auf den Stand der Technik bringen. Dazu gehört zudem, dass sie ein unterirdisches Speicherbecken für die Wassermassen benötigt sowie durch verschärfte Vorgaben der Europäischen Union eine zusätzliche, vierte Reinigungsstufe auf dem Gelände der AGL an der Bockelmannstraße. Die soll unter anderem Rückstände von Medikamenten aus den Abwässern filtern. Der erste Part ist mit Kosten von gut 105 Millionen Euro veranschlagt, der zweite mit rund 95 Millionen.
Jetzt stellten AGL-Geschäftsführer Lars Strehse und die Ingenieure Gesche Niemann-Hiessl, Mario Tucci und Olav Hinz vor, was auf Lüneburg zukommt. Dass man handeln muss, zeigte sich gerade wieder: An der Dahlenburger Landstraße in Höhe Spangenbergstraße sackte wegen eines maroden Kanals die Fahrbahn ab. Der Schaden soll schnell behoben werden.
In den Stadtteilen erfasst die AGL den Zustand des 557 Kilometer langen Rohrnetzes unter anderem mit einer mobilien Kameratechnik. Ein Teil der Kanäle ist gut, ein weiterer so naja, doch ein großer Teil fordert dringend Sanierung. Das erklärt sich unter anderem durch das Alter. Lüneburg war zunächst hochmodern und nach London in der Mitte des 19. Jahrunderts eine der ersten deutschen Städte, die in Teilen eine unterirdische gemauerte Kanalisation erhielten. Die ist beispielsweise am Sand und am Markt noch erhalten. In Summe sind 68 Prozent der Kanäle älter als 46 Jahre.
Verständlicherweise ist es für die AGL teuerer, Rohre in der Altstadt zu erneuern, wie gerade an der Rotehahnstraße passie. Dort ist schlicht weniger Platz als etwa in Oedeme oder dem Mittelfeld. Das gilt ober- als auch unterirdisch, denn mitten in der Stadt liegen eng beieinander weitere Versorgungsleitungen für Trinkwasser, Strom, Telefon und Internet sowie eventuell Fernwärme. Einen Teil des Netzes hat die Abwassergesellschaft quasi bilanziert und daraufhin ein Sanierungskonzept entwickelt. Bis 2034 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Im Durchschnitt versenkt die AGL bis dahin pro Jahr rund zwölf Millionen Euro im Boden -- als Investtion für die Zukunft.
Die zweite Baustelle, und das im Wortsinne, dreht sich um die "Schmutzfracht" der Mischwasserkanäle. In ihnen fließen häusliches Abwasser sowie Regen- und Tauwasser zusammen. Moderne Systeme trennen dieses Wasser. In den vergangenen Jahren veränderte sich der Regen als Folge des Klimawandels: Die Techniker beobachten, dass große Regenmengen in kürzerer Zeit fallen, also statt des sanften Landregens ein Wolkenbruch. Wenn dann eine Art Flut durch die Rohre läuft, ist die Menge für die Kläranlage zu groß, ein Teil fließt ungefiltert in die Ilmenau.
Vorgaben ändern sich. Was bis vor Jahren als einfacher Überlauf galt, bewertet der Umweltschutz anders: Auch Reifenabrieb und Rußpartikel sollen nun aus der Brühe gesiebt werden. Das bedeutet für die AGL, sie muss die Rohre modernisieren, sie braucht einen Speicher und eine zusätzliche Klärstufe. Obendrein baut sie mit dem Energieversorger Avacon eine Art Wärmetauscher, der soll aus dem Abwasser eben Wärme gewinnen.
Für die neuen Zuleitungen und die fünf Überläufe zur Ilmenau muss die AGL in die Tiefe gehen -- Baustellen zwischen Reichenbachplatz und Goseburg. Eine gewaltige Herausforderung, denn wie bisher müssen die Fachleute dafür Leitungen unter der Ilmenau hindurch setzen. Bei ihren Plänen müssen sie andere Versorger, dazu die Bahn, deren Züge weiterrollen sollen, Straßenmeistereien und natürlich Firmen und Anlieger bedenken.
Um die gewaltigen Wassermengen zu filtern, braucht es einen Puffer, damit die Anlage nicht überlastet wird. Daher wil die AGL den den Speicher wie einen riesigen Kanister unter dem ESV-Sportplatz bauen. Darüber können die Fußballer dann wieder kicken. Allerdings ist das der Wunsch. Denn die Techniker müssen oberirdisch ein weiteres Reinigungsbecken für die vierte Reinigungsstufe bauen.
Noch ist nicht klar, ob das auf dem bisherigen Gelände möglich ist. Nach hinten raus in Richtung Ostumgehung könne man beides nicht bauen, sagt Strehse. Technische Abläufe verlangen eben den voegelagerten Standort. Ob es so kommt, werde geklärt, mit dem Verein sei man im Gespräch.
In diesem Verfahren rechnen die AGL-Ingenieure damit, dass sie Aufträge 2028 rausgeben können und alles bis 2030 umgesetzt werden kann: Wie gesagt, es wird teuer. Strehse versucht es mit ein bisschen Trost in Lüneburg liege man mit dem Abwassergebühren im bundesweiten Vergleich mit 1,65 Euro pro Kubikmeter im unteren Bereich. Doch natürlich müsse man die Kosten an die Kunden in Lüneburg weitergeben.
Die AGL reinigt nicht nur die Abwasser der Stadt, sondern auch die der mesiten Umlandgemeinden. Ingesamt nimmt die Gesellschaft das Abwasser von rund 150 000 Menschen an. Carlo Eggeling
Die Bilder zeigen, wie vor fünf Jahren der Gehweg in Höhe der Polizei nachgab -- aufgrund eines defektes Rohres kam es zu Unterspülungen. Ein Mann stürzte in die Tiefe und brach sich das Bein.
Kommentare
Zu diesem Artikel wurden bisher keine Kommentare abgegeben.
_Banner_Winsen_und_Lueneburg_Aktuell_Hausverwaltung__.jpg)
_Mai23.jpg)
_wernieNovember2.jpg)
_ubiMaster1.jpg)