Lüneburg, am Mittwoch den 19.08.2026

Alle wollen Barrieren abbauen — aber einfach ist es nicht

von Carlo Eggeling am 19.08.2026


Die Politiker hatten alle Beispiele, wo das Leben barrierefreier werden könnte und ergänzten sich parteiübergreifend: Mehr Toiletten, die für Menschen mit Beeinträchtigungen zu erreichen sind, Kopfsteinpflaster etwa am Sand an bestimmten Stellen abschleifen, sodass Rollstuhl- und Rollator-Piloten Wege Straßen besser queren können, dazu abgesenkte Bordsteine, Fahrstühle dürften nicht wie im vergangenen Jahr am Bahnhof über Wochen ausfallen, Busfahren sollte einfacher werden, Stichworte seien besserer Zugang und verständnisvollere Fahrer, dazu Web-Seiten, die unter anderem durch Hell-und Dunkelfunktionen für Sehbehinderte besser zu erkennen sind.

Fragen stellten am Dienstagabend Betroffene, die Lebenshilfe hatte OB-Kandidaten in ihr Haus der Bunten Hanse im Hanse-Viertel eingeladen. Gekommen waren Andrea Schröder-Ehlers (SPD), Patrick Pietruck (CDU), Frank Soldan (FDP), Thorben Peters (Linke) und Andrea Kabasci (Grüne) in Vertretung von Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch. Die Moderation hatte Britta Marie Habenicht von der Lebenshilfe. Sie "übersetzte" die Antworten der Kandidaten in Leichte Sprache, obwohl die sich überwiegend bemühten, beispielsweise auf Fremdworte zu verzichten.

Leichte Sprache war eines der Themen, welches das Publikum, gut 30 Teilnehmer waren gekommen, beschäftigt. "Was wollen Sie tun, dass Behörden einfache Sprache benutzen?", wollte Sebastian wissen. Andrea Kabasci antwortete, dass die Stadt auf ihren Internetseiten eine Art Übersetzung anbiete. Allerdings könne man auf andere Behörden keinen Einfluss nehmen. Andrea Schröder-Ehlers ergänzte, sie setze auf Künstliche Intelligenz, die in Büros einziehe und sozusagen die Sprache vereinfachen könne. Gleichwohl machte sie darauf aufmerksam, dass Beschäftigte "rechtssicher" Formulieren wollen -- das sei aber sicher einfacher möglich.

Gleichen Lohn möchten die Beschäftigten der Lebenshilfe haben, in Werkstätten verdienen sie weniger als auf dem freien Arbeitsmarkt. Das sei ein bundespolitsches Thema, sagte Pietruck. Da könne man viel versprechen, aber weng tun. Er plädierte dafür, dass die Stadt sich einsetzen könne, Menschen mit Beeinträchtigungen in regulären Betriebe beziehungsweise in ihren eigenen Gesellschaften Arbeitsplätze zu vermitteln. Thorben Peters hingegen findet, es sei eine Verteilungsfrage, selbstverständlich könne ein Staat der Hunderte Milliarden in die Rüstung stecke, mehr Geld für Soziales ausgeben.

Einigkeit herrschte, dass Veranstaltungen besser zu erreichen sein sollten. Frank Soldan nannte Sport-, aber auch Spielplätze und Eintrittspreise, die erschwinglich sind. Andrea Kabasci nannte das Theater, bei einigen Stücken gebe es Gebärdendolmetscher, besonders gelungen gewesen sei das Stück "Arsch macht mobil". Große Begeisterung im Publikum, denn auch Kollegen der Lebenshilfe standen auf der Bühne.

Inge Seiler-Päpper machte darauf aufmerksam, dass die Theaterproduktion über Fördermittel der Aktion Mensch ermöglicht worden sei. Vieles finanziere sich über Spenden, weil die öffentlichen Budgets nichts anderes zuließen. Die Geschäftsführerin der Lebenshilfe forderte, der Behindertenbeirat müsse mehr Geld aus dem städtischen Haushalt zur Verfügung gestellt bekommen. Dieses Gremium fungiere als Anwalt der Betroffenen, müsse früher in Planungen eingebunden werden, um Barrieren gar nicht erst entstehen zu lassen: "Aber das kostet eben auch Geld." Carlo Eggeling

© Fotos: ca


Kommentare Kommentare


Zu diesem Artikel wurden bisher keine Kommentare abgegeben.



Kommentar posten Kommentar posten

Ihr Name*:

Ihre E-Mailadresse*:
Bleibt geheim und wird nicht angezeigt

Ihr Kommentar:



Lüneburg Aktuell auf Facebook