Alles muss raus — Landkreis kündigt Museumsstiftung
von Carlo Eggeling am 25.05.2026Als ein möglicher Krieg zwischen Ost und West noch im Bewusstsein war, entstand in den 1970er Jahren unter dem Schulzentrum Oedeme ein sogenanntes Hilfskrankenhaus, angebunden ans Klinikum. 400 Menschen sollten in dem Betonbunker Platz finden, in Operationssälen, Kranken- und Betreuungszimmern. Als die Sowjetunion und der ihr verbundene Warschauer Pakt zusammenbrach, änderte sich die Sicht: Im Frieden brauche es keine militärischen Bauten. Atomkriegssichere Belüftungsanlagen und Wasserfilter verschwanden, der Maulwurfbau wurde um 2010 zum Lager unter anderem für die Museumsstiftung. Damit soll nun Schluss sein: Der Landkreis als Eigentümer will Flächen nutzen, um Bauakten einzulagern, bestätigt man Auf dem Michaeliskloster. Eine mittelschwere Katastrophe für das Lüneburger Museum, denn das weiß nicht wohin mit Asservaten.
Kreissprecher Karsten Schulz erklärt: "Der Grund hierfür sind Pläne, in den Räumlichkeiten der Kreisverwaltung Auf dem Michaeliskloster Platz für zusätzliche Büros zu schaffen. Dafür ist es erforderlich, derzeit dort befindliche Akten ordnungsgemäß sowie (revisions-)sicher an einem anderen Ort zu lagern."
Dabei schaut der klamme Landkreis aufs Geld. Schulz: "Als kostengünstige Lösung kommen hierfür landkreiseigene Räume – wie im ehemaligen Hilfskrankenhaus vorhanden – in Frage; zumal sich die Museumsstiftung für die Flächennutzung im ehemaligen Hilfskrankenhaus lediglich anteilig an den Betriebskosten beteiligt und darüber hinaus keine Miete/Pacht an den Landkreis Lüneburg entrichtet." Als Eigentümer beabsichtige der Kreis, "seinen Flächennutzungsanteil im ehemaligen Hilfskrankenhaus auf rund 44 Prozent zu erhöhen. Konkret bedeutet das, dass die Museumsstiftung von der ihr überlassenen Fläche (insgesamt 1.998 m²) rund 816 m² an den Landkreis Lüneburg zurückgibt."
Das klingt zunächst simpel, bedeutet allerdings vor allem für das Museum für das Fürstentum Lüneburg eine kaum zu bewältigende Herausforderung. An der Wandrahmstraße und in der Museumsstiftung weist man daraufhin, welche Kostbarkeiten unter anderem in Oedeme liegen: Fundmaterial aus archäologischen Grabungen, Richtschwerter aus dem Mittelaltern, die besonders verpackt sind, um sie vor Rost und anderem zu schützen, Nachlässe, die Lüneburger Familiengeschichten dokumentieren.
In den vergangenen Jahren haben Fachleute aus Spenden finanzierte rollende Regalsysteme eingebaut, die Lüftung nach konservatorischen Gesichtspunkten angepasst -- so bildet der Fundus neben dem Stadtarchiv ein Gedächtnis lokaler Geschichte. Diese Mengen könne man nicht einfach irgendwo einlagern. Ideen, beispielsweise die Dachböden des Rathauses zu nutzen, halten Experten für bar der Realität, denn die Bereiche sind kaum isoliert und entsprechen kaum wissenschaftlich fundierten Anforderungen.
Ursprünglich sollte das vor allem betroffene Fürstentummuseum die Flächen bis Ende Juni verlassen; nun verlängert der Kreis die Frist um ein Vierteljahr. Im Kreishaus kann man Unmut und Widerborstigkeit der Museumsleute nur begrenzt verstehen. Schließlich wüssten die doch schon länger Bescheid. Schulz: "Der hierfür seit jeher immer nur befristet geschlossene Nutzungsvertrag wurde in der Vergangenheit mehrfach verlängert, zuletzt im Jahr 2025 letztmals um zwölf Monate bis zum 30.06.2026. Dies wurde der Museumsstiftung fristgerecht und transparent kommuniziert." Dem Vernehmen nach damals aber nicht mit dem Hinweis einer anstehenden Räumung.
Aus Sicht der Betroffenen macht es sich der Kreis zu einfach. Denn wo solle man mit den Asservaten bleiben?
Man könnte auch auf die Verantwortung des Landkreises als Zivilschutzbehörde verweisen. Vor wenigen Wochen hatte ein Mitarbeiterin des Landkreises im städtischen Ausschuss für Gefahrenabwehr erklärt, auch der Erhalt und das Bewahren von Kulturgütern sein Aufgabe des Zivilschutzes. Die Sammlung lokaler jahrhundertealter Geschichte dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit unter den Begriff Kulturgut fallen. Die Frage liegt nahe: Wie stellen sich Landrat Böther und seine Verwaltungsriege ihre Schutzaufgabe in dieser Angelegenheit vor? Carlo Eggeling
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