Anwohner vom Schanzenweg fordern Antworten
von Carlo Eggeling am 06.07.2026Messpunkte wurden gesetzt, weniger als Nachbarn erwartet hatten. Sondierungsarbeiten laufen, ohne Ankündigung. Auf eine vor Monaten von der Oberbürgermeisterin angekündigte Anwohnerversammlung warten die Menschen rund um den Schanzenweg vergebens. Dort sollen in einem Bauprojekt rund 100 Wohnungen entstehen. Der Ochtmisser Kirchsteig mit seinen schief stehenden Häusern liegt um die Ecke -- was passiert, wenn zwischen Neuetorstraße und Lauensteinstraße Baumaschinen rollen? Die Betroffenen machen sich Sorgen.
Nun wendet sich die Bürgerinitiative mit einem offenen Brief an Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch und die neue Baudezernentin Maja Lucht und fordern Antworten. In der Vergangenheit hieß es auf Anfragen Lüneburg aktuells zum Thema aus dem Rathaus, man trage Untersuchungen und Messergebnisse zusammen und werde sich zu gegebener Zeit äußern. Die Betroffenen vermuten, man wolle das Thema aus dem Wahlkampf heraushalten. Carlo Eggeling
Der offnene Brief im Wortlaut:
Offener Brief Lüneburg, den 06.07.2026
An die Oberbürgermeisterin der Hansestadt Lüneburg sowie die zuständige Stadtbaurätin
Betreff: Forderung nach Transparenz und Information zum geplanten Bauvorhaben im Senkungsgebiet Schanzenweg/Vor Mönchsgarten/ Lauensteinstraße
Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,
sehr geehrte Frau Stadtbaurätin,
mit großer Sorge verfolgen wir als Anwohnerinnen und Anwohner weiterhin die Planungen für das Bauvorhaben in unserem Bereich. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger haben
sich bereits mit ihrer Unterstützung unserer Petition deutlich für eine sorgfältige Prüfung des Vorhabens und für größtmögliche Transparenz ausgesprochen.
Umso unverständlicher ist für viele Betroffene, dass seit geraumer Zeit keine nachvollziehbaren Informationen über den aktuellen Stand des Verfahrens veröffentlicht wurden. Statt einer offenen Kommunikation entstehen Unsicherheit, Spekulationen und der Eindruck, dass wesentliche Fragen unbeantwortet bleiben. Wir bitten Sie daher um eine schriftliche Stellungnahme zu folgenden Punkten:
Ist die erteilte Teilbaugenehmigung inzwischen erloschen oder besteht sie weiterhin? Falls sie verlängert oder anderweitig fortgeführt wurde, bitten wir um Mitteilung der
entsprechenden Rechtsgrundlage.
Wie ist der aktuelle Stand des erforderlichen geologischen Gutachtens?
Ein sehr geringer Teil der angekündigten Messpunkte wurde zwar gesetzt, aber wann werden die restlichen Messpunkte eingerichtet und aus welchen Gründen ist dies
bislang nicht erfolgt?
Welche weiteren Genehmigungs- und Verfahrensschritte stehen noch aus?
Wann wird die angekündigte Bürgerinformationsveranstaltung stattfinden?
Gerade weil sich das Baugrundstück in einem bekannten Senkungsgebiet befindet, erwarten wir höchste Sorgfalt und vollständige Transparenz. Solange wesentliche geologische Untersuchungen noch ausstehen, erscheint es aus Sicht vieler Bürgerinnen und Bürger unverzichtbar, dass alle Verfahrensschritte nachvollziehbar erläutert werden.
Darüber hinaus beschäftigt viele Menschen die Frage nach den wohnungspolitischen Zielen dieses Projekts. In politischen Programmen und öffentlichen Stellungnahmen wird regelmäßig die Schaffung von bezahlbarem und sozialem Wohnraum als zentrales Ziel hervorgehoben. Nach unserem Eindruck soll an diesem Standort jedoch überwiegend eine große Anzahl kleiner Appartments entstehen, deren tatsächlicher Beitrag zur Entlastung des
angespannten Wohnungsmarktes aus unserer Sicht einer nachvollziehbaren Erläuterung bedarf.
Wir bitten Sie deshalb um Auskunft, inwiefern dieses Bauvorhaben nach Auffassung der
Stadt den wohnungspolitischen Zielsetzungen entspricht und welchen konkreten Beitrag es zur Schaffung dauerhaft bezahlbaren Wohnraums leistet.
Als Bürgerinnen und Bürger erwarten wir eine Verwaltung, die transparent handelt, offen kommuniziert und die berechtigten Anliegen der betroffenen Anwohnerschaft ernst nimmt. Eine Bürgerbeteiligung darf sich nicht auf formale Verfahren beschränken, sondern muss durch einen kontinuierlichen und ehrlichen Informationsaustausch begleitet werden.
Wir hoffen daher auf eine zeitnahe schriftliche Beantwortung unserer Fragen und auf eine öffentliche Information der Bürgerinnen und Bürger über den weiteren Verlauf des
Verfahrens. Die große Unterstützung unserer Petition hat gezeigt, dass es sich nicht um Einzelinteressen handelt, sondern um ein Anliegen zahlreicher Bürgerinnen und
Bürger. Wir erwarten daher, dass die Stadt diesem öffentlichen Interesse mit größtmöglicher Transparenz begegnet. Eine offene Kommunikation stärkt das
Vertrauen in Verwaltung und Politik – ausbleibende Informationen hingegen führen zwangsläufig zu Verunsicherung und Vertrauensverlust.”
Mit freundlichen Grüßen
Die Anwohnerinitiative Schanzenweg/Vor Mönchsgarten/ Lauensteinstraße
i.A. C.Kunze
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