Auf dem Friedhof soll es weniger einsam sein — das Trauercafe
von Carlo Eggeling am 04.08.2026Gedenken und Sehnsucht nach dem, nach der, die gegangen ist. Auf dem Friedhof ist die Verbundenheit mit einem verschwundenen Leben, einer Liebe, einem Sinn zu Hause. Viele scheinen allein zwischen Grabsteinen, zwischen Bäumen eines Friedwalds. Einsam und verlassen. Dabei könnten Friedhöfe ein Ort der Begegnung sein, findet Heike Düselder. Die dort trauern, jeder für sich, könnten reden und sich zumindest ein bisschen weniger allein fühlen.
Die Direktorin des Lüneburger Museums möchte etwas dagegen tun: Mit einem mobilen Trauer-Café fährt sie auf die Lüneburger Friedhöfe -- Kuchen, Kaffee und Zusammenkommen. Bei einem Probe-Termin am vergangenen Wochenende, kamen zur Kapelle auf dem Waldfriedhof mehr als ein Dutzend Freunde und Spaziergänger auf einen Kaffee und einen Schnack.
"Die Idee trage ich seit zehn Jahren in mir", sagt die Historikerin. Nun ist etwas daraus geworden: Vergangenes Jahr suchte sie nach "einem Oldtimer mit Charme". Etwas Besonderes sollte es sein, einen Citroën Typ HY. Also ein französischer Lieferwagen, der an eine Büchse aus Wellbech erinnert und der drei Jahrzehnte bis Anfang der 1980er Jahre gebaut wurde. Nach einigem hin und her fand sie einen: "Baujahr 1981, komplett durchsaniert und zum Liebhaberpreis von 35 000 Euro."
Doch fertig war das mobile Trauercafé eben doch noch nicht, er soll ja wie es neudeutsch heißt als Foodtruck dienen. Mit ihrem Sohn Philip baute sie das Auto um und zu recht. Ihr Sohn arbeitet für einen Autokonzern und ist daher vom Fach. Ungezählte Stunden verbrachten sie mit Werkzeug in einer Scheune auf dem Land, die ihr ein Bekannter als Garage zur Verfügung stellt. Alles in allem hat sie rund 50 000 Euro in ihr Projekt gesteckt. Das ist nicht alles, einen Reisegewerbeschein -- in Deutschland hat alles seine Ordnung -- besitzt sie ebenso wie ein Gesundheitszeugnis.
"Finanzielle Unterstützung kann ich gut gebrauchen", sagt sie. Denn nur mit Kaffeeausschank und Kuchenverkauf dürfte sich das Vorhaben in Zukunft kaum tragen. Sie freut sich über Zuspruch und Bekannte, wie den Landwirt, die sie für ihr Thema begeistert hat -– aber es darf gern mehr werden.
Engagement entsteht aus Betroffenheit. Auch bei der Professorin. Ihre Eltern seien früh gestorben, erzählt sie. "Seit 40 Jahren pflege ich die Grabstellen und gehe gerne zum Friedhof." Das Thema ihrer Doktorarbeit hat eine persönliche Note, die über Wissenschaft hinausgeht: Der Tod im Oldenburger Land. Sie bedauert, dass unsere Friedhöfe karger werden, kennt die Sprachlosigkeit des Friedhofs, "es sind Orte, die leerer werden". Eben weil sich mehr Menschen anonym bestatten lassen, weil Kinder irgendwo arbeiten und daher ein pflegeleichtes Reihengrab wünschen.
Die 61-Jährige engagiert sich in Lüneburg für die Tobias-Gemeinschaft, ein Zusammenschluss, der sich um die Bestattung und das Erinnern von Menschen einsetzt, die beispielsweise in Unterkünften wie der Herberge lebten. Nun ein weiterer Schritt. Das Trauer-Café. Das zudem gut mit einem Konzert oder einer Lesung verbunden werden soll. Friedhof und totenstill? Es kann anders sein, eine Verneigung vor dem Leben. Und dem Erinnern. Carlo Eggeling
Am Samstag, 8. August, 14 Uhr freut sich Heike Düselder an der Kapelle auf dem Waldfriedhof auf Gäste.
Die Bilder geben einen Eindruck vom Treffen am vergangenen Wochenende.
Kommentare
Zu diesem Artikel wurden bisher keine Kommentare abgegeben.
_Mai23.jpg)
_ubiMaster1.jpg)
_Banner_Winsen_und_Lueneburg_Aktuell_Hausverwaltung__.jpg)
_wernieNovember2.jpg)