Lüneburg, am Donnerstag den 05.11.2026

Auf die Mütze

von Carlo Eggeling am 05.11.2026


Kopfschmerzen waren der Anfang für eine ungewöhnliche Geschäftsidee -- Saunamützen. Die verkauft Florian Meyer mit großem Erfolg. Er gehört in der Kategorie Start Ups zu den nominierten Unternehmen beim lokalen Wirtschaftspreis Lünale. Nicht nur die Idee ist besonders, sondern auch die Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe unter anderem bei der Produktion. Was klein begann, hat sich inzwischen zu einem breiten Angebot rund ums Schwitzen entwickelt.

"Ich habe in der Sauna Kopfschmerzen bekommen", erzählt Meyer. Die Hitze am Kopf vertrage er nicht. Da er oft in Skandinavien gewesen sein, habe er sich dort eine Idee abgeguckt: "Dort tragen viele eine Kopfbedeckung in der Sauna." Doch die Mützen, die er ausprobierte, brachten zwar Linderung, aber sie seien nicht angenehm zu tragen gewesen. Also setzte er sich zu Hause mit seiner Oma an die Nähmaschine und entwickelte selbst etwas, mit dem passenden Stoff.

Als eigenes Modell fand er Nachahmer, daraus wurde die Firma Frihed, das dänische Wort für Freiheit. "Ich habe einen Partner gesucht, seit 2023 arbeiten wir mit der Lebenshilfe zusammen", sagt der Chef. Die Werkstätten am Vrestorfer Weg habe er aus früheren Jobs gekannt. Was mit dem Zusammennähen der Mützen begann, hat sich längst weiterentwickelt -- so wie sein Unternehmen: "Das ist eine Partnerschaft auf Augenhöhe."

Im Textilbereich, den Angela Lang leitet, arbeiten Menschen mit Beeinträchtigungen. Doch ihre unterschiedlichen Aufgaben erledigen alle mit Begeisterung, Können und Genauigkeit. Manuela Stelter (30) näht an der Maschine aus den Teilen die Mütze akkurat zusammen. Mikaja Blanck (28) setzt die Etiketten ein: "Überstehende Fäden muss ich abschneiden." Jessica Bauer (32) und Petra Olesch (59) verpacken die Mützen in Tüten. Frihead erhält am Ende quasi das Rund-um-Sorglos-Paket.

Die Kooperation reicht weiter. Angela Lang, Absolventin der Modeschule und Kauffrau, hat Zugang zum Warenwirtschaftssystem von Fridhed und kann so das entsprechende Material selbständig nachordern. Die 56-Jährige berichtet, in Gesprächen mit Meyer gehe es um mehr: So hat ihre Abteilung das Eintüten erst später übernommen. Beide sagen, man entwickele die Zusammenarbeit weiter, je nach Anforderung von Frihed und den Fähigkeiten der Beschäftigten.

Meyer hat seine Produktpalette erweitert. Weitere Textilien, Aufgüsse, Pflegeprodukte und Tees gibt es. Auch da sei die Lebenshilfe ein Partner, am Standort Winsen verpacken Kollegen Tee. Über weitere Projekte reden Meyer und die Vertreter der Lebenshilfe.

Meyer setzt bewusst auf die Lebenshilfe, sein Internet-Auftritt gewährt Einblicke in die Werkstätten. Dort sind die Beschäftigten stolz, an dem Produkt mitzuarbeiten. Auf den Etiketten der Mützen unterschreiben sie per Hand als Garanten für ihre Arbeit. Eben ein Miteinander auf Augenhöhe und mit gegenseitiger Wertschätzung. Meyer ist hochpreisig unterwegs, ihm ist wichtig, dass die Arbeit unter guten Bedingungen erledigt wird, auch wenn das mehr koste als in Niedriglohnländern. Dies gefalle seinen Kunden, das wisse er aus deren Reaktionen.

Ein Geschäft auf Gegenseitigkeit, denn auch Angela Lang lobt: „Nach dem Sozialgesetzbuch sind die Werkstätten für Menschen mit Behinderungen gesetzlich verpflichtet, ihren Beschäftigten wirtschaftlich verwertbare Arbeit anzubieten, und dabei hilft uns Florian Meyer.“ Carlo Eggeling

Am Freitag, 6. November, werden im Zentralgebäude der Uni die Wirtschaftspreise im Rahmen der Lünale vergeben.

Die Fotos geben einen Eindruck von den Arbeiten bei der Lebenshilfe: Manuela Stelter näht die Mütze an der Maschine zusammen Mikaja Blanck setzt das Etikett ein. Angela Meyer, Jessica Bauer und Petra Olesch packen die Mützen ein. Fotos: ca

© Fotos: ca


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