Lüneburg, am Dienstag den 11.08.2026

Auf Tuchfühlung mit Werder Bremen

von Carlo Eggeling am 11.08.2026


Auf Tuchfühlung mit der Bundesliga
Die Social-Media-Agentur der Lebenshilfe dreht mit Werder Bremen Videoclips. Die Kollegen freuen sich auf das Spiel der Bremer gegen den LSK

Es ist auf jeden Fall cool. Eine Aktion mit Profis von Werder Bremen. Wer erlebt schon so etwas? Das Social-Media-Team der Lebenshilfe Lüneburg-Harburg. Die Mannschaft aus Winsen hat mit der Mannschaft aus Bremen einen Video-Clip produziert. Die Kicker und ihr Verein treten unter anderem für das an, was selbstverständlich sein sollte: Vielfalt und Inklusion. Am 4. April, dem Inklusionsspieltag, brachte Werder ein neues Shirt heraus mit dem Aufdruck Vielfalt. Wie das Trikot den Schriftzug erhält und wie viel Spaß es macht, wenn Menschen mit und ohne Beeinträchtigung zusammen Zeit verbringen und etwas schaffen -- das Video sprüht vor guter Laune.

So nahe kommen nicht viele der Profi-Mannschaft, deshalb ist das Verhältnis der Lebenshilfe-Leute zu den Kickern ein bisschen anders als für andere. Sie freuen sich, dass der Lüneburger SK am Samstag, 22. August, 15.30 Uhr beim Pokal-Hit gegen die Jungs von der Weser antritt. Die Partie läuft am Millerntor in Hamburg, Lüneburg hat kein passendes Stadion.

Die Lebenshilfe unterhält mitten in Winsen an der Bahnhofstraße ein Büro. Acht Kollegen arbeiten dort unter der Leitung des Pädagogen Marc Wolter zusammen. Sie produzieren Videos und Image-Werbung von Sozial-Unternehmen für Kanäle wie Instagram, You tube und TikTok. So entstand auch der Kontakt zu den Grün-Weißen. Der Verein, aktiv in Inklusionsprojekten, setzte auf die Firma in Winsen, und die bespielte die Plattform "Werder bewegt".

Fotos, Video, Social Media -- drei Kollegen fuhren nach Bremen für Shooting und Spaß. Harte Arbeit, erinnert sich Jan Martin Kürzinger, der 50-Jährige arbeitet als Kommunikationsdesigner und Projektmanager bei der Lebenshilfe. Paul Paulsen ist aus einer der Werkstätten in die Agentur gewechselt und ist für Postings zuständig, der 26-Jährige ist immer noch begeistert: "Dort waren Spieler und Spielerinnen aus der Bundesliga, welche die in den Inklusionsteams spielen und auch Fans." Er sei auf der Pressetribüne gewesen, habe Gäste und Spieler interviewt.

Werder und die Lebenshilfe verfolgen ein ähnliches Anliegen, Menschen mit verschiedenen Einschränkungen, ob sie im Rollstuhl sitzen, seh- oder hörbehindert sind oder mit dem Down-Syndrom leben, gehören dazu. Bei der Lebenshilfe setzen sie seit zweieinhalb Jahren auf die Agentur.
Projektleiter Wolter (47) und sein Kollege Kürzinger schildern, dass ihre Mitarbeiter letztlich so agieren, wie es in anderen Agenturen üblich ist -- allerdings in einem anderen Tempo. "Es ist nicht so energiegeladen, reizüberflutet, hektisch und kompliziert, eher entschleunigt", sagt Kürzinger. "Unsere Kunden wissen, dass manches länger dauert." Denn arbeiten in einem vergleichbaren Umfeld: "Wir arbeiten aus der Zielgruppe für die Zielgruppe."

Gleichwohl sei der Job stressig, denn die Teilnehmer müssten eine andere Flexibilität mitbringen als in Werkstätten: Bei Termindruck werde etwas über den Haufen geworfen. Statt eines lange geplanten Workshops, werde ein Film geschnitten oder ein Text verfasst.

Doch das Konzept zeigt Erfolg. Man habe Kunden gewonnen, sagt Wolter. Die Landesarbeitsgemeinschaft für Werkstätten behinderter Menschen zähle beispielsweise dazu, der Hof Bockum, eine Hotel-Gruppe, die Menschen mit Einschränkungen beschäftigt.

Die Agentur benötigt finanzielle Unterstützung. Eine Förderung läuft zum Jahresende aus. Dann hoffen die Kollegen auf einen Anschlusszuschuss über die Aktion Mensch für fünf Jahre. Danach soll die Agentur auf eigenen Füßen stehen. Sie sind sich sicher, dass sie das schaffen.

Und mit Werder Bremen wollen sie auch wieder zusammenarbeiten. Warum auch nicht? Die Beiträge ernteten reichlich Klicks. Carlo Eggeling

© Fotos: Lebenshilfe


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