Lüneburg, am Freitag den 28.08.2026

Bardowick tanzt weiter Samba

von Carlo Eggeling am 28.08.2026


Die Samba-Affäre schlägt Wellen. Die Kommunalaufsicht des Landkreises hat sich den Fall vorgenommen, die Staatsanwaltschaft ermittelt, AfD-Kreisvorsitzender und Landtagsabgeordneter Stephan Bothe hat im Parlament eine Kleine Anfrage an die Landesregierung gestellt und in der Gemeinde selbst beschäftigt sich ein Untersuchungsausschuss mit dem Fall. Im Fokus: Samtgemeindebürgermeister Heiner Luhmann. Der räumt den Vorwurf ein: Er habe als Geschäftsführer der SambaBau einem Mitarbeiter einen Kredit von 150 000 Euro gewährt, das habe er nicht gedurft. Es geht um Untreue, auch wenn die Summe nebst Zinsen zurückgezahlt wurde.

Luhmann sagte kürzlich, er habe über seinen Anwalt Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft beantragt, die hatte er zum Zeitpunkt der Anfrage noch nicht. Zu Details wolle er sich daher nicht äußern. "Zu einem Disziplinarverfahren habe ich vom Landkreis nichts gehört." Die Verwaltung habe Fragen der Kommunalaufsicht zu wirtschaftlichen Themen an den Kreis gegeben, rund 130 Seiten. Seine Geschäftsführung bei der SambaBau ruhe aktuell.

Die Staatsanwaltschaft erklärt, an der Burmeisterstraße seien die "Unterlagen der Kommunalaufsicht eingegangen, die zunächst gesichtet und ausgewertet werden müssen". Daher könne man noch nichts zu einem Sachstand sagen. Ähnliche Antwort aus dem Kreishaus: Akten seien eingegangen, die prüfe man, habe sie weitergegeben an Staatsanwartschaft und Kommunalaufsicht des Landes, zur Sache äußere man sich nicht.

Wie berichtet, hat der Samtgemeinderat eine Arbeitsgruppe aus drei politischen Lagern mit sechs Vertretern eingerichtet. Anfang der Woche folgte ein formaler Schritt, sodass die Mitglieder Akteinsicht nehmen dürfen.

Luhmanns Stellvertreter, Arndt Conrad, gab danach eine Presseerklärung heraus: "Die Arbeitsgruppe hat sich bis heute bereits viermal getroffen. Auftrag und Ziel der Arbeitsgruppe ist es zum einen, Akteneinsicht rund um ein vergebenes Arbeitgeberdarlehen zu nehmen und sich dabei ein eigenes Bild von den Vorgängen zu machen. Die Überprüfung Dritter bleibt davon unberührt."

Im Vordergrund steht offenbar die Struktur der Gesellschaft der Gemeinde und ihre künftige Ausrichtung: "Zum anderen soll auch die innere Organisation der SamBa-Bau Infrastruktur GmbH überprüft werden, das meint das Zusammenspiel von Gesellschafterversammlung, Aufsichtsrat und Geschäftsführung. Dafür ist bereits externe juristische Unterstützung beauftragt worden. Dem Rat der Samtgemeinde sollen zukünftige Anpassungen empfohlen werden."

Die SambaBau hat drei große Projekte mit einem finanziellen Volumen von 13 Millionen Euro vor der Brust, da solle die Geschäftsführung Klarheit haben: Im Juni 2026 gab es den Auftrag, "einen 5-Gruppen-Kindergarten in Bardowick und im August 2026 mit den Vorbereitungen für einen 4-Gruppen Kindergarten in Wittorf und ein neues Feuerwehrhaus in Handorf" zu erstellen.

Die organisatorische Veränderung ist auf Kiel gelegt: "Die Arbeitsgruppe hat dem Rat der Samtgemeinde Bardowick als eine erste konkrete Maßnahme vorgeschlagen, die bisherige Alleinvertretungsberechtigung der Geschäftsführer spätestens bis zum 31. März 2027 aufzuheben. Zukünftig sollen grundsätzlich zwei Geschäftsführer zusammen handeln. Hiervon soll nur in definierten Bereichen abgewichen werden können.“ Es sei eine einstimmige Entscheidung des Rates gewesen.

Man muss einen Blick auf das Konstrukt werfen, um die zweite Ebene der Affäre zu verstehen. Hier geht es um die Landratswahl und darum, den CDU-Kandidaten Steffen Gärtner auf die Bühne zu ziehen. Vorweg: Heiner Luhmann hat LA gegenüber mehrmals betont, Gärtner habe nichts mit seinem Handeln zu tun.

Die Samtgemeinden Gellersen und Bardowick betreiben eine gemeinsame Gesellschaft für Bauangelegenheiten und Breitbandausbau. Von dort besorgte sich Luhmann für die SambaBau einen Kreditrahmen über 1,1 Millionen Euro, denn die eigene Gesellschaft hatte kaum Bares in der Kasse. Aus diesem Volumen ging der Kredit von 150 000 Euro an den Mitarbeiter. Der besitzt lediglich einen Zehn-Stunden-Vertrag. Er ist im Immobiliengeschäft tätig und wollte Bardowick für einen Millionenbetrag unter anderem ein Gebäude verkaufen, was Luhmann zwar befürworte, die Gemeinde aber ablehnte.

Luhmann wandte sich 2023 in einem sogenannten Cash-Pooling an die Nachbargemeinde Gellersen. Der Begriff meint, dass sich klamme und bessergestellte Kommunen gegenseitig aushelfen, um Bankzinsen zu sparen. Eine Nachfrage bei Verwaltungschefs in der Region ergab: ein übliches Verfahren. Luhmanns Vorgehen ging, wie geschildert, über das Übliche hinaus und rückt in Wahlkampfzeiten Gellersens Samtgemeindebürgermeister Gärtner mit in den Blick. Der Christdemokrat will Landrat werden.

Die Beteiligten heben die klare Trennung der Gesellschaften hervor. Gärtner: Der Aufsichtsrat der Breitbandgesellschaft habe dem Millionen-Kreditvolumen zugestimmt, es habe zudem Prüfungen gegeben -- alles ohne Beanstandungen. Inzwischen habe der Aufsichtsrat der Gesellschaft getagt: "Alle Unterlagen wurden vorgelegt." So sei die Kita-Finanzierung für Handorf in den Blick genommen und als ordnungsgemäß eingeschätzt worden.

Ergebnis der Gespräche: Den Vertrag mit den Bardowickern kündige man zu Ende 2027, in den Jahren 2024 und 2025 seinen jeweils Überschüsse von gut 200 000 Euro erzielt worden. Die Jahresabschlüsse sollen durch Wirtschaftsprüfer durchleuchtet und veröffentlicht werden, sagt Gärtner: "Wir wollen alles transparent aufgreifen."

Gleichwohl spielt der Kommunalwahlkampf eine Rolle. AfD-Landratskandidat Bothe, der nach derzeitigem Stand aufgrund angezweifelter Verfassungstreue nicht antreten darf, will Gärtners Rolle bespiegeln, der gute Chance besitzt, als Chef ins Kreishaus einziehen zu können.

Bothe hat im Juli eine umfangreiche Anfrage an die Landesregierung gestellt. Die antwortet Mitte August: "Der Landkreis hat das Ministerium für Inneres, Sport und Digitalisierung als oberste Kommunalaufsichtsbehörde über den Sachverhalt informiert. Die Entscheidungen über etwaige gegen die Samtgemeinde Bardowick zu erlassende kommunalaufsichtliche Maßnahmen trifft der Landkreis Lüneburg in eigener Zuständigkeit." Inhaltlich nimmt Hannover kaum Stellung, da es sich zum einen um ein laufendes Verfahren handelt, zum anderen keine Ergebnisse vorliegen und man in Teilen nicht zuständig sei.

Festzuhalten ist: Gärtner als auch Luhmann unterstreichen, dass Luhmann alleine und ohne Wissen Gärtners gehandelt habe. Bisher bleiben Spekulationen, doch nichts Greifbares.

Für einen hat sich das Ganze nicht ausgezahlt: Achim Gründel, der selber im Aufsichtsrat der SambaBau sitzt und für die SPD im Samtgemeinderat, hat wenig Zustimmung und Unterstützung für seine Aufdeckung geerntet. Die SPD hat ihren langjährigen Genossen, der einst Bürgermeister in seiner Gemeinde Radbruch war, nicht wieder zur Kommunalwahl aufgestellt. Gründel tritt als Einzelbewerber an und setzt auf sich selbst. Sollte er in den Samtgemeinderat kommen, dürfte er das Thema SambaBau weiter am Kochen halten. Carlo Eggeling

© Fotos: ca


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