Lüneburg, am Freitag den 26.06.2026

Bardowicker Ungereimtheiten — Kommunalaufsicht hat Fragen

von Carlo Eggeling am 26.06.2026


Wenn man durch die internen Unterlagen blättert, fragt man sich, warum unterstützt Bardowicks Samtgemeindebürgermeister Heiner Luhmann den Unternehmer und gleichzeitigen Mitarbeiter der Gemeinde, Marco R., in so einem Umfang? In den Dörfern heißt es, die beiden würden sich vom Fußball kennen. Luhmann war für eine Anfrage nicht zu erreichen, er kehre erst am Dienstag ins Rathaus zurück. Sein Stellvertreter, Arndt Conrad, will nichts kommentieren, es habe doch Zeit. Erstaunlich, denn zum einen stand ein großer Teil der unglaublichen Geschichte schon in der Landeszeitung und zum anderen heißt es auf Nachfrage beim Landkreis, die Kommunalaufsicht schalte sich in den Fall ein. Bei Polizei und Staatsanwaltschaft liegen keine Anzeigen vor. Noch nicht, muss man wohl sagen. Die Causa zieht im Zweifel weitere Kreise: Auch der Name Steffen Gärtner, Samtgemeindebürgermeister in Gellersen und CDU-Landratskandiadat, fällt.

Worum geht es? Die Details wurden jetzt im Rat vorgestellt. Nachgebohrt hatte zuvor der SPD-Ratsherr und ehemalige Kriminalpolizist Achim Gründel. Im Sommer 2022 stellt die frisch gegründete SamBa-Bau Infrastruktur GmbH Marco R. ein, damit ist der Angestellte durch eine Zehn-Stunden-Stelle im Sozialversicherungssystem -- samt Dienstwagen. Eigentlich führt der Wittorfer eine Baugesellschaft, das berücksichtigt der Arbeitgeber, R. darf 15 Stunden im Monat Woche für "Nebentätigkeiten" ausüben.

Die Verbundenheit muss groß sein. R. bietet einen Komplex in Wittorf für eine Million Euro zum Kauf an. Er soll zuvor mehrfach versucht haben, das Gebäude zu verkaufen, ohne Erfolg. In einem Bericht heißt es: "Der Geschäftsführer Herr Luhmann warb im Aufsichtsrat und im Samtgemeinderat ausdrücklich für einen Ankauf." Offenbar war Luhmann sehr sicher, dass die Gemeinde zugreifen würde. Denn er fädelte einen Deal ein mit der Breitband GmbH, die Bardowick und Gellersen gemeinsam betreiben. Diese Gesellschaft gewährte der Samba Bau einen Darlehensrahmen von 1,1 Millionen Euro "zum Ankauf bebauter und unbebauter Immobilien". Von Mitarbeiterkrediten ist keine Rede. Unterzeichnet wurde der Vertrag unter anderem von Luhmann und Gärtner am 13. Dezember 2023.

Gärtner erklärt auf Nachfrage, es sei ein übliches Verfahren unter Kommunen, sich bei Engpässen finanziell auszuhelfen: "Das spart Zinsen bei Banken." Von dem, was dann passierte, habe er nichts gewusst und hätte nie zugestimmt: "Für mich kommt so ein Geschäftsgebaren nicht infrage."

Denn zwei Tage später, am 15. Dezember 2023, schließt die Samba Bau einen Vertrag mit R. über ein Mitarbeiterdarlehen über 150 000 Euro zu einem Zinssatz 8,66 Prozent ab, Befristung bis zum 31.12.2024. Wo der Vorteil für R. liegt, bleibt fraglich, das sei der bankübliche Satz, heißt es aus dem Rat. Die Samba Bau hat das Geld gar nicht, in deren Kasse liegen zu diesem Zeitpunkt gut 4000 Euro; um das Darlehen zu überweisen, braucht man die Hilfe der Breitband GmbH.

Zurück zur Millionen-Immobilie von R. Der Aufsichtsrat lehnt den Kauf ab, Luhmann bringt das Projekt in den Samtgemeindeausschuss ein, da hat er mit CDU und Grünen eine Mehrheit sicher -- die stimmt dem Kauf zu. Zu früh gefreut, denn der Samtgemeinderat lehnt den Kauf ab.

Angeblich, so heißt es in dem Bericht, scheint man im Bardowicker Rathaus sicher gewesen zu sein, dass die Gemeinde R.s Haus kauft, denn "unabhängig der Gremienzustimmung (wurden) bereits gebührenpflichtige notarielle Handlungen veranlasst. Hier entstanden der Gesellschaft / Samtgemeinde Kosten, die hätten abgewendet werden können".

Der 31. Dezember 2024 wäre der Tag der Rückzahlung des Kredits an R. Doch es geht kein Geld ein. Es habe auch keine Aufforderungen oder Mahnungen gegeben. Auch im nächsten Jahr nicht. Das ändert sich Anfang 2026, als Wirtschaftsprüfer und Rechnungsprüfungsamt sollen in Unterlagen gucken sollen. Offenbar reagieren Luhmann und sein Stellvertreter Conrad nun mit einem Brief.

Im Bericht der Gruppe SPD/UWG und Volt heißt es: "In dem Schreiben wird Herr R. aufgefordert, noch am gleichen Tage (10.03.2026) das Darlehen nebst allfälliger Zinsen (nunmehr gesamt 178.795,50€) zurückzuzahlen. Noch am Tage dieses Schreibens um 8.10 Uhr schickt Herr Luhmann es in Kopie per Mail an Herrn XY von der Volksbank Winsener Marsch. Herr XY wird hierin gebeten, die Auszahlung des Betrages an die Samba-Bau zu veranlassen. Als Legitimation wird angegeben, dass Herr R. am Vortag telefonisch Herrn Luhmann um diese Vorgehensweise beauftragt habe. Bereits um 17.10 Uhr teilt Herr XY per Mail mit, dass die Zahlung „heute rausgegangen“ sei."

Ein bemerkenswertes Bankgeschäft, ebenso bemerkenswert, dass Bardowicker Verwaltungsmitarbeiter diesen Zugriff besitzen. Weiter notiert der Bericht, dass Luhmann allein gehandelt haben will, Conrad habe nichts gewusst. Erstaunlich, da im Zusammenhang der Rückzahlung über die Volksbank sein Name auftaucht. Alles sei nicht schlimm, argumentiert Luhmann angeblich im Aufsichtsrat weiter, es sei ja kein Schaden entstanden, im Gegenteil.

Nun war der Fall Thema im Rat. Dadurch ergaben sich neue Aspekte. In dem Bericht von SPD/ UWG/ Volt heißt es:
"Die Frage, ob der Kredit wie im Vertrag vorgesehen, durch Grundbucheintragung abgesichert war, verneinte Herr Luhmann. Dies sei nicht nötig, da man sich gut kenne, vertraue und immer wieder begegne. Außerdem habe er so der Samba Bau die Notarkosten ersparen wollen.
Auf die Frage, mit welchem Hintergrund konnte Herr Luhmann als Geschäftsführer erreichen, dass das Darlehen binnen eines Tages in einer Summe nebst Zinsen zurückgezahlt werden konnte, erklärte Herr Luhmann auf der öffentlichen Sitzung, dass zu dem Zeitpunkt bei Herrn R. ein größeres Darlehen auszahlungsreif gewesen sei. Dieses Darlehen sei im Zusammenhang mit der Finanzierung eines neuen Bauprojektes von Herr R. auszahlungsreif gewesen." Luhmann und R dürften sich gut kennen, wenn er darum wusste.

Es bleiben Fragen. Zum Beispiel, ob es nicht auffiel, dass im Haushalt der Breitband GmbH über zweieinhalb Jahre 150 000 Euro fehlten und nichts zurückgezahlt wurde. Für die Auszahlung des Mitarbeiterkredits soll das Vier-Augen-Prinzip gelten, wenn Luhmann unterschrieben haben dürfte, wer war der Zweite? Wer war eingebunden in die Einstellung von Marco R., wie sieht sein Vertrag aus und wer kontrolliert ihn?

Gründel sagt, als Kommunalpolitiker komme man an Grenzen der Kontrolle. Er setze daher im Zweifel auf die Staatsanwaltschaft, die dem Verdacht der möglichen Untreue als Offizialdelikt nachgehen könnte. Und auch die Kommunalaufsicht sieht er gefordert.

Die Pressestelle des Landrats erklärt dazu: "Der Landkreis Lüneburg übt die Kommunalaufsicht über die Kommunen aus, aber nicht unmittelbar über kommunale Gesellschaften. Die Tätigkeit der SamBa-Bau und ihres Geschäftsführers Heiner Luhmann unterliegt daher nicht der Kommunalaufsicht. Die Tätigkeit der Samtgemeinde als Eigentümer der SamBa-Bau und des Samtgemeindebürgermeisters hingegen fällt unter den Prüfauftrag des Landkreises Lüneburg.
Die Samtgemeinde ist gegenüber der Kommunalaufsicht zur Auskunft verpflichtet. Das betrifft auch ihre wirtschaftliche Betätigung als Gesellschafterin der SamBa-Bau.
Die Kommunalaufsicht befasst sich aufgrund der Berichterstattung mit dem Sachverhalt und wird die Samtgemeinde Bardowick in einem ersten Schritt im Rahmen ihres Unterrichtungsrechts zur Stellungnahme auffordern, um den Sachverhalt zu bewerten." Carlo Eggeling

© Fotos: ca Archiv


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