Baugenehmigung am Schanzenweg erloschen
von Carlo Eggeling am 11.08.2026Das umstrittene Bauvorhaben am Schanzenweg geht zumindest erst einmal nicht weiter. Die Baugenehmigung ist erloschen. Das teilt die Stadt auf eine Anfrage von LA mit: "Mittlerweile ist die Baugenehmigung für das Grundstück Schanzenweg/Vor Mönchsgarten aufgrund fehlender Nachweise und Gutachten erloschen. Um nun dort ein Gebäude errichten zu können, bedarf es eines neuen Bauantrags." Weiteren Bestand habe hingegen die Genehmigung für den ehemaligen Gewerbehof, der von der Neuetorstraße zu erreichen ist. Die Stadt: "Eine Baubeginnanzeige ist allerdings noch nicht eingegangen."
Die Anwohner-Initiative, die sich gegen die geplanten Neubauten in der geplanten Form engagiert, reagiert überrascht. "Davon wussten wir nichts. Eine gute Nachricht", sagt Sprecherin Claudia Kunze. Gleichwohl wolle man sich weiter einsetzen und habe offene Fragen.
Wie berichtet, will ein Investor an der Ecke rund 100 neue Wohnungen errichten. Ein Teil umfasst den Gewerbehof, dessen Bestand saniert und erweitert werden soll. Zudem sollen zwei Gebäude am Schanzenweg weichen, dort und Bei Mönchsgarten sind Neubauten geplant. Deren Höhe orientiert sich nicht an den Einfamilienhäusern, sondern an den mehrstöckigen Gebäuden in Richtung Dörnbergstraße. Nachbarn sind in Sorge, dass ihre Häuser Schaden nehmen könnten -- der senkungsgeplagte Ochtmisser Kirchsteig liegt einen Steinwurf entfernt. Ferner sei "das Bauvorhaben mit so vielen Einzelwohnungen absolut überdimensioniert und fügt sich nicht, wie in § 34 BauGB, gefordert, in die ortsübliche Bebauung des Schanzenweges/Lauensteinstraße ein".
Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch hatte den Betroffenen vor Monaten eine Informationsveranstaltung zugesagt -- passiert ist bis heute nichts. Man wolle erst Fakten zusammentragen, bevor es zu einem Gespräch komme, ließ die Verwaltungschefin mehrfach auf Nachfrage erklären. Dabei bleibt es auch jetzt: "Sollte ein neuer Bauantrag eingehen und sobald die Bauherrin alle geforderten Gutachten beigebracht hat, eine fachliche Prüfung dieser Unterlagen durch einen von der Bauaufsicht beauftragten Prüfingenieur stattgefunden hat sowie auswertbare Messergebnisse vorliegen, wird zu dem Termin eingeladen."
Die Vermutung der Anwohner geht dahin, dass sich Claudia Kalisch dem Termin aufgrund des Wahlkampfes herauszögert -- kritische Themen könnten nicht so passen. Betroffene möchten aber möglichst schnell von der OB erfahren, warum zum Beispiel weniger Messpunkte gesetzt wurden, als angekündigt waren und warum sie auf Nachfragen diesbezüglich keine Antworten erhalten. In einem offenen Brief hatten sie zudem die Linie der Stadt hinterfragt, die einerseits verkündet, sozialen Wohnraum schaffen zu wollen, am Schanzenweg aber hochpreisiges Wohnen ermögliche.
Die Bürgerinitiative hatte eine Petition gegen das Projetkt gestartet, gut 1300 Unterschriften kamen zusammen, Ziel die zunächst erteilte Baugenehmigung möge zurückgezogen werden. Sprecherin Claudia Kunze freut sich zwar, dass die Baugenehmigung nun erloschen ist, doch sie und ihre Mitstreiter sind skeptisch, ob der Investor nicht doch an dem Projekt festhält: "Wir bleiben am Ball." Carlo Eggeling
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