Lüneburg, am Donnerstag den 24.09.2026

Behindertenbeirat hat Zweifel an Barrierefreiheit

von Carlo Eggeling am 24.09.2026


Für die Stadt und die Oberbürgermeisterin ist es -- scheinbar -- kurz vor dem Wahltermin am Sonntag noch einmal ein dicker Erfolg: Die Rothahnstraße sei mit historischem Pflaster hergerichtet worden. Barrierefrei selbstverständlich. Der Behindertenbeirat hat daran "erhebliche Zweifel". Vorsitzende Daniela Laudan sagt: "Ich war nicht mit dem Maßband da. Aber die Fotos, die ich gesehen habe sprechen nicht dafür. Und auch als ich in Vergangenheit da vorbeikam, machte es nicht den Eindruck."

Auf dem schmalen Gehweg steht obendrein ein Aufsteller, für Rollstuhl- und Rollator-Piloten ist das ein Hindernis. Ausweichen ist schlecht, denn das Kopfsteinpflaster ist nicht abgeschliffen worden. Auch das moniert die Vorsitzende. Geschliffen hat die Bauverwaltung im Wortsinne gerade auf die Huckelbelege an Sand und Markt reagiert, um Menschen mit Beeinträchtigungen den Weg zu bahnen.

Auch von Mitglieder des Vereins Fuss e.V. ist Kritik zu hören. Die Vorsitzende, Julia Born, möchte sich nicht äußern, sie verweist auf den Behindertebeirat.

Daniela Laudan fühlt sich an den Umbau des Glockenhofs erinnert: Dort baute die Stadt eine Rampe, die im ersten Anlauf für Rollis zur Sprungschanze hätte werden können. Teure Umbauten. Damals wie heute: "Wir wurden in die Planungen nicht eingebunden." Damals hatte die Stadt Besserung gelobt. Hat irgendwie nicht geklappt.

Ein Ingenieur, der die Lüneburger Verhältnisse im Tiefbau bestens kennt, wundert sich unter der Hand über die Ausführung. Die hätte man wesentlich bequemer haben können. Denn für Radfahrer rumpelt's auf dem Kopfsteinpflaster. An der Ilmenau hatte die Stadt mit großem Aufwand einen allseits anerkannten Streifen in die alte Kopfsteinpiste einbauen lassen, auf dem es sich bestens rollt. Der Techniker wundert sich, warum nicht an der Rotehahnstraße?

Anlieger schütteln den Kopf über die Bauzeit von einem Jahr für vielleicht gut 200 Meter Weg. Eigentlich sollte alles im Frühjahr fertig sein. Die Stadt erklärt es mit dem Leitungswirrwar im Boden und dem Winter, der Winter war. Schnee und Minusgrade sind angesichts des Klimawandels natürlich nicht mehr wirklich zu erwarten.

Im Rathaus bestätigt die Pressestelle, was Anwohner erzählen, Ratspolitiker allerdings auf Nachfrage nicht wissen: "Es gibt derzeit konzeptionelle Überlegungen, die Straße Auf dem Kauf im Rahmen des Westlichen Wasserviertels zu sanieren. Auch die Straßen Bei der Abtspferdetränke und die Lüner Straße sind in diese Überlegungen eingeschlossen. Ob und wann die Arbeiten erfolgen, steht nicht fest. Die Hansestadt Lüneburg wird zu etwaigen konkreten Plänen rechtzeitig informieren."

Das bleibt vage. Nachbarn aus dem Viertel erzählen es konkreter. Demnach soll es Auf dem Kauf möglicherweise bereits im kommenden Jahr losgehen, hätten ihnen städtische Mitarbeiter erzählt. Der Behindertenbeirat und auch Mitglieder des Fußgängervereins wissen nichts davon. Für die versprochene Transparenz ist ja noch Zeit.

Zu klären wären unter anderem die Kosten, denn die Stadt kämpft mit einem gewaltigen Loch im Haushalt. Historische Steine könnten eine weitere Herausforderung darstellen. Für die Rotehahnstraße wurden vor allem Steine genutzt, die die Stadt bei der Umgestaltung des Weges in Höhe des Behördenzentrums aus dem Boden geholt wurden, um ein anderes Pflaster einzubauen.

Was kostet das Ganze? Die Stadt: "Die Schlussabrechnung der Maßnahme liegt noch nicht vor. Kalkuliert wurden 320.000 Euro. In diesem Rahmen werden wir uns bewegen. Die Förderung durch Städtebaufördermittel liegt bei 90 Prozent - sprich: der Eigenanteil der Hansestadt liegt bei 10 Prozent." Carlo Eggeling

© Fotos: ca


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