Beliebtes Wasserviertel — aber anders
von Carlo Eggeling am 10.08.2026Selbstbedienung
Die Räder stehen gut aufgereiht im Veranstaltungstrakt des Hotel Bergström am Werder: teuer, edel, elektrobetrieben -- einladend. Offenbar hat die "Szene" die Möglichkeit als Einnahmequelle entdeckt. Am Donnerstag kamen vier angeschlossene Räder aus dem Foyer weg, von Freitag am Samstag die nächsten zwei. Der Schaden liege vermutlich bei um die 20 000 Euro, heißt es auf Nachfrage von der Polizei. Einen Ermittlungsansatz habe man noch nicht, hoffe aber auf Videoaufnahmen. Fahrraddiebstahl gehört zu den alltäglichen Delikten im Polizeialltag. Der Hotel-Komplex im Wasserviertel ist allerdings neu auf der Liste der Hotspots. Tatort sind immer wieder die Rad-Parkhäuser am Bahnhof. Velos gelten als gewisse Währung innerhalb der Drogenszene -- Beschaffungskrimnalität.
Handy weg
Wir bleiben im Wasserviertel. Dort hat ein Täter in der Nacht zu Sonntag in einem Kiosk Bei der Abtspferdetränke einem 43-Jährigen ein Handy entrissen und flüchtete. Der Tatvorwurf laute auf Raub, sagt Polizeisprecher Kai Richter. Eine konkrete Spur habe man nicht.
Sammeln für den Knast
Es gibt Menschen, die man auf kein Fest einladen möchte, gibt jedes Mal Ärger. So verhält es sich mit einem 22-Jährigen, der den Polizeibericht seit Monaten begleitet, mal geht's ums Klauen, mal um Körperverletzung, Bedrohung und Hausfriedensbruch. Drogen spielen eine Rolle. Die Polizei hat ein Aufenthaltsverbot gegen den Mann erwirkt, in bestimmten Bereichen der Innenstadt darf der Betreffende nicht auftauchen -- er hält sich nicht daran. Vermutlich weil er es aufgrund seines Zustands auch nicht kann.
Man kann es sich denken, wir sind wieder im Wasserviertel. Am späten Donnerstag tummelte sich der Unwillkommene mit Bekannten im Karstadt-Parkhaus. Die Polizei notierte dazu: "Nachdem der 22-Jährige 'übergriffig' gegenüber einer der Frauen wurde, setzte sich diese zur Wehr, so dass der 22-Jährige sowie sie auch selbst blutige Verletzungen erlitten. Alarmierte Polizeibeamte veranlassten eine medizinische Versorgung und nahmen den 22-Jährigen in Gewahrsam. Ergänzend wurden strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet."
Durch das Aufenthaltsverbot können die Beamten wortwörtlich eher zugreifen und den Mann zumindest zeitweilig in eine Zelle stecken. Verstöße gegen die Anordnung gelten rechtlich als Ordnungswidrigkeit und werden mit einer Geldbuße geahndet. Die kann der in einer Unterkunft in Scharnebeck lebende Mann nicht zahlen, er gilt als mittellos.
Juristisch gilt quasi das Hamster-Prinzip, das die Ordnungsbehörden schon in der Vergangenheit angewandt haben: Sie sammeln Delikte, bis die Staatsanwaltschaft genug für eine Anklage zusammen hat. Entweder reicht es vor Gericht für eine Freiheitsstrafe oder aber der Mann kommt nicht zur Verhandlung. Dann erlässt der Richter in der Regel einen Vorführungshaftbefehl -- Fahndung, Zelle, Verhandlung. Abwarten also. Carlo Eggeling
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