Lüneburg, am Samstag den 31.10.2026

Bleiben Sie heiter

von Carlo Eggeling am 31.10.2026


Meine Woche
Positiv. Immer

Lüneburg strahlt als Sonne am Himmel der Beliebtheit. Touristen, alle des Lobes voll, Hotels und Kneipen müssten eigentlich Kollegen einstellen zum Geld umgraben, damit es nicht schimmelig wird. Die Zählautomaten etwa an der Bäckerstraße schlagen Purzelbäume, weil so viele Menschen an ihnen vorbeiziehen. Der Handel dürfte keinen Grund zur Klage haben. Morgen werden wir wieder hören, wie wunderbar wir leben. Verkaufsoffen und Blaulichttag -- rappelvoll. Marketinggesellschaft, Stadt und Handel freuen sich. Routineübung, auch wenn wir wissen, nichts ist aufregender als die Wirklichkeit.

Der Erfolg der verkaufsoffenen Sonntage stresst so sehr, dass man im kommenden Jahr einen streichen will, ist aus dem Handel und vom Markt zu hören. Wahrscheinlich weil die Geschäftsleute nicht hinterherkommen. Anstrengend. Wer will das schon. Deshalb lassen eine Menge Unternehmer ihre Türen zu. Wegen Reichtum geschlossen.

Schon lange schallt aus dem Rathaus, man möge nicht immer alles schlecht reden. Ins Gute-Laune-Orchester reihen sich nachaltige Journalisten und ehemalige Lüneburger wortmächtig im Internet ein. Tirili Glückes Geschick. 40, 50 leere Läden, Galeria japst an der Agonie entlang, im Wasserviertel ein berauschender Schwarzhandel mit den Elenden -- na ja, irgendwas ist immer.

Die Einzelhandelsvereinigung LCM hatte zur Jahresversammlung eingeladen. Vorsitzender Heiko Meyer stimmte das Lied der Kaufleute an, die Klage, habe ich gelesen. Wirte hatten zuvor ähnliches gesungen. Übrigens die Kneipiers, die erfolgreich sind. In der Zeitung kommentiert Chefredakteur Manuel Becker, der unterlegene OB-Kandidat Meyer müsse aus dem Wahlkampfmodus kommen: "Bitte mehr Sachlichkeit."

Die Melodie dieser Combo: Alle mögen sich unterhaken und nach vorne schauen. Dafür bräuchte es etwas, auf das man schauen könnte. Außer großen Arbeitskreisen und Dialogräumen der Befindlichkeiten ist wenig zu sehen. Der Gute-Laune-Bär tanzt trotzdem. Zum anderen läuft der Wahlkampf weiter. Die OB-Wahl ist angefochten, erst im Rat, im nächsten Schritt vor den Verwaltungsgerichten. Wer seine Stadt kennt, kennt die Partitur seit Wochen und kennt auch das Tonstudio.

Becker schreibt, "es geht auch um clevere Ladezonen, ein kluges Parkleitsystem, gute Verbindungen mit dem Nahverkehr". Er ist ein Jahr in der Stadt. Ein alter Schlager, der bereits im Wahlkampf vor fünf Jahren lief. Eine Playlist ist eine tolle Sache. Was ist passiert seitdem? Die Wiederholungstaste. Der nächste Rat hat sich sich lieb und wird brausig ein neues Lüneburger Glück besingen. Tirili Glückes Geschick.

Im Landkreis zieht Steffen Gärtner aufs Michaeliskloster. Der Christdemokrat gilt als Macher. Als das Lüneburger Rathaus zu Beginn des Ukraine-Krieges Turnhallen zu Unterkünften machte, hatte Gärtner in seiner Samtgemeinde Gellersen Container aufgestellt, später kaufte er Immobilien, um Menschen eine Bleibe zu geben. Kinder in Reppenstedt nutzten die Sporthalle. Die Verwaltungschefin im Reppenstedter Vorort beschrieb derweil Probleme.

Gärtner dürfte in seinem Haus Digitalisierung vorantreiben, er wird das vergurkte Sicherheits- und Brandschutzkonzept der Arena in den Blick nehmen. Und das größte Glück des Nahverkehrs, die Moin. Guten Morgen wäre ganz gut für Geschäftsführer Nikolas Wenzel. Als der Mann vor reichlich drei Jahren das Steuer übernahm, sollte "Schwung in den Busverkehr" kommen, jubilierte eine Pressemitteilung. Er bringe die "nötige Expertise mit". Wow. Wenzel versprach: "Das birgt eine einzigartige Chance: Innovativen, attraktiven und an Kundenwünschen orientierten ÖPNV für die Menschen im Landkreis Lüneburg zu schaffen. Damit setzen wir einen wichtigen Impuls für den Klimaschutz und die Verkehrswende.“

Wende. Wir erinnern uns, was seit Jahresbeginn an Innovationen passierte: Anzeigesysteme funktionierten nicht, das Bezahlen mit und ohne Karte, welcher Karte, war bis jetzt eine Herausforderung, Fahrer, die Kinder in der Pampa stehen ließen, die Routen nicht kannten. Neue Busse, die bei Frost stehen blieben. Tankstelle vergessen.

Man hätte denken können, dass die Politik Kunden und damit Wähler hört und Herrn Wenzel in Sachen Fahrtauglichkeit einbestellt. Nö, weil man sich parteiübergreifend Moin gewünscht hatte, waren es "Anfangsschwierigkeiten" und nicht mangelnde Fahrpraxis. In seinen zwei Jahren Vorbereitung tröpfelte eine menschliche und lange bekannte Angelegenheit an Wenzel und seinen Begleitern vorbei, das Personal muss pinkeln. Keine Toiletten am Kreideberg, Bülows Kamp, Amelinghausen. Wer sich alles in die Büsche schlägt. So und so.

Es ist bestimmt eine gewaltige Herausforderung, für einen Übergang ein paar Dixies zu besorgen. Pinkelpause, Herr Landrat übernehmen Sie. Mit Containerlösungen lagen Sie schon einmal richtig.

Weil Wochenende ist, bleiben wir heiter. Sehen Sie es mir nach, ich weiß, im Prinzip ist alles gut -- Zyniker sind ja enttäuschte Romantiker. Fürs Herz, Christian Morgenstern hat`s eingefangen:

Glück ist wie Blütenduft,
der dir vorüber fliegt ...
Du ahnest dunkel Ungeheures,
dem keine Worte dienen -
schließest die Augen,
wirfst das Haupt zurück -
und,ach!
vorüber ist's. Carlo Eggeling

© Fotos: ca


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