Das Wendland ist raus — Niedersachsen nicht
von BI Lüchow-Dannenberg am 27.10.2026BGE grenzt Endlagerregionen ein – BI benennt Schwachpunkte
Das Wendland ist raus - Niedersachsen im Fokus
Seit 2017 sucht die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) in Deutschland nach dem Ort für ein Endlager. Einen ersten Zwischenbericht legte sie im Jahr 2020 vor. In einem vergleichenden wissenschaftsbasierten Verfahren schied der alte Standort Gorleben für die Lagerung hochradioaktiver Abfälle 2020 aus. Grundlage für den Neustart des Suchverfahrens ist das Standortauswahlgesetz (StandAG), untersucht werden Kristallin-, Ton- und Salzvorkommen.
Im ersten Schritt galten noch 54% der Landesfläche als potentiell geeignet. Mit dem heutigen Datum (27. Okt. 2026) schmilzt die Fläche auf weniger als fünf Prozent zusammen.
„Graue“ Gebiete, die bisher noch nicht bewertet wurden, gibt es fortan nicht mehr, zuletzt waren noch große Teile Norddeutschlands unbewertet.
Auch das Wendland war von Tongebieten berührt und ist jetzt endgültig raus. „Wir sind schon ein Stück erleichtert“, merkt Wolfgang Ehmke, Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) an, auch wenn vorab alles dafür sprach. Eine Studie der Leibniz Universität aus dem Jahr 2022 legte nahe, dass die großen, bisher unbewerteten Tongebiete im norddeutschen Raum keine Rolle spielen würden.
Nach Angaben der BGE gaben auch die Stellungnahmen u.a. der BI zu den Auswirkungen zu kommenden Kaltzeiten den Ausschlag, dass das Wendland nicht mehr in Frage kommt.
Allerdings zieht sich in Niedersachsen im Vergleich zu allen anderen Bundesländern ein breiter Streifen von Braunschweig bis Rheine, der weiterhin als geeignet ausgewiesen wurde, auch bei den Salzstöcken ist Niedersachsen im Rennen.
Die BI-Kritik: das Auswahlverfahren berücksichtige nicht hinreichend, dass am Ende nicht ein, sondern zwei Endlager errichtet werde müssen. „Neben den hochradioaktiven Abfällen müssen auch schwach- und mittelaktive Abfälle gelagert werden, unabhängig von der Frage, ob der Schacht KONRAD bei Salzgitter überhaupt als Endlager für diese Abfälle genehmigt wird und den Betrieb aufnimmt, kommen noch einmal rund 300.000 Kubikmeter hinzu.
Ehmke: „Der kritische Zeitpunkt im Verfahren wird allerdings sein, dass die Festlegung der Endlagerregionen Ende 2027 durch die BGE im Anschluss durch ein Bundesgesetz bestätigt werden muss. Hier ist das Einfallstor für Parteieninteressen und Länderegoismen – Markus Söder „weiß“ ja jetzt schon, dass Bayern nicht in Frage kommt. Zivilgesellschaftliches Engagement bleibt wichtig, um das zu verhindern.“
Verbunden mit der Kritik ist deshalb ein Beratungsangebot an Engagierte in den Regionen und Bürgerinitiativen, die sich mit Sicherheit gründen werden. Ein Datum und der Ort für eine Atommüllkonferenz im nächsten Frühjahr stehen schon fest. „Gemeinsam mit anderen Initiativen werden wir am 13. März in Göttingen zu einer Atommüllkonferenz einladen.“
Dass bereits politischer Druck ausgeübt wird, um Tempo bei der Endlagersuche zu machen – das StandAG soll entsprechend novelliert werden – sieht die BI äußerst kritisch: „Wenn bei der weiteren Erkundung der potentiell geeigneten Regionen auf das Auffahren von Erkundungsbergwerken verzichtet wird, um Zeit zu gewinnen, riskiert man ein späteres Scheitern.“
Die BI erinnert an die 2 Mrd. Euro, die in Gorleben buchstäblich ins Salz gesetzt wurden, aber auch an die havarierten Endlager Morsleben und die Asse II, deren „Sanierung“ fast 10 Mrd. Euro verschlingen.
Ehmke: „Und natürlich konzentrieren wir uns vor Ort weiter auf die Probleme der verlängerten Zwischenlagerung. Bekanntlich laufen sukzessive alle Genehmigungen der 16 Zwischenlager in Deutschland aus und ein Weiter so mit Anlagen, die nicht gegen Drohnen und Flugzeugabsturz gesichert sind, darf es nicht geben.“
Text: BI
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