Demaskiert
von Carlo Eggeling am 26.10.2026Dieter Wycisk fühlt sich diskriminiert, er kämpft dagegen: Pappschild, Parole, Protest. So steht er auf dem Sand und hofft, dass er Zuhörer für sein Schicksal findet. Der "Niedersachsen-Staat" ist sein Gegner, von Polizei und Justiz fühlt er sich herabgewürdigt, seiner Rechte, ja, seiner Ehre beraubt. Das Ganze reicht in die Corona-Zeit zurück, eine schräge Zeit, eine schräge Geschichte.
Wycisks Erzählung scheint viele Facetten zu haben, was zu verstehen ist, geht so: Im Januar 2022 sei er in Bad Bevensen durch eine Demonstration von -- sagen wir -- Corona-Skeptikern zur Kirche gegangen: "Ich gehörte nicht zur Demonstration." Es habe Maskenpflicht gegolten. Er habe die falsche getragen und habe sie gewechselt. Das habe gedauert, er sei hochgradig sehbehindert. Ein Polizist habe ihn gestoppt und ihm einen Platzverweis erteilt. Verstoß gegen die Maskenpflicht.
Er sei zur Kirche gegangen, später zurück wieder durch die Versammlung. Der Polizist habe ihn erneut angehalten und seine Personalien aufgenommen. Er habe eine Ordnungswidrigkeitenanzeige erhalten. Das wollte der heute 86-Jährige nicht hinnehmen, er erstattete Anzeige gegen den Beamten. Es gab ein Verfahren vorm Amtsgericht in Uelzen: "Das ging für den Polizisten aus." Unverständlich für den Senior. Er spricht von 100 Briefen, die er in seiner Sache geschrieben habe, an Diskriminierungsbeauftragte und weil sich aus seiner Sicht nichts tat inzwischen ebenfalls an Ministerpräsident Olaf Lies: "Phase 1 ist beendet, jetzt geht es weiter." Oder nicht, denn er habe selten bis nie eine Antwort erhalten.
Allerdings passierte doch etwas, ergeben Nachfragen bei der Polizei. Die Widersprüche des Mannes, der irgendwie cool mit Käppi und Sonnenbrille auf dem Platz steht, seien von der Justiz geprüft und verworfen worden, gar vorm Oberlandesgericht in Celle. Bei der Demo damals soll sich Wycisk unkooperativ und aggressiv verhalten haben. Der Eindruck, er hatte doch etwas mit den Corona-ist-Unsinn-Demonstranten zu tun. Anders als der Rentner sagt.
Wycisk berichtet von mehreren Aktenordner voller Unterlagen. Er will weitermachen. Bei wem und wie? Er selber sagt ja, er erhalte keine Antworten. Ein Krieg ohne Gegner oder mit unzähligen -- wie man will. Dieter Wycisk hat zu tun, er will Zuhörer finden. Regenschirm, Käppi, Sonnenbrille und sein Pappschild. Straßenkampf.
Die Ironie: Würde er heute eine Maske aufsetzen, bekäme er im Zweifel erneut Ärger mit der Polizei -- es gilt ein Vermummungsverbot. Carlo Eggeling
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