Der Gegner heißt China — Deutschland muss auf starke Regionen setzen
von Carlo Eggeling am 07.08.2026Die Erzählung klingt wie eine Suchtgeschichte: Am Anfang ist es billig. Wenn das Publikum drauf ist, bestimmt der Dealer www.lueneburgaktuell.de/artikel/das-naechste-kapitel-im-bleckeder-betrugsfall/ den Preis. Der steigt und steigt, wie das so ist, wenn man den Stoff haben muss. In der Wirtschaft heißt das Prinzip Monopol. Für Jens Südekum heißt der Dealer China. Deutschland, Europa und die USA haben mit der Wirtschaftsmacht in Asien zu kämpfen. Sie sollten sich gut gegen den Gegner aufstellen, sagt der Wirtschschaftswissenschaftler, der als ehrenamtlicher "persönlicher Beauftragter für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung des Bundesfinanzministers" Lars Klingbeil berät. Am Donnerstag war der Ökonom im Saal des Hotel Bergström bei der SPD zu Gast. Die Verbindung liegt nahe. Südekum ist Sozialdemokrat. OB-Kansidatin Andrea Schröder-Ehlers und Landratskandidat André Schuler begrüßten ihn.
Der 50-Jährige umriss das langfristige Vorgehen Pekings. Die Schuhindustrie der Pfalz, die Fernseh- und Elektroanbieter wie Grundig und Co. hätten den Preiskampf vor Jahrzehnten verloren. Verbraucher kaufen Made in China. Ähnliches erlebe die Wirtschaft heute in der Autoindustrie und im Maschinenbau. China habe lange als Markt für deutsche und europäische Wagen gedient. Inzwischen produziert man im Reich der Mitte selbst -- der Hit: Elektro-Fahrzeuge. 90 Millionen Neuwagen würden weltweit jedes Jahr zugelassen. China könne 50 Millionen herstellen, nur die Hälfte gehe in den heimischen Markt -- der Rest drückt in die Welt.
Die Regierung in ihrer Mischung aus Kommunismus und Kapitalismus stütze und fahre einen aggressiven Kurs, es gebe kostenlose Kredite und Energie für Firmen. In dieser Form in Europa und Amerika nicht zu finden. Südekum nennt es den zweiten China-Schock, der erste haute Deutschland sozusagen aus den Schuhen und weg vom Bildschirm. Jeden Monat verliere Deutschland 15 000 Industriearbeitsplätze, 70 Prozent seien dem "China-Schock" zuzuordnen.
Was tun? Kaufprämien für E-Autos seien in Ordnung, aber nur für europäische Produkte: "Wir wollen doch nicht, dass das Geld nach China geht." Europäischen Stahl kaufen, auch wenn der teurer sei, aber grün hergestellt, war ein anderer Punkt. Kurz: China mit gleichen Waffen in Schach halten. Dazu Optimismus. Deutschlands Plus liege im Ideenreichtum: Im ersten Halbjahr habe es mehr als 3000 Start ups gegeben, reichlich mehr als ein Jahr zuvor. Nicht alle würden Erfolg haben, aber einige schon. Die müsse man halten und nicht abwandern lassen ins Ausland.
Südekum setzt auf Regionen als Motoren der Wirtschaft. Die müssten gezielt gefördert werden, da wo es erfolgreiche Betriebe gebe, die auf Neues setzten, müsse Förderung fließen. Das zahle sich letztlich politisch aus, die AfD sei in stabilen Regionen in der Regel weniger erfolgreich. Neben der Industrie müsse man aufs Handwerk setzen, das sei eben auch wertschöpfend.
Energiekosten seien ein zentrales Thema. Die zu senken, gehe unter anderem über Windkraft. Strom da produzieren, wo er gebraucht wird. Die Region an den Gewinnen beteiligen, um die Skepsis zu nehmen. Kein Geld in Auslaufmodelle, sondern in die Zukunft und ihre Technologien. Infrastruktur verbessern, war ein weiteres Stichwort.
Dazu zählt die Bahn. Das Publikum, gut 70 Gäste, hat hier natürlich eine neue Bahntrasse entlang der A7 im Sinn. Da liegt der Wahlkreis von Wirtschaftsminister Klingbeil, der an dieser Innovation keinen Geschmack findet. Seine Wähler eben auch nicht. Die heimische SPD setzt sich da vom Parteivorsitzenden ab. Die will neben der Verbesserung der bestehenden Strecke Hamburg-Hannover den Neubau.
Darüber können die lokalen Sozialdemokraten und ihre Gäste am Freitag, 11. September, 19.30 Uhr direkt mit dem Minister diskutieren. Er kommt als Spitzengast zwei Tage vor der Kommunalwahl an die Ilmenau. Der Ort steht noch nicht fest. Der Termin zeigt zweierlei, die Lüneburger sind in Berlin gut vernetzt und haben persönlich beste Kontakte. Überdies beweisen die Sozis Mut -- ob Klingbeil angesichts des Bildes der Bundesregierung ein Stimmungsaufheller ist, dürfte nicht unbedingt Konsens sein. Carlo Eggeling
Das Bild zeigt Prof. Dr. Jens Südekum eingerahmt von den Kandidaten Andrea Schröder-Ehlers und André Schuler.
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