Die nächste Insolvenz — was wird aus dem Lüneburger Haus?
von Carlo Eggeling am 02.10.2026Die nächste Insolvenz im Reich von Galeria-Karstadt, die vierte seit 2020. Wie es für das Lüneburger Haus weitergeht ist unklar. Der hiesige Geschäftsführer war trotz mehrerer Anrufe nicht zu erreichen. Er soll, so heißt es, angeblich auch überrascht auf den Schritt der Konzernzentrale in Düsseldorf reagiert haben. Er hat die Mitarbeiter über das informiert, was auch auch die Medien berichten.
Lüneburg gilt zwar als umsatzstarkes Haus im Kaufhausuniversum, doch auch der komplex an der Ilmenau hat mit Umsatzrückgängen zu kämpfen. Aus dem Lüneburger Handel ist zu hören, dass der im vergangenen Jahr bei deutlich mehr als zehn Prozent gelegen haben soll. Damit ist das Haus nicht alleine, eine allgemeine "Kaufzurückhaltung" gepaart mit dem Einkauf im Internet machen dem Handel zu schaffen.
Anders als in der Vergangenheit ist es kein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung, das ein Unternehmen neu ausrichtet, damit es am Markt besteht. Jetzt kann es darum gehen, dass ein Insolvenzverwalter die Reste des einzigen Wirtschaftsgiganten filetiert. Ergo guckt, was lohnt, was nicht, was behalte ich, was mache ich dicht?
In Lüneburg gehört der Komplex dem Immobilienunternehmer Jürgen Sallier und Partner, die waren dem Warenhaus in der Vergangenheit bei der Miete entgegengehommen. Man hatte sich gemeinsam mit Vertretern der Stadt das Karstadt-Vorzeigehaus in Kassel angesehen. Der Konzern konnte Flächen abgeben, in die ehemalige Parfümerie ist Søstrene Grene eingezogen, augenscheinlich ein Magnet. Zur aktuellen Entwicklung will Sallier nichts sagen: "Wir warten ab."
Galeria wollte weitere Flächen abgeben. Ins jetzige Reisebüro am Eingang soll der Tourismusbereich der Lüneburg Marketing einziehen. Verhandelt wird seit rund zwei Jahren, geworden ist es nichts. LMG-Geschäftsführerin Gitte Lansmann war heute nicht zu erreichen.
Die LMG verkündet gern, wie hoch der Lauf in der Innenstadt ist. Die Zählautomaten zeigten Bestwerte. So wie beim verkaufsoffenen Sonntag mit dem Spielfest. Allerdings bedeutet die Frequenz nicht, dass die Läden voll sind. Denn schon ein Blick in die Läden offenbarte Leere zwischen den Regalen. Mit den Problemen ist Lüneburg nicht alleine, in anderen Städten schaut's nicht besser aus.
Auch wenn der Leerstand etwas gesunken ist, es sei nicht einfach, Interessenten für Geschäftsräume zu finden, ist aus der Immobilienbranche zu hören. Die schrecke ab, was auch Einheimische stört: eine gefühlt hohe Kriminalität in Sachen Ladendiebstahl, eine auffällige Szene von Drogen. und Alkoholkranken, die eben in Läden klauen, um ihre Sucht zu finanzieren, dazu Versammlungsorte wie zwischen Bergström-Komplex und der Rosenstraße. Ob zu Recht oder zu Unrecht, Passanten trauen sich an der Kiosk-Meile kaum vorbei, trotz Kommunalem Ordnungsdienst, den die meisten allerdings am Abend kaum wahrnehmen.
Bleibt die Überlegung, was man aus dem Karstadt-Haus machen könnte, wenn tatsächlich die Lichter ausgehen. Wie wäre es mit einem neuen Rathaus. Mitten in der Stadt. Die weit verteilte Verwaltung konzentriert sich von Ordnungsamt bis Sozialamt, von Bürgerservice bis Dialograum. Wo es möglich ist, gemeinsam mit dem Landkreis und der Busgesellschaft Moin, Dazu Räume für die Uni und Schulen. Das brächte viele Mitarbeiter zusammen und wäre ein Magnet. Können der neue Stadtrat und der Kreistag mal überlegen: Stadt und Land Hand in Hand. Carlo Eggeling
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