Lüneburg, am Dienstag den 08.09.2026

Eine Motorradtour und tausende Fragen an den Laternenmasten

von Winfried Machel am 25.07.2026


Heute ging es mit dem Motorrad durch den Landkreis. Über kleine Straßen, durch Dörfer, vorbei an Feldern – und immer wieder derselbe Anblick: Wahlplakate. An nahezu jeder Ortseinfahrt, an Kreuzungen, an Laternenmasten. Mal die eine Partei, mal die andere. Manchmal gleich mehrere nebeneinander.

Irgendwann kam mir eine Frage in den Sinn: Wie viele Plakate hängen hier eigentlich?

Eine überschlägige Rechnung zeigt: Im Landkreis Lüneburg dürften es zur Kommunalwahl zwischen 15.000 und 26.000 Plakate sein. Für Druck, Material und Organisation werden dafür schätzungsweise 100.000 bis 250.000 Euro ausgegeben.

Aber bringt das heute überhaupt noch etwas?

Wer entscheidet seine Wahl wirklich aufgrund eines Plakats an einer Straßenlaterne? Die meisten informieren sich längst im Internet, über Nachrichtenportale, soziale Medien oder im direkten Gespräch. Das Wahlplakat ist für viele eher Hintergrund als Entscheidungshilfe.

Gleichzeitig reden wir überall über Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Müllvermeidung. Da stellt sich schon die Frage, ob es noch zeitgemäß ist, zehntausende Kunststoffplakate für wenige Wochen aufzuhängen, um sie anschließend wieder einzusammeln und zu entsorgen.

Vielleicht wäre es an der Zeit, neue Wege zu gehen: Weniger Material, mehr Dialog. Mehr öffentliche Diskussionen, digitale Informationen, QR-Codes zu Programmen oder Bürgersprechstunden vor Ort statt eines Wettstreits darum, wer die meisten Laternenmasten belegt.

Das ist keine Kritik an einer bestimmten Partei. Fast alle machen es so – weil es seit Jahrzehnten so gemacht wird. Vielleicht lohnt es sich aber gerade deshalb, einmal darüber nachzudenken, ob Tradition allein ein guter Grund ist.

Mich hat diese Motorradtour heute jedenfalls zum Nachdenken gebracht.

Wie sehen Sie das? Sind Wahlplakate noch ein wichtiger Bestandteil unserer Demokratie – oder wäre es Zeit für einen modernen und nachhaltigeren Wahlkampf

© Fotos: Ki generiert


Kommentare Kommentare

Kommentar von Joern Krumstroh
am 27.07.2026 um 07:14:33 Uhr
Guten Tag liebe Redaktion,
Demokratie muß sichtbar sein im öffentlichen Raum. Gerade wenn es imner anonymer wird in der Welt. Es vermittelt Menschen, Informationen und ja auch Parteien die sich für ihre Region einsetzen wollen.
Nicht jeder möchte oder will/kann sich im digitalen Raum damit beschäftigen.
Es ist ein Appetitanreger, sich mit der Demokratie zu beschäftigen.
Freundliche Grüße aus Barendorf
Joern Krumstroh


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