Lüneburg, am Sonntag den 07.06.2026

Embsens Bürgermeister kritisiert „Wahnsinn“ der Stadt Lüneburg

von Carlo Eggeling am 07.06.2026


Die Oberbürgermeisterin müsste sofort ein offenes Ohr für die Forderung haben, die Bauarbeiten umzulegen, schließlich hatte sich Claudia Kalisch in einem Protestschreiben an Ministerräsident und Verkehrsminister in Hannover gewandt, sie mögen die Bauarbeiten auf der A 39 Richtung Hamburg stoppen. Den gleichen Weg schlägt nun Embsens Bürgermeister Stefan Koch ein. In einem offenen Brief fordert er, die im Juli geplanten Bauarbeiten am Munstermannskamp zu verschieben. Es drohe für die Gemeinden im Süden und die Stadtteile Oedeme, Rettmer und Häcklingen ein Verkehrschaos. In seinem Schreiben an den städtischen Mobilitätsausschuss, Fraktionen, Handelsorganisation LCM und Verwaltung findet Koch drastische Worte: "Bitte stoppen Sie diesen vorprogrammierten Wahnsinn!"

Wie berichtet, laufen seit vergangenem Herbst Bauarbeiten für die marode OHE-Bahnbrücke an der Soltauer Straße, die werden noch weitere Monate dauern. Denn völlig unerwartet kam der Winter -- Verzögerungen wegen Schnee und Eis. Umleitungen laufen über den Munstermannskamp. Doch da steht die nächste Baustelle an: Von Juli an will die Stadt die Kreuzung zur Soltauer Straße um- und ausbauen. Komplettsperrung. Wenn man schon so dabei ist, kann man einen drauflegen: Die Avacon startet "mit umfangreichen Netzarbeiten in der Soltauer Straße und Soltauer Allee. Diese sind mit abschnittsweisen bzw. punktuellen Verkehrsbeeinträchtigungen verbunden und führen bis zum Umspannwerk Rettmer," heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Auch die Fahrbahn soll besser werden. Konsequenz: Von August bis Ende Oktober soll der Munstermannskamp Einbahnstraße stadteinwärts werden, stadtauswärts geht's nicht weiter.

Bereits Anfang Mai hatte Häcklingens Ortsvorsteher Wolfgang Güth bei einer Bürgerversammlung klar gesagt, was er von dem Vorhaben zu dieser Zeit hält: nichts. Die LZ zitierte ihn so: „So planlos kann man sich auf einer Bürgerversammlung doch nicht präsentieren“, monierte Güth. Die Antwort, die Anwohner würden sich schon ihre Wege suchen, empfinde er als Frechheit. „Da bin ich dann schon laut geworden.“

Stefan Koch schließt sich an, ebenso eindeutig im Ton.
Sein offener Brief:
"Auf den PKW angewiesene Beschäftigte, Kunden etc. aus dem südlichen Landkreis werden die Willy-Brandt-Strasse, die Ortsteile Häcklingen und Oedeme gnadenlos verstopfen; insbesondere auch das Schulzentrum Oedeme: Wie stellen Sie sich das vor? Wie ist die Umleitung der Umleitung, stadteinwärts und stadtauswärts geplant? Wie soll der Busverkehr (Linien 5009, 5600, etc.) verlaufen, können Sie mir das mitteilen? Wie kommen Schülerinnen und Schüler aus dem südlichen Landkreis an die weiterführenden Schulen im Stadtgebiet Lüneburg? Wo soll man mit dem Fahrrad langfahren? Wie kommt man ins Theater, ins Scala-Kino, zu Fachärzten, in die auf Kund/innen angewiesenen Geschäfte, etc.? Wie kommt man zur Arbeit?

Vor exakt 5 Jahren habe ich mich (zusammen mit Peter Rowohlt, Christoph Palesch, Detlev Schulz-Hendel, Felix Petersen) vehement dafür eingesetzt, dass unsere Gemeinde (und Samtgemeinde) weiterhin dem Wahlkreis Lüneburg zugeordnet wird und nicht Uelzen oder Soltau. Diese Überzeugung habe ich immer noch! Aber ab Juli kann ich meinen Bürgerinnen und Bürgern nur empfehlen, für Einkäufe das Outletcenter Soltau, Geschäfte in Uelzen und Soltau sowie für einen Café-Besuch die Lüneburger Heide anzusteuern. Und das tut wirklich weh! Brauchen Sie uns nicht? Das hätte man uns auch auf anderem Wege mitteilen können...“

Claudia Kalischs Protest in Hannover hatte keinen Erfolg. Gut, da war man letztlich nicht zuständig, denn die Autobahngesellschaft gehört dem Bund und damit wäre der Berliner Verkehrsminister Ansprechpartner gewesen. Aber da die Stadt Lüneburg zu den Bauherren gehört, könnte die Oberbürgermeisterin ihren Einfluss nutzen. Stefan Kochs Telefonnummer hat sie bestimmt.   Carlo Eggeling

© Fotos: Stadt Lüneburg


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