Es geht auch ohne was
von Carlo Eggeling am 21.06.2026Aufgespießt
Weltliteratur. Konsumfrei
Konsumfrei zählt zu den schönen Motti sowie auch Bürgerbeteiligung und Transparenz. consumere meint verbrauchen. Ich frage mich, wie Existenz möglich ist, ohne etwas zu verbrauchen. Vorbild Hungerkünstler, die auf Jahrmärkten vor eineinhalb Jahrhunderten ausgemergelt bestaunt wurden?
Ich war mit einem alten Kollegen in einem dieser hippen Cafés mit unglaublichen Preisen, Selbstbedienung und mäßig leckerem Kuchen. Da saß eine Studentin breitete sich mit Laptop, Klamotten und Krams über einen Sechser-Tisch aus. Empörte Blicke, als sich jemand ans andere Ende setzte. Nee, das Fenster müsse geschlossen bleiben. Luft störe sie.
Sie lebte konsumfrei, als wir kamen, hatte sie keine Tasse vor sich, als wir nach einer guten Stunde gingen, hatte sich daran nichts geändert. Konsumfrei eben. Na ja, bis auf die Pulle mit irgendwas, die sie aus dem Rucksack zog. Öfter. Den Laptop hatte sie an eine Steckdose angeschlossen.
Wie ein Wirt seine Leute, Strom und Miete bezahlen soll, ist selbstverständich eine kleinliche Überlegung.
Mein Freund ist ein sehr belesener Mann, der kennt sich bei Musik, Malerei, Theater und Schriftstellern aus. Er lächelte: "Es gibt Autoren, die Bücher in Cafés geschrieben haben." Mir fiel Ernest Hemingway ein, der in Pariser Cafés und Brasserien unterwegs war -- ein Fest fürs Leben. Der hat gesoffen und geschlemmt. konsumfrei klang das nie.
Mal sehen, ob uns die Studentin irgendwann ein großes Werk hinterlässt. Ein Buch übers Fasten vielleicht. Wer soll's kaufen und bezahlen in einer konsumfreien Welt? carlo
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