Feierstunde auf jüdischem Friedhof:
von Hajo Boldt am 29.05.2026Neue Stelen bewahren die Namen der Verstorbenen
Mit einer Feierstunde auf dem jüdischen Friedhof „Am Neuen Felde“ und einem anschließenden Festakt im Rathaus ist am Donnerstag die Neugestaltung des historischen Friedhofs gewürdigt worden. Im Mittelpunkt standen die Erinnerung an die jüdische Gemeinde Lüneburgs sowie die feierliche Enthüllung neuer Stelen zur Namensbewahrung.
Zahlreiche Gäste aus Politik, Kirchen, jüdischen Gemeinden und Nachfahren ehemaliger Lüneburger Familien nahmen an der Veranstaltung teil. Prof. Dr. Christoph Dohmen von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit bezeichnete den Friedhof als „Haus des Lebens“ und erinnerte an die wechselvolle Geschichte des Ortes. Während der NS-Zeit sei der Friedhof zerstört und die Grabsteine teilweise als Baumaterial missbraucht worden. Die nun abgeschlossene Neugestaltung solle die Würde des Ortes wieder sichtbar machen und die Namen der hier Bestatteten dauerhaft bewahren.
Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch dankte allen Beteiligten für ihr langjähriges Engagement. Die Wiederherstellung des Friedhofs sei ein wichtiges Zeichen der Erinnerungskultur und ein Ausdruck historischer Verantwortung der Hansestadt. Besonders würdigte sie die Geduld der Nachfahren jüdischer Familien, die teilweise aus dem Ausland nach Lüneburg gekommen waren.
Marina Jalowaja, Vizepräsidentin des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen, bezeichnete den Friedhof als „Beit Olam“ – ein Haus der Ewigkeit. Die Wiederherstellung der Anlage und der Trauerhalle sei weit mehr als eine bauliche Maßnahme. Sie stehe für die Rückgabe von Würde und Erinnerung an die Menschen, deren Spuren während der NS-Zeit ausgelöscht werden sollten.
Besonders bewegend waren die Begegnungen mit Nachfahren ehemaliger jüdischer Familien. Rabbiner Jona Simon sprach ein Gebet, musikalisch begleitet wurde die Feierstunde vom Ensemble „Hevenu Shalom“.
Im Fürstensaal des Rathauses wurde die Veranstaltung fortgesetzt. Dort sprach Historikerin Anneke de Rudder über die Geschichte der jüdischen Gemeinde und ihres Friedhofs von 1823 bis 1939. Kirchenmusikdirektor Ulf Wellner sorgte für die musikalische Umrahmung.
Die Neugestaltung des Friedhofs soll künftig nicht nur an die Geschichte der jüdischen Gemeinde erinnern, sondern auch als sichtbares Zeichen gegen das Vergessen und für ein respektvolles Miteinander dienen.
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