First Class bleibt First Class
von Winfried Machel am 23.06.2026Eine Kolumne von Winfried Machel
Deutschland spricht gern von Gleichheit. In der Praxis wirkt das Land jedoch immer häufiger wie eine Zwei-Klassen-Gesellschaft mit amtlichem Siegel.
Bei der Krankenversicherung sitzen Privatversicherte oft im Wartezimmer mit Fast-Pass. Der gesetzlich Versicherte darf währenddessen erleben, wie lang eine Woche werden kann.
Bei der Altersvorsorge sieht es ähnlich aus. Arbeitnehmer sollen länger arbeiten, mehr einzahlen und sich auf niedrigere Renten einstellen. Beamte bleiben dagegen weiterhin im eigenen Versorgungssystem.
Reformen sind offenbar etwas, das vor allem die anderen betrifft.
Natürlich sind Beamte wichtig. Ärzte auch. Selbstständige ebenso. Aber der Verkäufer, die Pflegekraft, der Handwerker und die Kassiererin sind es ebenfalls.
Trotzdem entsteht immer öfter der Eindruck: Wer nah genug am Staat oder im richtigen System ist, reist komfortabler durch das Leben. Für alle anderen heißt es: Bitte etwas enger zusammenrücken.
Die Politik wundert sich über Politikverdrossenheit. Dabei erlebt ein großer Teil der Bevölkerung jeden Tag, dass zwar von Solidarität gesprochen wird, aber nicht alle nach denselben Regeln spielen.
Vielleicht ist das eigentliche Problem gar nicht die Höhe der Rente oder die Wartezeit beim Facharzt.
Vielleicht ist es das Gefühl, dass manche in Deutschland First Class fliegen, während die Rechnung am Ende in der Economy verteilt wird.
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