Lüneburg, am Mittwoch den 21.10.2026

Ganz schön (umstritten) — Villa Heyn

von Carlo Eggeling am 21.10.2026


Ist das Kunst? Nee, das kann weg! Die Ansage des Arbeitskreises Lüneburger Altstadt ist eindeutig. Massen von Graffiti allüberall verschandeln das Stadtbild. Dagegen sollten Stadt und Bürger vorgehen. Am besten wäre es, jedes Krikelkrakel verschwinde binnen 24 bis 48 Stunden wieder, das würde die Lust auf neue Klecksereien mutmaßlich sehr bremsen. Ein Thema im Heft des Vereins "Aufrisse". ALA-Vorstandsmitglied Reiner Netwall hat Dutzende "Malereien" fotografiert. Jede Menge davon hat beim besten Willen nichts mit Kunst zu tun, dazu kommen politische Parolen.

Wer zum Stift und zur Sprühdose greift, zeigt oftmals keinen Respekt vor Baudenkmalen. Mühevoll restaurierte Backsteinfassaden sind ebenso betroffen wie die hölzernen Wände des Alten Kran. Die Farbe dort wieder zu entfernen, kostet Tausende. Den Kran hat der ALA vor Jahrzehnten mit viel Arbeit und Geld hergerichtet, er drohte umzufallen.

Netwall empfiehlt präventiv Videoüberwachung an bestimmten Plätzen, Bewegungsmelder, die Wände taghell beleuchten und Beschichtungen, die Farbe abweisen. Überdies sollte es einen Fonds geben, in den Wirtschaft, Stadt, Hausbesitzer und Lüneburg-Freunde einzahlen, um sauberzumachen. Vorbild könnte Koblenz sein, das jährlich rund 60 000 Euro investiert und damit Erfolge belegen könne.

Natürlich geht es auch um historische Themen wie den alten Eiskeller am Jägerteich, der einst von Brauern genutzt wurde. Im Winter geschlagenes Eis lagerte dort bis in den Sommer kühl. ALA-Urgestein Christian Burgdorff verabschiedet Stadtbaurätin Heike Gundermann warm. Nach einem Vierteljahrhundert ging sie im Sommer in den Ruhestand. Viele ihrer Vorstellung lagen auf einer Linie mit dem ALA, die Altstadt und ihr Charakter lägen ihr am Herzen.

Harsch geht Dr. Werner Preuss mit der umgestalteten Villa Heyn ins Gericht. Die Restaurierung sei unsensibel erfolgt. Ein Boden-Mosaik am Eingang habe nicht den Raum erhalten, der ihm zustehen müsste, und sei gedreht worden, ein Windfang sei verschwunden, gleiches gelte für Gitterornamente an Kellerfenstern.

Bei aller nachvollziehbaren Kritik kann man nach einem Besuch des Gebäudes zu einem milderen Blick gelangen. Denn die Eigentümer haben Millionen in die Handgenommen, um das Gebäude zu erhalten und ihm eine Zukunft zu geben -- Räume müssen für eine Nutzung gestaltet werden. Oben Büros, unten sollen in Zusammenarbeit mit dem Wyndberg Seminare und Feiern möglich sein, auch kleine Konzerte und Lesungen. Dazu kommen zwei Ferienwohnungen. Alle Mieteinnahmen dürften die Investitionen in absehbarer Zeit kaum wieder einspielen. Der Aspekt Wirtschaftlichkeit spielt in Preus Bilanz keine Rolle.

Man könnte sich überdies fragen, warum der ALA nicht erwähnt, dass die Stadt das Haus bis zum Verkauf seit 1949 als Kinderheim nutzte, Denkmalschutz und Restaurierung spielten über Jahrzehnte keine Rolle. Das Haus war ziemlich heruntergekommen, das war von außen zu sehen. Von innen auch, ich war ein paarmal dort, um zu berichten. Warum hat Lüneburg nicht investiert, um den Schatz zu erhalten? Aber das ist eine Frage des Standpunkts. Carlo Eggeling

Das Heft ist zu beziehen über ala.ev@t-online.de und unter 04131 267727.

© Fotos: ca


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