Lüneburg, am Freitag den 25.09.2026

Gehören Scharnebecker Schüsse zu einer Killer-Geschichte in Hamburg?

von Carlo Eggeling am 25.09.2026


Als in der Nacht zum 29. August mehrere Schüsse fallen und Auto und Haus eines 23-Jährigen in Scharnebeck treffen, ist der Polizei offenbar schnell klar, dass es nicht nur um einen lokalen Konflikt geht. Die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Clan-Kriminalität in Stade übernimmt den Fall. Doch sie ist nur ein Akteur in diesem Kriminalfall, in dem es offenbar um tödliche Auseinandersetzungen geht: An der Hamburger Lagerstraße sterben Anfang September zwei Männer aus dem Milieu, ein weiterer wird angeschossen. In Geesthacht fallen bereits Mitte Juli Schüsse, sie galten einem mutmaßlichen Boss der Hells Angels. Als die Polizei einen Tag später das Haus des Höllenengels durchsucht, findet sie unter anderem eine Kalschnikow. Dann knallt es in Scharnebeck. Wahrscheinlich eine Warnung -- der 23-Jährige kommt unverletzt davon.

Bild, NDR und Spiegel berichten über eine blutige Auseinandersetzung, in der es um Drogen, Immobilen und auch um "Ehre" gehen soll. Auf Nachfragen von LA geben Behörden kaum Antworten. Sowohl die Polizei in Hamburg und Lüneburg verweisen an die jeweiligen Staatsanwaltschaften, die wiederum sprechen von einem komplexen Verfahren, das sie nicht kommentieren und gefährden wollen, das gelte auch für die Berichterstattung. In Hamburg sagt StA-Sprecherin Mia Sperling-Karstens: "Wir ermitteln mit Hochdruck."

So bleibt ein Bild, dass Medien zeichnen. Demnach tobt ein Bandenkrieg zwischen Mafia, Rockern und der arabisch-stämmigen Großfamilie El-Zein. Es gehe um Kokain, Immobilien, Geldwäsche -- irgendwo kam kam man sich ins Gehege. In Geesthacht, so schreibt es die Bild, sollte ein führender Hells Angel getötet werden. Das misslang.

Die Auftraggeber orderten zudem einen Jungen als Killer: Ein 13-Jähriger aus den Niederlanden sollte den Rockerboss niederschießen. Die Hamburger Staatsanwaltschaft bestätigte gerade Medienberichte, nach den der Junge im Juni auf St. Pauli festgenommen wurde: "Auf Basis bisheriger Ermittlungen gehen wir davon aus, dass das Kind zuvor den Auftrag erhalten hatte, eine Person in Hamburg zu töten." Der junge Holländer wurde in seine Heimat zurückgebracht, in Deutschland ist er noch nicht strafmündig.

Die Polizei, so berichten es die Kollegen, aber so ist es auch hier zu hören, hat eine Sonderkommission unter dem Namen Kosmos gegründet, die aus Beamten aus Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen besteht. Mit ermitteln sollen Spezialisten der Zentralen Kriminalinspektion aus Lüneburg. Dort gilt der Fall als "geheim", eben weil er so brisant ist.

Die Schüsse in Scharnebeck galten einem Mann, dessen Familie mit den El-Zeins befreundet sein soll. Beide Familien sind seit Jahren im Blick der hiesigen Polizei. Sie spielten in den vergangen Jahren bei spektakulären Kriminalfällen eine Rolle.

Wenn man sich hier in der arabischen Gemeinschaft umhört, stößt man auf wenig Offenheit: "Es ist gefährlich, ich will da in nichts hineingeraten." Was zu erfahren ist: Es gehe nicht nur um aktuelle Auseinandersetzungen, sondern um Konflikte die schon länger zurückliegen und nun eskalieren. Bekannt ist, was eben auch die Vorfälle zeigen, unterschiedliche kriminelle Familien agieren in Hamburg, das Umland ist eine Art Rückzugsort, an dem man ebenfalls Geschäfte macht. Auch legale.

Der 23-Jährige aus Scharnebeck soll laut Bild ins Visier geraten sein, weil er den Rockerboss auf einem TikTok-Kanal beleidigt habe. Er habe sich nach den tödlichen Schüssen in Hamburg entschuldigt, schreibt die Bild: "Im Video entschuldigt er sich bei 'Hells Angels'-Boss für die 'ehrenlose Aktion', die er im Auftrag der Araber durchgeführt habe. Er sei es gewesen, der bei ihm eine Regenbogenflagge gehisst und ein Video voller Beleidigungen veröffentlicht habe." Bei allen Geschäften scheint es auch eine Frage der Ehre zu sein. Carlo Eggeling

© Fotos: Symbolbild ca


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