Lüneburg, am Freitag den 07.08.2026

Gute Stimmung für eine gute Sache — Festival in Ventschau

von Carlo Eggeling am 07.08.2026


Steffen Thiele hat ein Lieblingswort: positiv. In der halben Stunde, die wir in seinem Plattenladen an der Bardowicker Straße schnacken, fällt es mehr als ein Dutzend Mal. "Wir sind alle so voll von schlechten Nachrichten, ich möchte, dass die Leute positiv gehen." Eigentlich trägt dieses Motto seit Anfang an das Festival E-Ventschau. Zum 11. Mal lädt Thiele am Wochenende auf den Resthof seiner Familie in der äußersten Ecke des Landkreises ein, um zwei Tage lang zu feiern und über die Gefahren der Atomkraft zu informieren. Sieben Bands, dazu Filme, Kindertheater und Vorträge. Heute, Freitag, geht es um 19 Uhr los, in der Nacht zu Sonntag klingt das Fest aus.

Schlechte Nachrichten. Staatschefs wie Trump und Putin, die Kriege führen, Klima- und Wetterextreme, Anschläge, wer weiß, wie KI die Welt noch durchschüttelt. Und dann die Folgen der Atomkraft. Das Fest in Ventschau wurzelt auch darin. 2011 die Katastrophe von Fukushima, zwei Jahre später gab es das erste Festival. Jetzt jährt sich das Reaktorunglück von Tschernobyl im Jahr 1986 zum 40. Mal. An den Folgen leiden Menschen noch heute. Steffen sagt: "Gen-Defekte vererben sich. Doch die Kinder geraten nach der langen Zeit aus dem Blick."

Aber eben nicht aus seinem und dem des Dutzend Mitstreiters, die seit Monaten daran arbeiten, das Fest auf die Beine zu stellen: "Ein Vierteljahr fast ein Fulltimejob." Fachvorträge beleuchten Folgen und Risiken der Kernenergie, die ungelöste Endlagerfrage -- Gorleben und das Wendland sind nicht weit weg. All das ist so eine Art Verpflichtung und Botschaft: Der Erlös des Festes soll der "Kinderhilfe Kovel" zugute kommen: "Die Leute bringen medizinisches Gerät in verstrahlte Gebiete, und sie laden Kinder ein, die dann rauskommen aus der Gegend. Ihr Immunsystem kann sozusagen durchatmen." Ein Monat Ferien ohne Strahlung verändere die Gesundheit der Mädchen und Jungen. Positiv.

Positiv, da muss Spaß dabei sein. Die Bands, die in das abgelegene Dorf reisen, sind international und lokal. Kolumbien, Dänemark, England, Lüneburg. Es seien richtig gute Gruppen, auch wenn die Namen eher Insidern etwas sagen, erzählt Steffen. LeBron Johnson zum Beispiel, die habe er zum zweiten Mal eingeladen, weil sie mit ihrer Mischung aus Funk, Rock und Soul aus der Wiese einen Tanzsaal machen. Da will er dann auch selber im Publikum stehen, weil nur Arbeit zu haben ist irgendwie nicht gut.

Zu tun ist reichlich. Catering und Aufbau übernimmt die Schar der Ehrenamtlichen, die in der heißen Phase auf 50 Köpfe anwächst. Über die Jahre haben sie ein paar Sachen anschaffen können, die manches erleichtern. Eine gebrauchte gewerbliche Spülmaschine fürs Geschirr zum Beispiel, eine Backline für die Musiker, Kabel für Starkstrom. Aber natürlich unterstützen professionelle Techniker die Auftritte. Die müssen bezahlt werden.

Weil es ein Wohltätigkeitskonzert ist, kommen die meisten Thiele und seinem Verein entgegen. Trotzdem summieren sich Rechnungen. Der Eintritt spielt einiges ein, die Sparkassen-Stiftung und andere unterstützen. Das tue ebenso gut wie die Auszeichnung des Festes durch den Landkreis: "Angeregt durch die Samtgemeinde Dahlenburg. Das zeigt, dass wir inzwischen gut verankert sind." Noch etwas zeigt die Verbundenheit: Feuerwehren aus den Dörfern helfen als Einweiser auf dem Parkplatz. Immerhin kommen über die Tage 1000 bis 1500 Besucher.

Die Ventschauer haben freien Eintritt, sie nehmen den Trubel in der Abgeschiedenheit hin -- und kommen vorbei. Die anderen zahlen fürs Kombi-Ticket 40 Euro, gern mit einer Spende obendrauf. Einzelne Tage sind günstiger.

Steffen, der in Lüneburg einen Laden für gebrauchte Platten und CDs betreibt, lässt eine Tradition weiterleben, denn die Zeit der Plattenläden ist vorbei. Wer erinnert sich noch an Redlich und Löffler, Bohnhorst, Membran und die ehemals gewaltige Musikabteilung bei Karstadt? Musik begleitet Steffen sein Leben lang. Klar hat er das Booking übernommen und freut sich auf das Programm.

Heute, Freitag, geht es los und ab in Ventschau. Der Überblick The Klaxon (19 Uhr) aus Kolumbien (Ska, Reggae, Latin), LeBron Johnson (20.30 Uhr) aus Italien (Neo-Soul, Rock, Funk) und ab 22.30 Uhr Rovar aus Münster (Rock).
Am Sonnabend machen die Lüneburger Nanny Goats um 17 Uhr den Auftakt. mit Folk-Pop-Klassikern. Um 19 Uhr folgt die britische Jed Thomas Band, es folgt um 20.30 Uhr Thorbjørn Risager und Band und um 22.30 Uhr mit Killabeatmaker. Zum Schluss geht es in die Tenne, DJ Stefan Baumgart legt auf.
Jörg Schwedler von der Lesebühne Kunst und Frevel liest Poetry Slam lesen. Das Allerhand-Theater zeigt „Eddie büxt aus“. Carlo Eggeling

Mehr unter:
www.e-ventschau.de

© Fotos: ca / Thiele


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