Heiter und kirchlich
von Carlo Eggeling am 21.08.2026Wein und Limo, dazu Laugengebäck -- im Schatten von St. Johannis feierte der evangelisch-lutherische Kirchenkreis am Freitagabend sein Sommerfest. Gespräche über Gott und die Welt, heiter bis politisch. Zu vor hatten die Superintendenten Christian Stasch und Christian Cordes sowie der stellvertretende Vorsitzende der Kirchenkreissynode, Gunnar Jahn-Bettes, die Gäste in der Kirche begrüßt. Während es im gastfreundlichen Garten der benachbarten Johannes-Rabeler-Schule um "Futter" für den Leib ging, waren zuvor in der fünfschiffigen Kirche mit den in den Abendsonne prächtig leuchtenden Fenstern Seele und Geist dran.
Stasch läutete wie die Glocken im Turm zärtlich bis laut über zum Thema des Vortrags. Kirchen seien ein Schatz, aber inzwischen für Gemeinden oftmals ein Klotz am Bein. Im Kirchenkreis gebe es 45 Kirchen und Kapellen, nicht alle werde man halten können. Was tun? "Leben statt Leere -- eine Zukunft für die Nutzung unserer Kirchen" lautete das Thema Reiner Nagels, Architekt und Stadtplaner, ist Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, er hat die Hamburger Hafencity mit entwickelt.
45 000 evangelische und katholische Kirchen gebe es in Deutschland, wahrscheinlich werde ein Viertel davon schließen. Bevor eine Gemeinde diesen Weg geht, sollte sie sich überlegen, welche Möglichkeiten sie habe. Denn die Gotteshäuser seien öffentlicher Raum und gesellschaftlicher Besitz. Eine gemeinwohlorientierte Zukunft wäre das Ziel -- sofern es geht. Das bedeute auch, den Raum drumherum einzubeziehen.
So sei einiges denkbar, eine "hybride Form", also ein Teil der Kirche werde weiter für die Gemeinde genutzt, andere Teile anders. Nagel zeigte Beispiele land auf land ab: Bibliotheken, Kunsträume, Kitas, Wohnen, Co-Working-Plätze und so gar Kletterhallen, was er wenig charmant fand. Am Ende könne aber auch der Abriss stehen.
Der Architekt betonte mehrmals die hohe emotionale Bedeutung der Kirchen selbst für nicht gläubige Menschen. Orte der Ruhe, Spiritualität und im Sommer der Kühle und des Verweilens. Der Kölner Dom und die Elphi gelten einer Befragung zu folge den Deutschen als schönste Bauwerke im Land.
Viele Ideen und Anregungen. Die evangelischen Christen werden sie brauchen können, denn nicht alle Gotteshäuder im Lüneburger Land können bleiben, wie sie sind. Ein Beispiel ist Paul-Gerhardt in Neu Hagen. Umbau, Gemeindezentrum, Wohnungen, Stadtteilzentrum. Dort können die Bauarbeiten nun starten, nachdem alle Förderbescheide vorliegen.
Ernste Gedanken, mit einem Augenzwinkern begleitet. Heiter untermalten der Posaunenchor des Kirchenkreises unter der Leitung von Regina Ewe, Ulrike Schmeling an der Orgel und Yoko Salewski am E-Piano den Abend. Entspannter Start ins Wochenende. Carlo Eggeling
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