Lüneburg, am Samstag den 03.10.2026

Helge Schneider: Die Häuser stehen hier richtig

von Hajo Boldt am 03.10.2026


Helge Schneider: Die Häuser stehen hier richtig
Von Lüneburg nach Brasilien, weiter nach China und zu einer Oma, die der Teufel holt: Für solche Reisen brauchte Helge Schneider weder Flugticket noch Reisepass. Seine Instrumente, ein Mikrofon und seine Band genügten. Mit „Ellebogen vom Tich!“ führte er das Publikum in der LKH Arena durch seine ganz eigene Welt.
Schon seine Garderobe hatte Unterhaltungswert: kräftig blauer Anzug, locker geschnittene Hose und glänzende schwarze Schuhe mit beachtlichen Absätzen. Zum weißen Hemd mit offenem Kragen trug er eine ausgesprochen breite, rot-weiß gemusterte Krawatte mit dunklen Querstreifen. Aus der Brusttasche quoll ein buntes Einstecktuch, darüber die silbergraue Haarmähne. Ein Hauch Gala, ein bisschen Tanzpalast und reichlich Helge.
An Lüneburg hatte er wenig auszusetzen. „Und dabei sind mir die Häuser aufgefallen, die genau da stehen, wo sie hin sollen“, stellte er fest. Ein bemerkenswertes Lob für die Stadtplanung. „Eine wunderschöne kleine Stadt, fernab vom Trubel der Côte d’Azur.“ Dann die Ergänzung: „Trotzdem ist es sehr schön hier und ich habe auch Touristen gesehen.“
Damit war die geografische Ordnung und lachender Beifall hergestellt. Musikalisch blieb alles beweglich. Schneider war Mittelpunkt, Solist und Ideengeber seiner Band. Am Klavier verband er flinke Läufe, jazzige Akkorde und rhythmische Pointen mit scheinbarer Beiläufigkeit. Er kostete Melodien aus, unterbrach sie und nahm sie von einer anderen Seite wieder auf. Seine Begleiter mussten mit jeder Abzweigung rechnen.
Klavier, Trompete, Saxophon, Xylophon und Schlagzeug gehören zu seinem musikalischen Werkzeugkasten. Schneider beherrscht sie mit einem feinen Gespür für Klang, Rhythmus und den richtigen Moment. Der Mann kann einen Witz setzen – und einen Ton.
Sandro Giampietro an der Gitarre und Leo Richartz am Kontrabass gaben seinen Ausflügen Halt und Raum. Dazu der Schlagzeuger, dessen Part Schneider zwischendurch auf seine Weise übernahm. Im Zusammenspiel zeigte sich, wie sehr sein Humor von der Musik lebt: vom Zuhören, spontanen Antworten und der Freiheit, einer Idee einfach zu folgen. Zwischen Brasilien, China, der Oma und dem nächsten Solo lagen manchmal nur wenige Gedanken.
Für den Tee sorgte Bodo Oesterling. Schneiders bewährter „Teekoch“ erschien in einer roten Jacke mit goldfarbenen Verschnürungen und Schulterbesatz, gelbem Hemd und schwarzer Hose. Ein Aufzug zwischen Husar, Zeremonienmeister und Zirkus. Wenn Helge schon mehrere Instrumente bediente, durfte wenigstens die Teezubereitung jemand anderes übernehmen.
Auch die weitere Reiseplanung geriet zur eigenen Nummer: „Und morgen sind wir im Stadeon. Nächste Woche sind wir draußen. Also kein Auftakt nach New York“, sagte Schneider zum Tourneestart.
New York musste also warten. Lüneburg hatte ohnehin den entscheidenden Vorteil: Hier standen die Häuser schon richtig. Natürlich fehlte auch am Ende nicht Helges berühmtes Katzenklo, das wirklich, mehrfach vorgetragen, alle froh machte.
Die Arena-Zuschauer belohnten es mit einem kräftigen Beifall und er selbst mit einer Zugabe.
Text/Fotos: Hajo Boldt

© Fotos: Hajo Boldt


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