Lüneburg, am Sonntag den 17.05.2026

Hindernisse. Alltäglich

von Behindertenbeirat am 05.05.2026


– Mit einer öffentlichkeitswirksamen Aktion in der Lüneburger
Innenstadt macht der Beirat für Menschen mit Behinderungen auf bestehende
Barrieren im privaten Wirtschaftssektor aufmerksam. Durch Sprühkreide-Graffitis auf
dem Boden werden Hindernisse beim Betreten u.a. von Geschäften und Arztpraxen
sichtbar gemacht, die Menschen mit Behinderungen täglich an selbstbestimmter
Teilhabe hindern.
Die Aktion steht im Zusammenhang mit dem aktuellen Entwurf zur Reform des
Behindertengleichstellungsgesetzes. Dieser sieht unter anderem vor, dass
Maßnahmen zum Abbau von Barrieren in der Privatwirtschaft pauschal als
„unzumutbar“ unterlassen werden können. Stattdessen sollen, wenn möglich, mobile
Individuallösungen gefunden werden. Aus Sicht des Beirats sendet dies ein
problematisches Signal.
„Barrierefreiheit darf kein freiwilliges Angebot sein, sondern ist Voraussetzung für
echte Inklusion und gleichberechtigte Teilhabe“, erklärt der Beirat. „Wenn
wirtschaftliche Interessen über die Rechte von Menschen gestellt werden, wird
Inklusion ausgebremst.“
Mit den gut sichtbaren Markierungen im Stadtbild wird konkret aufgezeigt, wo
Zugänge fehlen oder Stufen den Weg versperren. Ziel ist es, die Perspektive von
Menschen mit Behinderungen in den öffentlichen Diskurs zu bringen und ein
Bewusstsein für bestehende Missstände zu schaffen.
Die Aktion findet im Rahmen des europäischen Protesttages zur Gleichstellung von
Menschen mit Behinderungen statt. Dieser steht bundesweit für das Engagement für
Inklusion, Teilhabe und die Umsetzung von Barrierefreiheit als Menschenrecht.
Der Beirat fordert eine klare gesetzliche Regelung, die Barrierefreiheit auch im
privaten Sektor verbindlich stärkt. „Teilhabe ist kein Luxus, sondern ein
grundlegendes Recht. Eine inklusive Gesellschaft misst sich daran, wie sie mit den
Bedürfnissen aller Menschen umgeht.“

© Fotos: Behindertenbeirat


Kommentare Kommentare

Kommentar von Frank Müller
am 05.05.2026 um 21:09:37 Uhr
Das Anliegen ist mehr als berechtigt. Allerdings stößt das in einer Stadt, die einen hervorragenden Stadtkern aus dem Mittelalter hat, auf etliche Probleme in der Umsetzung, die auch ein "gutes" BGG nicht einfach beseitigen kann. Vieles würde (wenn der Denkmalschutz mitspielt) sehr viel Geld kosten. Sehen die Verbände eigentlich den Geld fressenden Elefanten im Raum: die nahezu grenzenlose Aufrüstung in Deutschland und der EU?


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