Lüneburg, am Donnerstag den 20.08.2026

# Hunde aus dem Ausland: Gut gemeint – aber immer gut gemacht?

von Winfried Machel LA am 20.08.2026


**LÜNEBURG.** „Unser Hund kommt aus Rumänien.“ Oder aus Griechenland, Bulgarien oder Spanien.

Wer als Hundehalter regelmäßig unterwegs ist, hört solche Sätze immer wieder. Häufig verbunden mit dem durchaus berechtigten Stolz, einem Tier aus schwierigen Verhältnissen ein neues Zuhause gegeben zu haben.

Doch irgendwann stellt sich eine Frage: **Warum suchen wir einen Hund Tausende Kilometer entfernt, während gleichzeitig Tiere in unseren heimischen Tierheimen auf ein neues Zuhause warten?**

LÜNEBURG AKTUELL wollte es genauer wissen und hat das Thema von verschiedenen Seiten beleuchtet.
Während das Tierheim Lüneburg bereitwillig Stellung bezog, verliefen unsere Anfragen bei Organisationen, die Hunde aus dem Ausland nach Deutschland vermitteln, bislang ins Leere.
Keine Antworten auf unsere Fragen, keine inhaltliche Stellungnahme.

## Tierheimleiter warnt vor „naivem Tierschutz“

Sven Koschel, Leiter des Tierheims Lüneburg, sieht Teile des Auslandstierschutzes durchaus kritisch. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, jede Organisation und jede Vermittlung eines Hundes aus dem Ausland unter Generalverdacht zu stellen. Koschel weist jedoch darauf hin, dass es neben seriösen Tierschützern auch unseriöse Händler und problematische Strukturen gebe. Nach seiner Einschätzung spielten dabei teilweise finanzielle Interessen eine Rolle. Er berichtet von Prämien beziehungsweise einer Art „Kopfgeld“ für Hunde und warnt in diesem Zusammenhang vor einem teilweise „naiven Tierschutz“.
Sein Einwand betrifft aber nicht nur die Vermittler. Auch die Frage, ob tatsächlich jeder vermeintlich gerettete Hund mit seinem neuen Leben glücklich wird, müsse gestellt werden.

## Nicht jeder Hund ist für unser Leben gemacht

Ein Hund, der beispielsweise in Rumänien oder Griechenland unter völlig anderen Bedingungen gelebt hat, trifft in Deutschland mitunter auf eine vollkommen fremde Welt. Wir leben eng zusammen. Wohnungen, Treppenhäuser, Straßenverkehr, Fußgängerzonen, Restaurants, ständig wechselnde Menschen und Begegnungen mit anderen Hunden gehören zum Alltag. Tiere, die zuvor anders oder eher zweckmäßig gehalten wurden und solche Situationen nicht kennen, können damit Schwierigkeiten haben. Das bedeutet nicht, dass sich ein Hund aus dem Ausland nicht hervorragend entwickeln und zu einem wunderbaren Familienhund werden kann. Aber die Vorstellung, dass allein die Fahrt nach Deutschland automatisch die Rettung bedeutet, greift nach Einschätzung des Lüneburger Tierheimleiters zu kurz.

## Und was ist mit den Tieren vor unserer Haustür?

Gleichzeitig leistet das Tierheim Lüneburg täglich Tierschutzarbeit unmittelbar vor Ort. Nach Angaben von Koschel werden dort zeitweise bis zu 100 Tiere am Tag betreut. Und ein Blick auf die aktuelle Vermittlungsseite zeigt, dass auch zahlreiche Hunde in Lüneburg auf Menschen warten. Darunter befinden sich Tiere, für die ausdrücklich erfahrene Halter, ein ruhiges Umfeld oder Menschen mit besonderem Verantwortungsbewusstsein gesucht werden. Natürlich ist auch ein Hund aus einem deutschen Tierheim nicht automatisch unkompliziert. Manche Tiere haben eine schwierige Vorgeschichte, benötigen erfahrene Halter oder besondere Lebensbedingungen. Aber sie sind bereits hier. Vielleicht lohnt deshalb vor der Suche nach einem Hund aus Tausenden Kilometern Entfernung zunächst ein Blick ins Tierheim vor der eigenen Haustür.

## Wir wollten auch die andere Seite hören Gerade weil wir die Kritik des Lüneburger Tierheimleiters nicht einfach unkommentiert stehen lassen wollten, haben wir Kontakt zu Organisationen gesucht, die Hunde aus dem Ausland nach Deutschland vermitteln. Wir wollten unter anderem wissen, warum Hunde nach Deutschland gebracht werden, obwohl die Tierheime hier ebenfalls Tiere vermitteln. Uns interessierte, wie geprüft wird, ob ein Hund für das Leben in Deutschland geeignet ist, wie zukünftige Halter kontrolliert werden und wie sich seriöse Organisationen von kommerziellen Händlern und zweifelhaften Strukturen abgrenzen. Auch die Frage nach den Kosten einer Vermittlung und nach möglichen finanziellen Interessen haben wir gestellt.
**Eine inhaltliche Antwort auf diese Fragen haben wir bislang nicht erhalten.**
Das ist bedauerlich. Denn gerade die seriösen Organisationen des Auslandstierschutzes müssten eigentlich ein Interesse daran haben, ihre Arbeitsweise transparent zu machen und sich von Geschäftemachern abzugrenzen.

## Tierschutz kennt keine Grenzen – Verantwortung aber auch nicht

Es wäre falsch, daraus den Schluss zu ziehen, dass Auslandstierschutz grundsätzlich schlecht und die Vermittlung aus einem deutschen Tierheim grundsätzlich gut ist. Ein Hund aus Griechenland oder Rumänien kann dringend Hilfe benötigen. Und wer ihm verantwortungsvoll ein geeignetes Zuhause gibt, leistet Tierschutz. Aber „gerettet“ sollte kein Gütesiegel sein, das weitere Fragen überflüssig macht. Woher kommt der Hund? Wer verdient an seiner Vermittlung? Wie wurde sein Verhalten beurteilt? Passt er tatsächlich in eine deutsche Stadt, eine Wohnung oder eine Familie? Und warum fiel die Entscheidung für dieses Tier, während wenige Kilometer entfernt ebenfalls Hunde auf ein Zuhause warten?
Vielleicht beginnt verantwortungsvoller Tierschutz deshalb nicht mit der Frage, **aus welchem Land wir einen Hund retten können**. Sondern mit der Frage, **welcher Hund wirklich zu uns passt – und wer unsere Hilfe am dringendsten braucht.** **

Quelle: Gespräch von LÜNEBURG AKTUELL mit Sven Koschel, Leiter des Tierheims Lüneburg, sowie eigene Presseanfragen.

** Welche Hunde derzeit im Tierheim Lüneburg ein neues Zuhause suchen, ist hier zu sehen: https://www.tierschutzverein-lueneburg.de/tiervermittlung/neuzugaenge/

https://www.tierschutzverein-lueneburg.de/tiervermittlung/neuzugaenge/

© Fotos: Tierheim Lüneburg


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