Lüneburg, am Montag den 15.06.2026

Klassik und Inklusion

von Lebenshilfe am 15.06.2026


Als die Instrumente mit ihren ersten Tönen einsetzen, wird es still im Haus. „Diese besondere Stille, die eintritt, wenn die Instrumente anfangen zu spielen. Das ist das Besondere an live-gespielter klassicher Musik. Und das ist genauso, ob man in der Elbphilharmonie spielt oder in einem Wohnhaus der Lebenshilfe“, freut sich Isaac Shaw, Projektmanager vom ensemble reflek- tor. Gemeinsam mit der Lebenshilfe Lüneburg-Harburg hatte ensemble reflektor für vergangenen Sonntag gleich zwei Konzerte rund um die Themen Musik und Inklusion organisiert. Vormittags noch spielte das ensemble reflektor in größerer Besetzung in St. Michaelis im Kan- tatengottesdienst mit dem Kammerchor St. Michaelis unter der Leitung von Henning Voss. Mittags kamen sie dann mit einem Streichquartett direkt ins Wohnhaus Von-Dassel-Str., einem Wohnhaus für Menschen mit Behinderungen der Lebenshilfe. Knapp 50 Menschen mit Behinderungen, sowie Angehörige und Mitarbeitende kamen zusammen und konnten Musik von Beethoven, Emilie Mayer und anderen Komponisten genießen. Wo sonst tagsüber wuseliges Treiben im Wohnhaus herrscht, war auf einmal klassische Musik zu hören und ein andächtiges Zuhören zu spüren. Zwei Bewohner*innen dirigierten von ihren Plätzen aus im Takt mit. Nachmittags ging es im Brömsehaus, im Rahmen der Reihe UltraSalon von ensemble reflektor, mit einem öffentlichen Gesprächskonzert weiter. Das Streichquartett spielte hier wieder mehrere Werke und dazwischen wurde in entspannter und Podcast-ähnlicher Atmosphäre mit verschiedenen Gesprächspartner*innen zum Thema „Musik und Barrieren“ gesprochen.
Mitglieder der inklusiven RPW-Düneband erzählten, wie sie ihre Songs gemeinsam entwickeln und wie sie sich gegenseitig unterstützen – z.B., wenn (wie beim Lüneburger Stadtfest eine Woche vorher) die Bühne keine Rollirampe hat und alle zusammen einen Rolli-Fahrer aus der Band die Treppen hochtragen müssen. Ein Bewohner eines Wohnhauses berichtete davon, wie er mit einer Gruppe von Menschen mit und ohne Behinderungen aus der Lebenshilfe seit 4 Jahren zum Heavy-Metal-Festival „Rock in Rautheim“ fährt und dort im Helferteam mitarbeitet und warum das Festival (das grösste inklusive Metall-Festival Deutschlands) so besonders ist. Einig waren sich alle: Barrieren gibt es noch viele und ebenso gibt es schon viele Beispiele, wie Barrieren abgebaut werden können: indem Rolliplätze in Theatern und bei Festivals mitgeplant werden, indem Einfache Sprache verwendet wird, indem Veranstaltungen als „Relaxed Perfor- mances“ angeboten werden, so dass sie für viele Menschen zugänglicher werden. „Die zwei Konzerte heute zeigen: Musik verbindet und berührt alle gleichermaßen.“, freut sich Anna Cor- des, Prokuristin der Lebenshilfe Lüneburg-Harburg. „So geht Teilhabe, so geht Inklusion! Wir hoffen auf viele weitere gemeinsame Projekte“ fügt sie hinzu– bevor die Gespräche im Brömsehaus bei Wein, Limo und Wasser in kleineren Gruppen weitergeführt werden. Ermöglicht wurde das Konzert im Wohnhaus Dank einer Spende der Stiftung der Lebenshilfe „Die Stifter – für Menschen mit Handicap in der Region“.

© Fotos: Lebenshilfe


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