Lüneburg, am Dienstag den 14.07.2026

Konjunktur hellt sich leicht auf – Wachstumsschwäche hält an

von Industrie- und Handelskammer am 14.07.2026


Die Konjunktur in Nordostniedersachsen hellt sich zum Sommer leicht auf, die Wachstumsschwäche hält jedoch an. Das zeigt die aktuelle Umfrage der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW), an der sich im Juni und Juli 400 Unternehmen aus den Landkreisen Harburg, Heidekreis, Lüneburg, Lüchow-Dannenberg, Uelzen und Celle beteiligt haben. Der IHK-Konjunkturklimaindikator steigt im zweiten Quartal 2026 von 79 auf 82 Punkte. Damit liegt er zwei Punkte unter dem niedersächsischen Wert und weiterhin deutlich unter der neutralen Marke von 100 Punkten.

„Die Konjunktur hellt sich etwas auf, von einem Aufschwung kann aber keine Rede sein“, sagt IHKLW-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert. „Hohe Energie- und Arbeitskosten, Steuern und ausufernde Bürokratie nehmen den Unternehmen den Spielraum für Investitionen. Die Wirtschaft braucht jetzt schnelle Entlastungen und verlässliche Rahmenbedingungen.“

Der leichte Anstieg des Indikators beruht vor allem auf einer besseren Bewertung der aktuellen Geschäftslage. 23 Prozent der Betriebe bewerten ihre Lage als gut, 43 Prozent als befriedigend und 34 Prozent als schlecht. Der Blick nach vorn hat sich dagegen weiter eingetrübt: 37 Prozent erwarten schlechtere Geschäfte, 51 Prozent eine stabile Entwicklung und nur zwölf Prozent eine Verbesserung. Der Saldo der Geschäftserwartungen sinkt auf minus 26 Punkte. Auch bei Investitionen und Personalplanung überwiegt die Zurückhaltung.

„Jedes dritte Unternehmen bewertet die aktuelle Lage als schlecht und nur jeder achte Betrieb rechnet mit besseren Geschäften“, sagt Zeinert. „Das ist ein deutlicher Weckruf. Ohne bessere Standortbedingungen wird aus der leichten Aufhellung kein nachhaltiger Aufschwung.“

In der Industrie steigt der Klimaindikator um zwei Punkte auf 74 Punkte. Dazu tragen mehr Aufträge und bessere Exporterwartungen bei. Gleichzeitig sehen international tätige Betriebe die hohen Kosten in Deutschland als Wettbewerbsnachteil. Sie planen, im Inland Personal abzubauen, während sie ihre Investitionen im Ausland ausweiten wollen. Der Einzelhandel verbessert sich um fünf auf 83 Punkte, rechnet aber ebenfalls mit sinkenden Beschäftigtenzahlen. Die Dienstleister legen leicht auf 87 Punkte zu, der Großhandel stagniert bei 73 Punkten.

Als größtes Risiko nennen 65 Prozent der Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, drei Prozentpunkte mehr als im Vorquartal. Es folgen die schwache Inlandsnachfrage mit 59 Prozent, hohe Energie- und Rohstoffpreise mit 51 Prozent, steigende Arbeitskosten mit 50 Prozent und der Fachkräftemangel mit 39 Prozent.

Die IHK Lüneburg-Wolfsburg fordert deshalb, die angekündigten Reformen schnell und unbürokratisch umzusetzen. Nachbesserungsbedarf sieht Zeinert insbesondere bei der Arbeitszeit und der Steuerpolitik: „Die im Koalitionsvertrag angekündigte Flexibilisierung der Arbeitszeit darf nicht aufgeschoben werden. Ebenso falsch wären zusätzliche Steuerbelastungen in einer Phase, in der die Wirtschaft kaum wächst. Gerade mittelständische Personengesellschaften und Familienunternehmen brauchen mehr Freiraum, um vor Ort investieren, beschäftigen und ausbilden zu können.”

Neben dem Konjunkturbericht für Nordostniedersachsen bietet die IHKLW gemeinsam mit der IHK Braunschweig einen Konjunkturbericht für den Wirtschaftsraum Braunschweig-Wolfsburg an. Beide Berichte mit weiteren Daten, Grafiken und Erläuterungen sind zu finden unter: www.ihklw.de/konjunktur.
***
Lüneburg, 14. Juli 2026

© Fotos: Industrie- und Handelskammer


Kommentare Kommentare


Zu diesem Artikel wurden bisher keine Kommentare abgegeben.



Kommentar posten Kommentar posten

Ihr Name*:

Ihre E-Mailadresse*:
Bleibt geheim und wird nicht angezeigt

Ihr Kommentar:



Lüneburg Aktuell auf Facebook