Lüneburg, am Dienstag den 26.05.2026

Kulturforum soll 400 000 Euro zahlen — droht die Insolvenz?

von Carlo Eggeling am 26.05.2026


Das Kulturforum liefert seit vier Jahrzehnten eine Bühne für Musik, Theater, Lesungen, ist zugleich Ort politischer Veranstaltungen, der Stadtrat tagt öfter in der Scheune. Doch der Trägerverein steht vor einer riesigen Herausforderung. Vereinsvorstand Matthias Meyer und seine Mitstreiter sollen 400 000 Euro Corona-Beihilfen zurückzahlen. Geld, das der Verein nicht hat. Im schlimmsten Fall, heißt es in einer internen Vorlage der Verwaltung, drohe dem Verein der Gang zum Insolvenzgericht. Das bestätigt Meyer auf Nachfrage.

Die Lage verschärft sich, da Meyer für das kommende Jahr keine Buchungen annehmen beziehungsweise selber keine Veranstaltungen buchen kann. "Wir kämpfen über den Sommer, findet sich dann keine Lösung, müssen wir aufgeben", sagt er. Doch das sei eigentlich keine Option. Für die Corona-Mittel zeichnet die landeseigene N-Bank verantwortlich. Gegen deren Rückforderung gehe man anwaltlich vor.

Denn nachvollziehen kann Meyer deren Sicht nicht: Einfach gesagt zweifle die N-Bank Umsatzrückgänge in den Corona-Jahren an. Die habe es allerdings gegeben, da Veranstaltungen ganz ausfielen oder nachgeholt wurden. Das wiederum führte dazu, dass eben die Erträge niedriger ausfielen. Die Beihilfen seien dementsprechend längst in den Betrieb geflossen.

Die Stadt unterstützt das Kulturforum seit Mitte der 1980er Jahre als Nema Heiburg und andere die Idee hatten, aus der ehemaligen Villa Gut Wienebüttel und der Scheune einen Ort der Kultur zu machen. So nutzt der Verein die Räume mietfrei, auch für Um- und Ausbauten gab die Stadt Geld. In der Vorlage heißt es, für "sicherheitstechnische Maßnahmen" habe das Rathaus zwischen 2018 und 2020 rund 200 000 Euro überwiesen.

Auch habe die Stadt an der Unterhaltung des Parkplatzes, des Teichs sowie des Baumbestands ihren Anteil geleistet. Die Vorlage unterschreicht jedoch ausdrücklich, dass der größte Teil der baulichen Verbesserungen an Scheune und Galeriehaus durch den Verein erledigt wurden, ehrenamtlich und mit eigenem Geld.

All das erkennt Meyer an, doch er braucht mehr. Dasdas hat er dem Rathaus mitgeteilt. Der Verwaltungsausschuss, in dem die Politik vertreten ist, wurde vor einem Monat über die prekäre Lage ins Bild gesetzt.

Die Möglichkeiten der Hansestadt seien eingeschränkt, heißt es in der Vorlage. Aus rechtlicher Sicht sei eine Bürgschaft der Kommune ausgeschlossen. Betriebskostenzuschüsse würden das Minus nicht wirklich ausgleichen, die Insolvenz wäre nur aufgeschoben. Warnend notiert man überdies: Lege man sich für das Kultusforum ins Zeug, könnten andere Institutionen im Fall der Fälle ein ähnliches Engagement einfordern.

Meyer und seine Mitstreiter wissen, dass sie wie seit langem vor allem auf sich selbst setzen müssen. Sie versuchen, Geld über Stiftungen einzuwerben, ein weiteres Stichwort ist Crowd-Founding. Meyer wünscht sich zudem mehr Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure, denn der Markt der Konzertgänger sei überschaubar, die Zahl der Anbieter nehme zu wie durch den Kultursommer und Angebote im Uni-Bau.. Sein Prinzip, klassische Kultur anzubieten und zu unterstützen, gehe auf, wenn genug Auftritte beispielsweise mit Comedy die Sitzreihen füllen. Eine Mischkalkulation ohne große Gewinne.

Um die Basis zu verbessern, möchte Meyer mehr. Die Konzertscheune sollte um einen Anbau wachsen, um etwa die Gastronomie zu verlagern und zweihundert neue Plätze schaffen zu können. So könnten Einnahmen steigen. Zukunftsmusik.

Jetzt geht es ums Überleben. Veranstaltungen laufen noch bis Ende des Jahres. Das Buchen für die nächste Saison müsste losgehen. Dass das Kulturforum gebraucht wird, scheint keine Frage. Die Frage bleibt, wer hilft bei der Rettung? Carlo Eggeling

© Fotos: ca


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