Landkreis muss mehr Schulden machen
von Carlo Eggeling am 21.09.2026Finanznot zwingt zum Handeln:
Nachtragshaushalt für Landkreis Lüneburg
(lk) Außerplanmäßig stark gestiegene Ausgaben machen im laufenden Haushaltsjahr des Landkreises Lüneburg einen Nachtragshaushalt erforderlich. Der Finanzausschuss billigte mehrheitlich das neue Defizit von 63,8 Millionen Euro. Im Vergleich zum ursprünglichen Plan wächst das Minus um rund 9,5 Millionen Euro. Das größte Loch reißen Mindererträge im Rettungsdienst, da die verhandelten Entgelte die gestiegenen Kosten nicht vollständig ausgleichen. Stärker gestiegen als geplant sind zudem die Ausgaben für Sozialleistungen – etwa Heimerziehung, Hilfen für unbegleitete minderjährige Ausländerinnen und Ausländer, Schulbegleitungen oder Pflege – sowie im Personalbereich. Dort entstehen Mehrkosten unter anderem durch übergangsweise Doppelbesetzungen in der Feuerwehrtechnischen Zentrale, um neues Personal einzuarbeiten, durch Tarifsteigerungen und durch höhere Pensions- und Beihilferückstellungen.
„Die Kommunen in ganz Niedersachsen stehen finanziell mit dem Rücken zur Wand. Der Landkreis Lüneburg bildet da keine Ausnahme“, sagte Landrat Jens Böther. „Unsere Reserven sind längst aufgebraucht. Um als Kreisverwaltung handlungsfähig zu bleiben, haben wir keine andere Wahl, als diesen Nachtragshaushalt auf den Weg zu bringen. Bund und Land stellen nach wie vor nicht ausreichend Mittel für die uns übertragenen Aufgaben zur Verfügung. Aus eigener Kraft werden wir aus dieser Negativspirale nicht ausbrechen können. Wir benötigen endlich eine auskömmliche Finanzierung für unsere Pflichtaufgaben.“
Bei viel Schatten zeigt der Blick in den Nachtragshaushaltsplan auch etwas Licht: Bei Schlüsselzuweisungen und der Kreisumlage lagen die Erträge höher als erwartet, außerdem wird voraussichtlich die Genehmigung mehrerer Windparks für zusätzliche Einnahmen sorgen. „Die positiven Entwicklungen mit insgesamt 6,8 Millionen Euro fangen die negativen Entwicklungen mit -16,5 Millionen Euro bei weitem nicht auf“, so Kreisrat Rainer Müller. „Sorgen bereiten uns vor allem die immer stärker steigenden Ausgaben im Bereich der Jugend- und Sozialhilfe. Beim Rettungsdienst besteht zumindest Hoffnung auf eine auskömmliche Finanzierung, um auch wieder Defizite abzubauen. Das Grundproblem der systematischen Unterfinanzierung bekommen wir aber auch damit nicht in den Griff.“ Am 30. September 2026 wird der Kreistag abschließend über den Nachtragshaushalt abstimmen.
Text Landkreis
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